Wienbibliothek Objekt des Monats Juni 2011: Der letzte «Hetzzettel» vom 1. September 1796 des k.k. privilegirten Hetzamphitheaters unter den Weissgerbern

Tierkämpfe und Tierhetzen zäh­len zu den unrühm­li­chen Attraktionen des Vergnügungslebens des 18. Jahrhunderts. So exis­tier­ten Tierhetztheater an vie­len Orten, bei­spiels­weise in Graz, Preßburg, Pest und Regensburg. Dem Wiener Publikum wurde bereits ab 1708 in der Leopoldstadt ein grau­sa­mes und bru­ta­les Tierhetzspektakel gelie­fert. Bären, Wölfe, Wildschweine, sogar Leoparden oder Löwen wur­den dabei von Hetzhunden ver­folgt und gerissen.

Das 1755 errich­tete «k.k. pri­vi­le­girte Hetzamphitheater unter den Weißgerbern» war der größte Bau sei­ner Art, fasste 3000 Zuschauer und bot neben Tierhetzen, auch Darbietungen von Kunstreitern und Seiltänzern. Nach dem Tode des Erbauers und Besitzers, wurde das «Hetzhaus» als drit­tes Theater, neben dem Hofburgtheater und dem Theater nächst dem Kärntnertore unter die Verwaltung der «k.k. Obersten Theatral-Hofdirektion» gestellt. Das Ende des Hetztheaters kam ganz über­ra­schend am 1. September 1796, als das aus Holz erbaute Gebäude mit­samt den Tieren einem Brand zum Opfer fiel und Kaiser Franz II. dar­auf­hin die Errichtung neuer «Hetzhäuser» unter­sagte. Heute erin­nert neben der «Hetzgasse» im 3. Wiener Gemeindebezirk nur noch die Wiener Redensart «Das war eine Hetz» an die Zeiten des Hetztheaters.

Die Wienbibliothek im Rathaus ver­wahrt unter der Signatur C 16.361 die Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters – dort befin­det sich auch die­ser abge­bil­dete Hetzzettel der letz­ten Vorstellung vom 1. September 1796. Die Hetztheater-Programmzettel sind Bestandteil der umfang­rei­chen Theaterzettel-Sammlung der Wienbibliothek, wel­che die Besetzungszettel und Programmhefte der Wiener Theaterhäuser akri­bisch sam­melt, da die Theaterzettel eine bedeut­same Quelle der Theater-, Sozial- und Kulturgeschichte eines Ortes dar­stel­len. Zum Quellenwert der Theaterzettel, den der­zei­ti­gen Forschungsstand und den Digitalisierungsprojekten fin­det in der Musiksammlung der Wienbibliothek am 29. und 30. Juni eine Tagung statt.

Quelle: http://www.wienbibliothek.at/aktuelles/objekt-des-monats-juni11.html

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