Artikel zur „Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss“ im Bulletin Kunst & Recht 2 (2011) Heft 1

Philipp Haller, Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss. Das unvollendete Ballet Aschenbrödel, in: Bulletin Kunst & Recht 2 (2011) Heft 1, S. 52-54.

Gerade erschienen: http://www.univie.ac.at/kunstundrecht/?p=381

Im VÖBBLOG zu diesem Aufsehen erregenden Fall:

Ergänzend auch noch eine Serie in der Neuen Presse Coburg:

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3 Antworten auf Artikel zur „Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss“ im Bulletin Kunst & Recht 2 (2011) Heft 1

  1. Ralph Braun sagt:

    „Die Wiener Stadtbibliothek mit ihrer Druckschriften-, Handschriften- und Musiksammlung ist nicht nur eine Bibliothek […] Sie ist ein Museum des menschlichen Geistes, des geschriebenen und gedruckten Wortes, der in Noten gesetzten Töne, der stummen, unhörbaren Musik“.

    So schrieb der frühere Direktor Mag. Dr. Franz Patzer zu Beginn des Katalogs der großen von Prof. Dr. Fritz Racek zusammengestellten Johann Strauss-Ausstellung anlässlich der 150. Wiederkehr des Geburtstages des “ Walzerkönigs“ (22. Mai bis 31. Oktober 1975). Auf Seite 114 findet man unter der Katalognummer 591:“ „Johann Strauß, eigenhändiger Partiturteil zum Ballett ‚Aschenbrödel‘ Wiener Stadtbibliothek“.

    Am 14. August 1975, „mitten“ während der Ausstellung, starb Prof. Racek. Sein Nachfolger wurde Univ. Doz. Dr. Ernst Hilmar, der, wie in der Danksagung von Dr. Patzer im Katalog genannt, als „Bibliotheksoberkommissär“ für das „Musikprogramm“ der Ausstellung zuständig war. Nach Beendigung der Ausstellung mussten die Exponate wieder in die Magazine eingegliedert werden.

    Hiermit verliert sich die Spur der „Aschenbrödel“-Autographe bis 2007 und 2008 – als der Landesbibliothek-Coburg „Aschenbrödel“-Manuskripte von einer Person mit dem offenbar fingierten Namen „Prof. Heinrich Müller“ zur weiteren Verfügung überlassen und mir vom deutschen Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff – nach Suspendierung Dr. Hilmars (1994) engster wissenschaftlicher Mitarbeiter Hilmars – für die „Deutsche Johann Strauss Gesellschaft“ als deren damaligen 1. Vorsitzendem zum Kauf angeboten wurden.

    Im 1976 – ein Jahr! nach der großen Strauss-Ausstellung – erschienenen von Franz Patzer herausgegebenen ersten „Führer“ der nun “Wiener Stadt und Landesbibliothek“ nannte Otto Brusatti in seinem Artikel über die „Musiksammlung“ bei der Auflistung sämtlicher in der WStuLb vorhandener autographer Partituren zu Strauss’schen Bühnenwerken das Ballett „Aschenbrödel“ nicht!

    Die „in“ der Rathausbibliothek verschwundene „Aschenbrödel Leinenmappe“ mit ursprünglich 611 Seiten Partiturskizzen – diese nicht inventarisierte Mappe war bis nach 2000 nur in der 1948 erstellten Objektliste der Sammlung Strauss-Meyszner aufgeführt – wurde wohl erst 2009! in der Wienbibliothek wiedergefunden.

    Nachdem ich vom Artikel Philipp Hallers im Internet erfuhr, bat ich Prof. Gerte Reichelt (Univ. Wien), die Initiatorin der „Forschungsgesellschaft Kunst & Recht“ (2009), um ein Exemplar des „Bulletin Kunst&Recht 1/2011“, in welchem dieser Artikel erschienen war. Prof. Reichelt mailte mir Hallers Artikel als pdf.

