ÖNB - Schätze aus dem alten Österreich: Österreichische Nationalbibliothek erhält Nachlass Josef Redlich

Der umfang­rei­che Nachlass von Josef Redlich (18691936), letz­ter Finanzminister des Habsburgerreiches, kam kürz­lich durch eine Schenkung des Historikers Fritz Fellner an die Öster­rei­chi­sche Nationalbibliothek. Bemerkenswert sind vor allem die Briefwechsel mit berühm­ten Persönlichkeiten wie Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr, Felix Salten, Ignaz Seipel, Karl Renner, Richard Coudenhove-Kalergi oder Alice Schalek.

Pressefoto 1: Josef Redlich

Der Eigentümer des Nachlasses, der Historiker Fritz Fellner, hat den Nachlass Josef Redlichs mit Tagebüchern, Briefen und Notizen der Öster­rei­chi­schen Nationalbibliothek geschenkt. Dies ent­spricht auch dem Wunsch von Gertrud Redlich, der Witwe nach Josef Redlich, den Nachlass in Öster­reich zu hal­ten. Fellner selbst hatte von 1950 bis 1952 im Auftrag der Kommission für Neuere Geschichte Öster­reichs die poli­ti­schen Tagebücher Josef Redlichs ediert und publi­ziert, die 2011 in einer Neuauflage erschie­nen (er ver­starb kurz vor sei­nem 90. Geburtstag im August 2012).

Josef Redlich stammte aus einer jüdi­schen Familie, auf­ge­wach­sen zunächst in ein­fa­chen Verhältnissen in einer slo­wa­ki­schen Landstadt, die zu einer wirt­schaft­lich erfolg­rei­chen Industriellenfamilie aufstieg.

Als Jurist und Universitätsprofessor kor­re­spon­dierte er mit zahl­rei­chen Intellektuellen sei­ner Zeit. So fin­den sich im Nachlass – neben pri­va­ten Aufzeichnungen, Fotografien und Materialien zu Redlichs wis­sen­schaft­li­chen Arbeiten – äußerst umfang­rei­che Korrespondenzen mit her­aus­ra­gen­den Persönlichkeiten des lite­ra­ri­schen und öffent­li­chen Lebens: Hermann Bahr (296 Briefe), Hugo von Hofmannsthal (64 Briefe), Joseph Maria Baernreither, Edmund Bernatzik, Richard Coudenhove-Kalergi, Heinrich Friedjung, Michael Hainisch, Thomas G. Masaryk, Karl Renner, Felix Salten, Alice Schalek, Ignaz Seipel oder Jakob und Julie Wassermann.

Tagesaktuelle Einblicke in die „Schicksalsjahre Öster­reichs“ 1908 – 1918

Gerade in den Tagebüchern berich­tet der öster­rei­chi­sche Politiker und Gelehrte tages­ak­tu­ell über die „Schicksalsjahre Öster­reichs“ von 1908 bis 1918 und erlaubt so einen Einblick in das poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Geschehen des habs­bur­gi­schen Vielvölkerstaates.

1918 wurde Redlich für nur zwei Wochen der letzte Finanzminister des Habsburgerreichs. Mit den Worten „Nun ist das alte schwarz­gelbe Öster­reich für immer tot.“ ver­ab­schie­dete er sich 1918 von sei­nen Ministerkollegen, schwer erschüt­tert vom Ende der Monarchie. Er zog sich für die nächs­ten Jahre aus der Politik zurück, unter­rich­tete an der Universität Harvard, wurde Deputy Judge am Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag und publi­zierte eine viel beach­tete Biografie Kaiser Franz Josephs. Nach einem kur­zen poli­ti­schen Auftritt als Finanzminister in der Regierung Buresch 1931 ver­starb er 1936 in Wien.

Pressefoto 2: Brief von Karl Renner an Josef Redlich vom 4. 10. 1919

Quelle: http://www.onb.ac.at/services/presse_21094.htm

Siehe auch http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/3145382/nationalbibliothek-erhaelt-nachlass-redlich.story

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