Googles sichtbare Hände

Meditationes de prima philosophia, in qua Dei existentia et animae ..Wer kennt sie nicht, die mit rosa Latex-Fingerlingen geschmückten Finger, die auf einmal in Google Books Digitalisaten auftauchen und die bisweilen „Quick and Dirty-Qualität“ der Digitalisate (Post Processing Fehler) belegen. Im VÖBBLOG hatten wir dazu vor einiger Zeit (2011!) mal einen Beitrag, der dies thematisiert hatte: Bücher aus der Digitalisierungskampagne mit der ÖNB bereits auf Google Books zu finden.

Hole Rößler hat dazu nun gerade einen schönen, sehr lesenswerten und reich bebilderten Beitrag in der Zeitschrift für Ideengeschichte 10.2 geschrieben, der auch frei im Netz auf der Website der Zeitschrift downloadbar ist. Und: Das VÖBBLOG wird darin in FN 4 mit dem obigen Beitrag zitiert, um die „Erregung“ ob dieser digitalisierten Finger zu belegen. Also gewissermaßen eine Kaskade von aufeinander zeigenden realen, digitalisierten und zitierten Fingern …

Na da wollen wir doch ein weiteres maniculum setzen und auf diesen schönen Beitrag ordentlich per Fingerzeig verlinken:

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CC BY 2.0, Jeremy Keith

Hole Rößler: Googles sichtbare Hände. Das Retrodigitalisat als Ware, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 10.2 (2016), S. 115-125 (PDF)

Der Beitrag endet mit:

Diese [Massen-]Strategie ist ebenso erklärlich wie sie der angeblich kurz bevorstehenden Realisierung einer digitalen Universalbibliothek zuwiderläuft. Es steht nämlich zu befürchten, dass brauchbare Digitalisate mancher Werke auf unabsehbare Weise nicht verfügbar sein werden, denn die Scans von Google Books sind definitiv. Korrekturen sind zwar möglich, sofern es sich um Fehler der Datenverarbeitung handelt, Neuscans sind jedoch anscheinend nicht vorgesehen.25 Es bleibt zu hoffen, dass der Druck unzufriedener Benutzer ausreichend hoch sein wird, um die Bibliotheken dazu zu bewegen, die Mängel zu beheben – und auch, dass dazu dann jene öffentlichen Gelder ausreichend vorhanden sind, die ja durch die Public-Private Partnerships eigentlich gespart werden sollten. Bis dahin werden die sichtbaren Hände der unsichtbaren Hand, von der die «größte Bibliothek aller Zeiten» geformt wurde, immer wieder den Blick ins Buch verstellen.

Vielleicht kann dies hier wieder mal eine Diskussion anstoßen …? Informationsverluste qua Digitalisierung? Droht ein neues „Eckenknick“-Phänomen?

Mit vielen Bildern gibt es auf der Website des Autors noch einen Essay „Die sichtbaren Hände der unsichtbaren Hand. Zur Warenästhetik des Retrodigitalisats“: http://holeroessler.de/sichtbare-haende-der-unsichtbaren-hand.html

Das ganze Heft der Zeitschrift für Ideengeschichte ist übrigens sehr lesenswert: http://www.z-i-g.de/index.cfm#.V0_03zWLRhE

Hinweis darauf dankenswerter Weise von Thomas Just!

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