    Beim Öffnen fiel mir zunächst das Logo der großen Wiener Sozietät „Fellner Wratzfeld&Partner Rechtsanwälte GmbH“ auf, welches oben rechts auf jeder Seite des Artikels aufscheint. Mag. Jur. Philipp Haller ist dort, wie man unter „Team“ erfährt, als Rechtsanwaltsanwärter beschäftigt. Der Inhalt des sehr fehlerhaften Artikels entsetzte mich als in der Sache sehr Kundigen. Der nicht kundige Leser wird Hallers Darstellung Glauben schenken und der Artikel so seine wohl beabsichtigte Wirkung erzielen.

    Durch die Veröffentlichung im Bulletin 1/2011 der Forschungsgesellschaft Kunst&Recht erhält Hallers Artikel eine wissenschaftliche Legitimierung. Ich wies Prof. Reichelt und den Co-Initiator in Hamburg (Max Planck-Institu) auf die zahlreichen Fehler hin, ohne Reaktion. Hiermit diskreditiert sich die Forschungsgesellschaft selbst.

    Mir hatte der in Plön lebende deutsche Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff die Autographe samt sämtlicher Partiturskizzen zu Strauss‘ „Aschenbrödel-Donauwalzer“-Bearbeitung für Leierkasten und Orchester – für den Beweis sehr wichtig – im März 2008 angeboten und nicht zuletzt durch mich sind sie überhaupt nach Österreich zurückgekommen.

    Als ich nach eineinvierteljähriger Untätigkeit seitens der Wienbibliothek (März 2008-Ende Juni 2009) und meiner auf eine Anfrage von Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey hin erfolgten erneuten Kontaktaufnahme zum Anbieter und Verlauf der Sache nach Beschlagnahme der Autographe erkennen musste, dass die Wienibliothek an einer juristischen Aufarbeitung der Causa offensichtlich nicht interessiert ist, machte ich den Fall öffentlich.

    An einem Beispiel soll hier aufgezeigt werden, wie wenig sorgfältig recherchiert Hallers Artikel ist. Vielleicht hätte er sich bei mir erkundigen sollen.

    Zum Schluss des Artikels über die „Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss“ erfährt man: „Die Vermutungen über den Verbleib der [Aschenbrödel]Skizzen waren zahlreich: Einzelne Skizzenblätter sollen von Vertretern der Stadt Wien an hochrangige Staatsgäste verschenkt worden sein.“

    Philipp Haller nennt als Quelle seiner Behauptung den Artikel der Kronen-Zeitung „Verschenkte Wien Noten von Strauss als „Souvenirs“?“ vom 14.1. 2011

    In diesem Artikel wird der deutsche Musikwissenschaftler und Strauss-Forscher Prof. Norbert Linke (Borken Westfalen) genannt und zitiert:
    „Norbert Linke traute einst seinen Ohren nicht, als er den musikalischen Leiter der Wienbibliothek nach dem Verbleib der wertvollen Strauß- Noten fragte. Denn die Antwort lautete: ‚Wenn Staatsgäste aus dem Nahen Osten in Wien sind, dann ruft das Rathaus an und will ein paar historische Dokumente. Sozusagen als exklusives Gastgeschenk.‘ “

    Linke bezog sich hierbei auf das in der Wienbibliothek verwahrte Johann Strauss-Skizzenbuch 1893/1894 (MHc. 7828, Sammlung Strauss-Meyszner), aus welchem zahlreiche – nach Linkes Einschätzung mindestens 60 – Blätter herausgetrennt worden waren. Der bereits zu Hilmars Zeiten! verfasste Katalogeintrag vermerkt den Fehlbestand: „aus dem ursprünglich wesentlich umfangreicheren Band wurden zahlreiche Blätter herausgetrennt.“
    http://www.digital.wienbibliothek.at/mus/content/titleinfo/284321
    Dieser Skizzenband hat mit Aschenbrödel nichts zu tun!

    In einem mit „streng geheim“ überschriebenen Brief des 2010 verstorbenen Journalisten und Strauss-Forschers Prof. Franz Mailer (vom Februar 1988) an den damaligen 2. Vorsitzenden der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Werner Abel, schreibt der empörte Mailer von einer inzwischen herausgebildeten „Allianz Linke/Hilmar“.

