ÖNB: Der Meister des Absurden - Österreichische Nationalbibliothek erwirbt Skizzenblätter von Fritz von Herzmanovsky-Orlando

Er ist bekannt als ein Meister des Absurden und Skurrilen, der über­zeugt war, Unsinn bestimme die Welt in viel grö­ße­rem Ausmaß als der Sinn. Mit sei­nen phantastisch-grotesken Werken zählt Fritz von Herzmanovsky-Orlando zu den gro­ßen Schriftstellern Öster­reichs. Weniger bekannt ist, dass Herzmanovsky-Orlando auch Kostüm- und Bühnenbildentwürfe anfer­tigte. Rechtzeitig zu sei­nem 135. Geburtstag im Jahr 2012 erwarb die Öster­rei­chi­sche Nationalbibliothek einen wert­vol­len Bestand an Skizzen des künst­le­ri­schen Multitalents.

Die Kleinode der Zeichenkunst stam­men aus dem Jahr 1930. Sie sind Vorarbeiten zu einer geplan­ten Aufführung des Theaterstücks „Androklus und der Löwe“ des bri­ti­schen Dramatikers George Bernhard Shaw für das Wiener Burgtheater. Bei den erwor­be­nen Zeichnungen han­delt es sich um groß­teils far­bige Blätter, die sowohl Kostümentwürfe als auch Skizzen des Bühnenbilds zei­gen. Die ins­ge­samt 25 Arbeiten, die meis­ten davon hand­si­gniert, sind mit Bleistift gear­bei­tet und zu einem über­wie­gen­den Teil aquarelliert.

Besonders detail­reich wur­den die Kostümentwürfe aus­ge­führt. Herzmanovsky-Orlando ver­sah sie nicht nur mit genauen Materialangaben, son­dern ver­merkte sogar den Namen des für die Rolle vor­ge­se­he­nen Schauspielers (Centurio: Herr Schmidt). In den Skizzen der Kostüme ist auch am deut­lichs­ten die unver­kenn­bare Handschrift die­ses außer­ge­wöhn­li­chen Künstlers zu erken­nen: die gezeich­ne­ten Figuren haben bei aller Ernsthaftigkeit stets auch etwas von einer Karikatur.

Schriftsteller, Zeichner, Bühnenbildner – das sind nur einige Rollen des Fritz von Herzmanovsky-Orlando. Der öster­rei­chi­sche Künstler zählte zu den sel­te­nen Mehrfachbegabungen, der seine Spuren in ver­schie­de­nen Bereichen von Kunst und Kultur hin­ter­ließ. 1877in Wiengeboren, arbei­tete er viele Jahre als Architekt. Aus gesund­heit­li­chen Gründen gezwun­gen, seine beruf­li­che Laufbahn zu been­den, über­sie­delte er 1912 nach Meran. Durch fami­liä­ren Wohlstand finan­zi­ell unab­hän­gig, unter­nahm er zahl­rei­che Reisen und war fortan als Schriftsteller und Zeichner tätig. Er starb 1954 im Alter von 77 Jahren. Zu Lebzeiten ver­mochte Herzmanovsky-Orlando nur wenige sei­ner lite­ra­ri­schen Werke zu ver­öf­fent­li­chen. Erst nach sei­nem Tod initi­ierte Friedrich Torberg eine Gesamtausgabe.

Auch die Aufführung der Komödie „Androklus und der Löwe“ sollte Herzmanovsky-Orlando nicht erle­ben. Die Inszenierung war geplant für das Jahr 1932. Aufgrund öffent­li­cher Agitationen gegen den Spielplan des dama­li­gen Burgtheaterdirektors Anton Wildgans als auch gegen den Inhalt des Stückes gelangte es nicht zur Aufführung.

Quelle: Pressemeldung ÖNBhttp://www.onb.ac.at/services/presse_20726.htm

Fotos: ÖNB

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