Tätigkeitsbericht 2000- 2002

Die Kommission für Buch- und Bibliotheksgeschichte hat in ihrer, im Rahmen des Bibliothekartages in Wien stattgefundenen Sitzung vom 19. September 2000 einen neuen Vorsitzenden gewählt. Dr. Hans Zotter (Universitätsbibliothek Graz) hat sein Amt an Mag. Norbert Schnetzer (Vorarlberger Landesbibliothek) übergeben, als Schriftführerin fungiert weiterhin Frau Ute Bergner (Universitätsbibliothek Graz).

Arbeitsgruppen

Das Konzept autarker Arbeitsgruppen für die Bereiche Handschriftenzensus, Inkunabelzensus und Katalogisierung Altes Buch nach RAK wurde beibehalten. Im Zuge von Fortbildungsveranstaltungen konnten in laufenden Projekten gute Ergebnisse erzielt werden.

Kommissionssitzungen

In der Funktionsperiode 2000 - 2002 wurden insgesamt vier Sitzungen abgehalten, am 15. Mai 2001 im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, am 12. Dezember 2001 an der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, am 23. April 2002 an der Universitätsbibliothek in Salzburg und am 10. September 2002 im Zuge des Bibliothekartages in Klagenfurt.

Themenschwerpunkte

Die Themenschwerpunkte in den Kommissionssitzungen betrafen in St. Paul auf bibliothekarischer Ebene die Skriptorien- und Fragmenteforschung und im Restaurierungsbereich die Anfasertechnik in der Papierrestaurierung, in Wien die Entlehnbestimmungen (dies auch infolge der Diskussion auf dem IFLA-Kongreß in Boston 2001), in Salzburg die Fragmenteforschung und in Klagenfurt Inkunabeln und Einbände. Regelmäßig wurde seitens der Kommissionsmitglieder über den aktuellen Stand laufender Projekte bzw. Tätigkeiten in den Bibliotheken und Arbeitsgruppen berichtet.

Veranstaltungen

Anschließend an die Sitzung in Wien veranstaltete die Kommission gemeinsam mit der Sammlung von Inkunabeln, alten und wertvollen Drucken der ÖNB einen Workshop zum Thema Inkunabeln, an dem auch ausländische Referenten und Gäste teilnahmen. Der Vormittag war der Vorstellung verschiedener Inkunabelprojekte in Österreich und Deutschland gewidmet, am Nachmittag wurden einzelne Themenbereiche bezüglich Katalogisierung von Inkunabeln diskutiert. Auch auf diesem Wege herzlichen Dank an die Organisatoren vor Ort: Dr. Konstanze Mittendorfer und Dr. Christoph Steiner.
Die Einbindung ausländischer Kollegen erschien mir besonders wichtig, sowohl in der Person von Herrn Dr. Thomas Elsmann (Bremen) als Vertreter des VDB, der sich ebenfalls für eine intensivere Kooperation einsetzen möchte, als auch von Frau Dr. Bettina Wagner, damals noch München, deren Erfahrungen im Bereich der Inkunabelforschung gerade auch im Hinblick auf Detailfragen sehr förderlich war. Es ist notwendig und sinnvoll, auch in Zukunft die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg zu suchen und zu fördern. Wir sind aber auch bestrebt, die Zusammenarbeit mit anderen Kommissionen der VÖB und Institutionen zu intensivieren.

Zwei weitere Veranstaltungen wurden im Namen der Kommission bzw. von Kommissionsmitgliedern organisiert:
Am 18. und 19. Juni 2002 fand an der ÖNB in Wien im Rahmen des Brain-Pool unter dem Titel Die neue Maschine COMPUTUS, oder Catalogisierung der Bücher ganz ohne Federkiel und Tinte - Erschließung von historischen Druckschriften eine von Mag. Monika Kiegler-Griensteidl und AR Wolfgang Kolb bestens geleitete Fortbildungsveranstaltung statt, die all jene Personen anzusprechen suchte, die sich mit der Erschließung von historischen Druckschriften in Aleph befassen. Dass dies weit mehr Personen sind als mitunter angenommen wird, zeigte allein schon die große Zahl an Teilnehmern an dieser Veranstaltung.
Am 1. und 2. Juli 2002 wurde in Graz bereits zum 4. Mal ein internationaler Workshop zum Thema Medienkonversion abgehalten: Kulturgut Digital. Handschriften, Urkunden, Inkunabeln und Nachlässe im Netz. Im Detail ging es dabei um die Digitalisierung sowohl von Metadaten als auch von Objekten, um die Erschließung digitaler Materialien sowie die Präsentation von digitalisierten historischen Dokumenten auf CD-ROM bzw. Internet. Deutlich kam hierbei zum Ausdruck, dass aufgrund der neuen Aufgaben, die durch die Entwicklung im elektronischen Bereich vor allem auch den Altbuchbibliothekaren erwachsen sind, auch ein neues Selbstverständnis notwendig ist. Der Zugang zu den lange Zeit wie ein Schatz gehüteten Beständen ist nun relativ leicht zu ermöglichen, ohne dass in konservatorischen Belangen Abstriche gemacht werden müssen.

