10.000 Gedichte für jene, „die ohne Stimme sind» - Der Nachlass Theodor Kramers kommt der ÖNB zu

Durch eine groß­zü­gige Schenkung kam der Nachlass von Theodor Kramer an die Öster­rei­chi­sche Nationalbibliothek

Immer werd ich schrei­ben, süß und herb, / immer werd ich schrei­ben, bis ich sterb.“ Diese Verse stam­men von einem der bedeu­tends­ten öster­rei­chi­schen Exillyriker, näm­lich von Theodor Kramer. Und er schrieb tat­säch­lich mit einer Leidenschaft und Intensität, die sei­nes­glei­chen sucht. Nach 61 Lebensjahren waren es weit über 10.000 Gedichte.

Sein Nachlass, der diese Gedichte und nahezu ebenso viele Briefe umfasst, gelangte nun durch eine groß­zü­gige Schenkung von Erwin Chvojka an die Öster­rei­chi­sche Nationalbibliothek, wo er im Literaturarchiv archi­viert und bear­bei­tet wird. Chvojka (gebo­ren 1924) ist Ehrenmitglied der Theodor-Kramer-Gesellschaft und wurde vom Autor selbst als Verwalter und Herausgeber sei­ner Schriften ein­ge­setzt. Der zum gro­ßen Teil noch in den acht Originaltransportkisten von 1957 und eini­gen Reisekoffern über­nom­mene Nachlass ergänzt die Bestände des Literaturarchivs um eine wei­tere Zentralfigur der öster­rei­chi­schen Literatur.

Theodor Kramer (1897-1958) war in den 1930er Jahren einer der berühm­tes­ten zeit­ge­nös­si­schen Dichter und gilt als bedeu­tends­ter öster­rei­chi­scher Exillyriker. Bereits mit sei­nem ers­ten Lyrikband „Die Gaunerzinke“ (1929) hatte er einen beacht­li­chen Erfolg erzielt. Seine Gedichte wur­den in Zeitungen und Rundfunkstationen im gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum gedruckt und gesen­det. Seine Lyrik hat er jenen gewid­met, wie es im Buch „Mit der Ziehharmonika“ (1936) heißt, „die ohne Stimme sind“: den Außenseitern der Gesellschaft, den Landstreichern und Taglöhnern, den Ziegel- und Schnapsbrennern, den Knechten und Mägden, den Bettlern, Alkoholikern und Invaliden.

1939 flüch­tete er vor den Nationalsozialisten nach London und arbei­tete von 1942 bis 1957 als Bibliothekar in Guilford in Südostengland. Dem uner­müd­li­chen Einsatz von der eben­falls im eng­li­schen Exil leben­den Schriftstellerin Hilde Spiel und der Hilfe des dama­li­gen Staatssekretärs für aus­wär­tige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt, Bruno Kreisky, ist es zu ver­dan­ken, dass der kranke und durch das Exil schwer gezeich­nete Dichter 1957 nach Wien zurück­keh­ren konnte, wo er im Jahr dar­auf starb.

Pressemeldung ÖNBhttp://www.onb.ac.at/services/presse_20655.htm (Foto ÖNB)

http://www.buecher.at/show_content.php?sid=94&detail_id=6031

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Eine Antwort auf 10.000 Gedichte für jene, „die ohne Stimme sind» - Der Nachlass Theodor Kramers kommt der ÖNB zu

  1. Am 6.Juli 2012 ver­starb Sieglinde Bolbecher. Aus der von Ihr her­aus­ge­ge­be­nen Buchreihe anti­fa­schis­ti­sche Literatur und Exilliteratur - Studien und Texte (seit 1987) ent­stand 1995 der Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft. Bolbecher war u. a. Herausgeberin der gesam­mel­ten Werke von Stella Rotenberg und Mitherausgeberin und Mitautorin des Standardwerks Lexikon der öster­rei­chi­schen Exilliteratur (2000) …
    mehr unter: http://www.doew.at/aktuell/bolbecher_siglinde.html

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