Entwicklung und Geschichte

 

1873 entdeckte C. May die Lichtempfindlichkeit des Sehens. Es wurde möglich elektrische Ströme in Abhängigkeit von der Lichtintensität zu steuern.

 

Paul Nipkow patentierte 1884 sein Konzept zur Bildzerlegung und Informationsreduktion, die Nipkow-Scheibe. Eine drehbare Scheibe wurde mit Löchern in spiralförmiger Anordnung versehen, deren Anzahl der Zeilenanzahl des zerlegten Bildes entsprach. Mit einer Photozelle, die hinter der Scheibe montiert wurde, konnten Helligkeitsinformationen in elektrische Signale umgesetzt und an einen Empfänger mit einer reaktionsschnellen Lichtquelle weitergeleitet werden. Durch eine weitere (synchron bewegte) Scheibe konnte das zuvor abgetastete Bild wiedergegeben werden.

 

Karl Ferdinand Braun erfand 1897 die Kathodenstrahlröhre, Braunsche Röhre genannt, sie ist entscheidend für die spätere Entwicklung elektronischer Aufnahme- und Wiedergabesysteme.

 

Ende des 19. Jahrhunderts wurden außerdem bereits die Grundlagen für die Magnetaufzeichnung (MAZ) geschaffen. Valdemar Poulsen etwa patentierte 1898 sein „Telegraphon“.

 

In den 1920er Jahren kam es zu einer Intensivierung der Fernsehforschung. Die Synchronisation der Sendesignale wurde noch mechanisch (per Handbremse) vorgenommen.

 

1935 eröffnete in Berlin der erste regelmäßige Fernsehdienst (180 Zeilen-Norm). Als Zwischenstufe vor der Bildwandlung wurde meist auf Film aufgezeichnet und über Filmabtaster mittels Nipkow-Scheibe umgesetzt.

 

Die erste elektronische Kamera, auf Basis des Ikonoskops (elektronischer Bildabtaster), wurde 1936 vorgestellt. Die mechanischen Elemente verschwanden aus den Bildwandlungssystemen.

 

Aufgrund des zweiten Weltkrieges wurden die USA zum Träger weiterer wichtiger Entwicklungen, 1941 wurde hier die bis heute in den USA gültige Fernsehnorm mit 525 Zeilen eingeführt. Die Einführung des vollelektronischen S/W kompatiblen NTSC-Farbfernsehsytems (National Televisions Sytems Commitee) folgte 1953. In Europa wurden in den 60er Jahren alternative Systeme eingeführt: SECAM (séquentiel couleur à mémoire) in Frankreich und PAL (Phase Alternation Line) in Deutschland.

 

1956 erschien der erste einsatzfähige Video Tape Recorder (VTR) für Sendezwecke von der Firma AMPEX. Erst Ende der 6oer Jahre aber wurden die Geräte, durch die Entwicklung von Kassetten-Systemen (Video Cassette Recorder, VCR), reif für den Consumermarkt. 1972 stellte Sony den ersten U-Matic Videokassettenrekorder vor. 1976 folgte das Format Video Home System (VHS) von JVC, das sich bis in die späten 90er als Standard halten sollte.

 

Die Entwicklung des Consumer-Sektors wirkte auf die professionelle Seite zurück. Als Sony 1983 das Betacam-System vorstellte, vollzog sich auch im Produktionsbereich der Wechsel vom einkanaligen PAL-Signal zu dem bei Betacam verwendeten dreikanaligen Komponentensignal.

 

Auch die Digitalisierung der Heimanwendergeräte hatte Rückwirkung auf den professionellen Sektor. 1995 führte Sony das DV-Format ein, das in seinen Varianten DVCPro und DVCam für die professionelle Anwendung adaptiert wurde. Durch Firewire (IEEE 1394) wurden neue Möglichkeiten zur verlustfreien digitalen Datenübertragung auf den Computer geschaffen.

 

„Gegenwärtig ist die Digitalisierung des Produktionsbereichs abgeschlossen, d.h. alle Geräte arbeiten digital und der Datenaustausch erfolgt meist in Echtzeit über das seriell digitale Interface. Die Gesamtstruktur ähnelt aber noch der überkommenen und man spricht davon, dass die erste Phase der Digitalisierung abgeschlossen ist, während die weite Phase vom verstärkten Einsatz datenreduzierter Signale und der weitgehenden digitalen Vernetzung der Produktionskomplexe geprägt ist.“*

 

* aus: Professionelle Videotechnik, Ulrich Schmidt, 4. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2005, S.6