Die Presse/Gastkommentar: Es riecht nach digitaler Bücherverbrennung

Die Diskussion um die Vision 2025 der ÖNB geht weiter:

… Ein Plädoyer für das Papierbuch und gegen das E-Book. (von RADEK KNAPP) …

… Die Zeiten ändern sich, wie Direktorin Rachinger rich­tig bemerkt hat. Dies ist aber kein Argument, son­dern eine Feststellung. Wie oft mag die­ser Satz schon im Laufe unse­rer Geschichte gefal­len sein? Tausende Male. Er fiel, als das Römische Reich unter­ging, als die Pest Europa dezi­mierte und als man Papierbücher verbrannte.

Die Diktatoren der Zukunft hät­ten mit einer digi­ta­len Bibliothek ein leich­tes Spiel. Ein Klick erle­digt alles leise und end­gül­tig. Und wie hat jemand ein­mal klug bemerkt? Wo Bücher weg­ge­klickt wer­den, wer­den auch Menschen weggeklickt.

Die Nationalbibliothek würde dann das erste logi­sche Opfer wer­den. Nachdem man sie zu einem Nationalserver umfunk­tio­niert hat, wird man das Personal samt Direktion gegen Wartungstechniker tau­schen. Und warum eigent­lich nicht? Die kön­nen den Laden bestimmt genauso gut schaukeln.

Der ganze Beitrag: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1298857/Es-riecht-nach-digitaler-Buecherverbrennung

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Eine Antwort auf Die Presse/Gastkommentar: Es riecht nach digitaler Bücherverbrennung

  1. Karl Rathmanner sagt:

    Wenn man schon pole­mi­schen Schmarrn schreibt sollte man wenigs­tens dar­auf ach­ten, sich nicht auf sach­li­cher Ebene zu dis­qua­li­fi­zie­ren.
    Wie man bei­spiels­weise behaup­ten kann: «In San Diego, einer Millionenstadt, gibt es wegen des E-Books keine Buchhandlungen mehr» kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Hat er Angst, sich beim goog­len mit einem Virus anzu­ste­cken?
    «Was ist, wenn ein E-Book in die Badewanne fällt?» wäre bril­li­ant, wenn er sich ein Kōan hätte aus­den­ken wol­len – aber mir drängt sich der Verdacht auf, dass Knapp gar nicht weiß was das über­haupt ist: ein E-Book. Wirkt es des­halb so bedroh­lich für ihn?
    Dass ein E-Book nicht nass wer­den oder ver­brannt wer­den kann, dass ledig­lich Kopien davon durch die «Diktatoren der Zukunft» gelöscht wer­den kön­nen, dass es ver­lust­frei und quasi gra­tis ver­viel­fäl­tigt und einer unbe­grenz­ten Zahl an Menschen zugäng­lich gemacht wer­den kann, scheint ihm nicht ver­ständ­lich zu sein.
    Als Bibliothekare haben wir die Aufgabe Informationen zu sam­meln, zu beschrei­ben und dafür zu sor­gen, dass dar­aus selbst in den Köpfen spä­te­rer Generationen wie­der Wissen ent­ste­hen kann. Wenn wir den Auftrag ernst neh­men, dür­fen wir uns das Trägermedium die­ser Informationen eben nur nach prag­ma­ti­schen Gesichtspunkten aussuchen.

    Falls die Ausgabegeräte in zwan­zig Jahren noch immer «beschleu­nigte Schädigung der Sehkraft und chro­ni­sche Migräneanfälle» ver­ur­sa­chen soll­ten, würde es mich schwer wun­dern wenn an der ÖNB nicht auch eine ordent­li­che POD-Maschine steht, die einem bin­nen Minuten so viele frisch repli­zierte Taschenbücher lie­fert wie das Lizenzmodell erlaubt.

    Zwischen halt­lo­sem tech­no­pho­ben Bashing fin­det er dann auch noch genü­gend Platz für unter­grif­fige Rülpser. Man muss sich nicht ein­mal per­sön­lich ange­spro­chen füh­len um z.B. in «akne­ge­sich­tige Elektronikgenies, die ihre klei­nen Computerkammern nur zwecks Nahrungsaufnahme und Notdurft kurz ver­las­sen» eine ziem­lich unwür­dige Formulierung zu sehen.

    Dass er meint, Paulo Coehlo’s Idee seine Texte unent­gelt­lich ins Internet zu stel­len sei gro­tesk und fehl­ge­lei­tet zeugt ebenso davon, dass uns hier ein Blinder von Farben erzäh­len will.
    Den hard-sci-fi Autoren Charles Stross hätte ich nie kennen- oder schät­zen gelernt wenn er nicht einige sei­ner Bücher unter einer Creative Commons Lizenz bereit­stel­len würde. Das heißt, ich hätte nie drei sei­ner Bücher gekauft um sie ins Regal zu stel­len und zwei mei­ner Freunde, denen ich pdfs geschickt habe, hät­ten ebenso wenig wei­tere Bücher gekauft, ver­borgt oder ver­linkt und den Schneeballeffekt wei­ter­ge­führt.
    Die Verkäufe auf diese Art anzu­kur­beln funk­tio­niert sicher­lich bei Nischenliteratur bes­ser als bei «Fifty Shades Of Gray», aber einen Autor prin­zi­pi­ell zu ver­un­glimp­fen weil er sich an hybride Lizenzmodelle her­an­wagt halte ich für rela­tiv schwach.

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