Der Amtsschimmel wiehert auch beim Henker

Salzburg 1699. Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun erlässt eine „Malefitz-Unkostens-Ordnung“, d.h. eine Aufstellung aller für den Salzburger „Freimann“ (= Scharfrichter) anfal­len­den Unkosten bei Hinrichtungen. Dabei wird nicht nur minu­tiös unter­schie­den zwi­schen den ein­zel­nen Hinrichtungsarten (Schwert, Strang, Verbrennen, Erdrosseln, Fallbeil, aufs Rad flech­ten, Vierteilen …), son­dern jeder noch so kleine Handgriff wird mit einer zu ver­gü­ten­den Summe ange­führt:
Fallbeil auf­rich­ten - 1 Gulden
Hinrichten - 1 Gulden
«Deß armen Sünders Kopff auff den Pfal zu nag­len» – 1 Gulden
«Für jeden Zwick mit glüen­den Zangen» – 30 Kreuzer
Die UB Salzburg besitzt offen­bar als ein­zige Bibliothek im deutsch­spra­chi­gen Raum die­ses Dokument - his­to­risch wert­voll, aber Gänsehaut evo­zie­rend …
Nachzulesen unter: Malefitz Unkostens-Ordnung

Dieser Beitrag wurde unter Altes Buch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Der Amtsschimmel wiehert auch beim Henker

  1. MB sagt:

    Würde noch dazu­pas­sen, dass das gleich den Deliquenten im vor­aus abge­knöpft wurde. Obwohl - für den «Zwick mit glüen­den Zangen» hätte wahr­schein­lich nie­mand was bezahlt…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>