    Prof. Linke war von Dr. Hilmar ab 1981 in der „Wiener Stadt- und Landesbibliothek“ uneingeschränkter Zugang zu den großen Strauss-Sammlungen Simon und Meyszner gewährt worden. Auf Basis Linkes zeitweise täglich in diesen Sammlungen durchgeführten Forschungen veröffentlichte er in seinem 1987 erschienenen Buch „Musik erobert die Welt“ für die Strauss-Forschung äußerst provozierende Thesen, welche den Anlass für Mailers Brief bildeten. Mailer wiegelte den Vorstand der DJSG gegen ihren 1. Vorsitzenden auf. Linke wurde 1991 von Arthur Kulling abgelöst.

    Als ich im vergangenen Jahr als Vorsitzender der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“ http://www.np-coburg.de/regional/feuilleton/np/npfeuilleton/art83474,1788531 meinen Vor-Vorgänger Prof. Linke 2011 nach dem Hinzergrund des Mailer-Begriffes „Allianz Linke/Hilmar“ fragte, erzählte mir Linke über seine durch Hilmar ermöglichten Forschungen und dass Dr. Hilmar die 1948 erstellte Objektliste der Sammlung Strauss-Meyszner, welche als einziger Beleg das Vorhandensein der Aschenbrödel-Mappe in der WStuLb belegt, in seinem privaten Safe in seinem Büro in der Stadtbibliothek verwahrt habe.

    Dann erzählte mir Linke von der in der Kronen Zeitung zitierten Antwort Hilmars auf Linkes Frage nach dem Grund für das Fehlen der vielen Blätter im Skizzenbuch: Nachfrage des Rathauses bezüglich möglicher Geschenke für hohe ausländische Staatsgäste.
    Außerdem sei die autographe Partitur eine kompletten Johann Strauss-Werkes nach Japan zu einer großen Johann Strauss-Ausstellung ausgeliehen worden und nie nach Wien zurückgehehrt. Diesen Vorgang müsste man den amtlichen Unterlagen entnehmen können.

    Im Januar 2012 unterrichtete ich Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny in einem Einschreiben hierüber – keine Reaktion – dann die Pressekonferenz mit Dr. Mailath-Pokorny zur Rückholung der Autographe an meinem Geburtstag, 3. Februar 2012 „Strauss-Noten zurück in Wien: Doch Kunstkrimi bleibt ungelöst / Wer der dreiste Kunstdieb war, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben“ http://ralph-braun.com/wp-content/uploads/2011/06/strauss_noten_zurueck_in_wien.pdf

    Mit 18. Februar 2012 ist der Artikel von Philipp Haller „Zur Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss Das Ballett ‚Aschenbrödl'“ datiert. Nicht einmal der Titel des Balletts wird von Haller in der Überschrift und im Artikel selbst korrekt wiedergegeben.

    Weitere Informationen auf meiner website http://ralph-braun.com – auch zum letzten Satz Hallers bezüglich der Vermutungen über den Verbleib der „Aschenbrödel“-Skizzen:
    „Ein Musikwissenschaftler behauptete vor ein paar Jahren sogar, die Skizzen müssen für immer als verschollen gelten“.

    Als Quelle nennt Haller hier den Revisionsbericht der 2002/2003 im Rahmen der Neuen Johann Strauss Ausgabe erschienenen wissenschaftlichen „Aschenbrödel“-Partitur, deren dort wiedergegebene Musik in größeren Teilen von der in den „Aschenbrödel“-Skizzen aufscheinenden abweicht.

    Ralph Braun Coburg, 22. Februar 2012

  2. Ralph Braun sagt:

    Da ich es korrekt darstellen möchte, hier die Korrektur des von mir bei dem umfangreichen Text unrichtig wiedergegebenen Katalogeintrags des Skizzenbuch MHc 7828
    „aus dem ursprünglichen umfangreicheren Band wurden viele Blätter herausgeschnitten“

    Mit der Bitte um Nachsicht Ralph Braun

  3. Ralph Braun sagt:

    Noch eine kleine Korrektur: der Artikel Philipp Hallers trägt das Datum 18. Februar 2011 und nicht 2012

    Ralph Braun

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