Neue Mitglieder

In der Funktionsperiode 2000 - 2002 konnten vier neue Mitglieder für die Mitarbeit in der Kommission gewonnen werden: Mag. Beatrix Koll (Leiterin der Abteilung für Sondersammlungen, Universitätsbibliothek Salzburg), Dr. Christoph Steiner (Sammlung von Inkunabeln, alten und wertvollen Drucken, Österreichische Nationalbibliothek), Dr. Alois Haidinger (Akademie der Wissenschaften, Wien) und Dr. Ortwin Heim (UB Wien) gewonnen werden.
Die Kommission zählt nun 39 Mitglieder und soll durchaus noch weiter anwachsen. Ziel ist es, alle Kolleginnen und Kollegen, die im Altbuchbereich tätig sind, für die Mitarbeit in der Kommission zu gewinnen.

Sitzungen in Bundesländern

Wie schon in den vorangegangenen Funktionsperioden wurde auch diesmal ein Teil der Sitzungen an Bibliotheken in den Bundesländern abgehalten. Im Rahmen der Sitzungen in St. Paul und in Salzburg ergab sich dabei wiederum die Möglichkeit, diverse Klosterbibliotheken zu besichtigen und Kontakte mit im Altbuchbereich tätigen Kollegen, die nicht in der Kommission vertreten sind, zu knüpfen.
So konnten wir in Kärnten dank der Organisation von Ute Bergner neben dem Benediktinerstift St. Paul, die Stifte Millstatt, Griffen und Ossiach und das Dominikanerkonvent Friesach besichtigen. In Friesach gab es zudem Gelegenheit, die Landesausstellung "Schauplatz Mittelalter" zu besuchen. Auch der Universitätsbibliothek Klagenfurt habe wir einen Besuch abgestattet, wo uns Mag. Christa Herzog durch die Altbuchsammlung führte.
In Salzburg zeigte uns Mag. Beatrix Koll Zimelien und Kuriositäten aus den Sammlungen der Universitätsbibliothek. An den darauffolgenden Tagen besichtigten wir Michlbeuren, Stift Mattsee und Stift St. PeterHerzlichen Dank gebührt auch hier den beiden Organisatoren Ute Bergner und Mag. Beatrix Koll.Vorab kann an dieser Stelle angekündigt werden, dass wir für die kommende Funktionsperiode wiederum zwei Sitzungen in den Bundesländern, und zwar in Tirol und Oberösterreich, organisieren wollen. Bereits konkrete Planungen gibt es für eine Sitzung in Innsbruck, die im Frühjahr 2003 stattfinden soll. Die Organisation hat dankenswerterweise Frau Sieglinde Sepp übernommen. Die Sitzung soll wieder mit dem Besuch diverser Bibliotheken, diesmal in Südtirol, verbunden werden.

IFLA-Konferenz

Im Auftrag der VÖB besuchten Frau Ute Bergner und Mag. Norbert Schnetzer die IFLA Konferenz 2001 in Boston, USA, und 2002 in Glasgow, Schottland. Während der Besuch in Boston mehr einer ersten Kontaktaufnahme mit den Mitgliedern der Section of Rare Books and Manuscripts der IFLA diente, war es in Glasgow möglich, einen Beitrag zum Themabereich Digitalisierung des kulturellen Erbes zu leisten, indem ein kurzer Überblick über aktuelle Digitaliserungsprojekte in Österreich im Altbuchbereich geboten wurde.

Internet

Gegen Ende dieser Funktionsperiode wurde auch an der Präsentation der Kommission für Buch- und Bibliotheksgeschichte im Internet gearbeitet. Ein erster Überblick über die Kommission und ihre Aktivitäten ist fertiggestellt und über die VÖB-Homepage abrufbar. Weitere Informationen sollen folgen.

Norbert Schnetzer
27. September 2002