Luftbildarchäologie und Bauforschung
Dr. Gabriele Scharrer-Liška

Die Abteilung Luftbildarchäologie und Bauforschung des Interdisziplinären Forschungsinstituts für Archäologie hat ihren Sitz im Luftbildarchiv des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien.

Sie beschäftigt sich mit Kulturleistungen des Menschen in Form von Gebäuden und Siedlungsresten im weitesten Sinne. Der Zugang zu diesen Hinterlassenschaften erfolgt einerseits über die Luftbildarchäologie, andererseits über die Bauforschung.

Luftbildarchäologie

Unterirdisch noch in Resten erhaltene Siedlungsstrukturen wie Gruben, Gräben oder (Fundament-)Mauern sind unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen von erhöhten Standpunkten aus sichtbar. Gruben, Gräben, Mauern etc. stellen einen Eingriff in das natürliche Bodengefüge dar und haben üblicherweise andere chemische und physikalische Eigenschaften als das umgebende, ungestörte Erdreich. Dies äußert sich

  • auf vegetationsfreien Flächen durch sog. Bodenmerkmale, welche sich durch unterschiedliche Färbung (z.B. dunkle humose Verfüllung von Gräben) von der Umgebung abheben

  • durch sog. Bewuchsmerkmale als Äußerung veränderter Wachstumsbedingungen, welche sich in verschiedenen Wuchshöhen oder Färbungen des Getreides zeigen

  • Manchmal ist an der Erdoberfläche noch ein geringes Relief der Siedlungsstrukturen (z.B. von Wall-Graben-Anlagen) vorhanden, das erst von erhöhten Standpunkten bei bestimmten Lichtverhältnissen in Form von Schattenmerkmalen sichtbar ist.


(Luftbild-)Archäologische Prospektion dient im Bereich der archäologischen Forschung vor allem der

  • Erfassung und Dokumentation bisher unbekannter Bodendenkmäler

  • Überwachung bereits bekannter Bodendenkmäler (im Sinne des Denkmalschutzes)

  • Planung archäologischer Grabungen

  • Ergänzung bzw. teilweise Ersetzung archäologischer Grabungen durch Auswertung der Luftbilder mit dem Ziel, maßstäbliche Pläne oder Orthofotos zu erzeugen

Bauforschung

Bauforschung beschäftigt sich mit oberirdisch (und unterirdisch) erhaltenen Gebäuden. Das äußere und innere Erscheinungsbild der Baulichkeiten ist durch funktionale Kriterien aber auch „Modeströmungen“ bestimmt. Das verwendete Baumaterial, die Struktur der Mauern, sowie gelegentlich die Vorgangsweise beim Bau der Mauern sind Elemente, die durch die Zeiten Veränderungen unterworfen und in Folge auch sichtbar sind. Die Geschichte eines Gebäudes ist geprägt durch seine Errichtung und nachfolgende Umbauten und Veränderungen, die z.B. in Baufugen und nachträglichen Einbauten erkennbar sind.

Die Bauforschung als Nachbardisziplin der (Mittelalter-)Archäologie befasst sich vor allem mit der

  • Erfassung und Dokumentation oberirdisch erhaltener Baudenkmäler und in Folge Entwicklung der Siedlungsstelle

Wesentliche Vorarbeit für die Interpretation dieser baulichen Hinterlassenschaften des Menschen und Beurteilung als Kulturleistung ist ihre exakte Dokumentation. Sowohl Luftbildarchäologie als auch Bauforschung bedienen sich fotografischer und fotogrammetrischer Methoden sowie geographischer Informationssysteme als technische Hilfsmittel, um sich der Beantwortung ihrer Fragestellungen zu nähern.

Mittelpunkt und Ziel aller genannten Tätigkeiten sind die Aufnahme und Dokumentation von Siedlungselementen und –resten im weitesten Sinne und in Folge die Rekonstruktion von Siedlungstätigkeit und –abläufen und damit – wie in allen historischen Wissenschaften – letztendlich die Erforschung des Menschen und seiner Kulturleistungen.

Projekte
Schriftenverzeichnis

© VIAS - Vienna Institute for Archaeological Science
Letzte Änderung 02.03.2007 DI Bernhard Knibbe