Tätigkeitsbericht 2004-2006

In ihrer Sitzung vom 21. September 2004, die im Rahmen des Bibliothekartages in Linz stattfand, hat die Kommission für Buch- und Bibliotheksgeschichte Mag. Norbert Schnetzer (Vorarlberger Landesbibliothek) in seiner Funktion als Vorsitzenden einstimmig bestätigt. Der Antrag, Frau Mag. Beatrix Koll (Universitätsbibliothek Salzburg) zur neuen Schriftführerin zu bestimmen, wurde einstimmig angenommen.

Kommissionssitzungen

In der Funktionsperiode 2004-2006 wurden – wie schon in den Funktionsperioden zuvor – zwei Sitzungen pro Jahr abgehalten. Abseits der bereits erwähnten Sitzung am Bibliothekartag trafen sich die Mitglieder der Kommission noch am 9. Juni 2005 in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, am 19. Oktober 2005 im Benediktinerstift Admont und am 8. Mai 2006 in der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz.

Arbeitsgruppen

Das Konzept autarker Arbeitsgruppen für die Bereiche Handschriftenzensus, Inkunabelzensus und Katalogisierung Altes Buch nach RAK wurde beibehalten. Die Mitglieder der Kommission wurden in den einzelnen Sitzungen über den aktuellen Stand laufender Projekte unterrichtet.

Konkret hingewiesen werden soll hier auf den mit Ende Dezember 2005 erfolgten Abschluss der Arbeiten am Inkunabelzensus Österreich, die federführend von der Dr. Konstanze Mittendorfer (Österreichische Nationalbibliothek) durchgeführt worden sind. Der aktuelle Stand weist 149 Institutionen auf, die insgesamt knapp über 30.000 Inkunabeln verwalten.

Themenschwerpunkte

In sämtlichen Sitzungen berichteten die Kommissionsmitglieder regelmäßig über den Stand laufender Projekte bzw. über ihre aktuellen Tätigkeiten in ihren Bibliotheken.

Bei der Kommissionssitzung in Wien am 9. Juni 2005 bildeten die Entlehnbestimmungen für Exponate aus den Beständen von Sondersammlungen einen wesentlichen Punkt, wobei nach der Vorstellung des Ist-Zustandes an einzelnen Bibliotheken besonders die Gebührenfrage diskutiert wurde. Beatrix Koll stellte sowohl den Online-Katalog der Frühdrucke der UB Salzburg als auch das Projekt der Digitalisierung und Transkription der Salzburger Chronik M I 104 vor. Danach bot sie noch einen ersten Einblick in das im Entstehen begriffene Register der Vorbesitzer, die in den in der UB befindlichen Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken nachzuweisen sind. Des weiteren wurde in dieser Sitzung über Das romanische Skriptorium Seckau (Dr. Hans Zotter, UB Graz) und Zum Beginn des Buchdrucks in Vorarlberg (Norbert Schnetzer) referiert. Die kurze Präsentation des über den Server der Sondersammlungen der UB Graz abrufbaren Inkunabelkatalogs der Vorarlberger Landesbibliothek kann auch als Beispiel für die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Altbuchsammlungen gesehen werden.

Die Sitzung in Admont (9. Juni 12005) war – abseits der Fortbildungsveranstaltung – vor allem den Handschriften gewidmet. Während Hans Zotter in seinem Referat die grundsätzliche Problematik digitaler Kataloge und ihr Verhältnis zu den gedruckten Katalogen ansprach, berichteten Ute Bergner (UB Graz) und Dr. Walter Neuhauser (Innsbruck) über ganz konkrete Projekte, die sie an ihren Bibliotheken betreuen: zum einen die Faksimilierung der MS 963 der UB Graz, eine Fechtlehre des aus Passau stammenden Hans Czynner, die 1538 geschrieben und mit eindrücklichem Bildmaterial versehen wurde; zum anderen der Handschriftenkatalog der UB Innsbruck, wo derzeit am fünften Band gearbeitet wird. Besonders erfreulich gestaltete sich der Bericht von Beatrix Koll, die die aufregende Entdeckung eines bisher unbekannten Ulrich-Schreier-Einbandes auf einer neu erworbenen Inkunabel vermelden konnte.

Interessante Berichte aus den Bibliotheken bildeten den Schwerpunkt bei der Kommissionssitzung in Linz (8. Mai 2006). Erfreuliches gab es sowohl aus der Oberösterreichischen (v. a. Abschluss der Inkunabel-Katalogisierung; geplanter Um- und Zubau) als auch aus der Steiermärkischen Landesbibliothek (geplanter Neubau) zu berichten. Zwei Gastreferenten (Mag. Michaela Linhardt und Dr. Christine Beier) berichteten über Ihre Forschungsarbeit (Master Thesis zur Situation der Sondersammlungen in Österreich; Katalog der illuminierten Handschriften in Graz), die sie in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Sondersammlungen der UB Graz durchführen.

Die Sitzung in Linz diente auch der Vorbereitung auf den Bibliothekartag. Nach eingehender Diskussion einigten sich die Mitglieder auf die Durchführung einer Podiumsdiskussion, in der die aktuelle Situation der Sondersammlungen an den öffentlichen Österreichischen Bibliotheken beleuchtet werden soll. Vorbereitend auf diese Diskussionsrunde wird Michaela Linhardt über Ihre Untersuchungen zur Situation der Sondersammlungen in Österreich berichten und Beatrix Koll einen  Überblick über die Leistungen österreichischer Sondersammlungen, die sich in den letzten Jahren verstärkt mit den Herausforderungen, Vor- und Nachteilen der digitalen Welt konfrontiert sahen, bieten.

Veranstaltungen

Auch in dieser Funktionsperiode war es der Kommission möglich, eine einschlägige Fortbildungsveranstaltung anzubieten. Anlässlich des groß angelegten Projektes der Gesamtrestaurierung der Stiftsbibliothek lud das Benediktinerstiftes Admont zu einer zweitägigen Veranstaltung zum Thema Bestandserhaltung.

Besonderer Dank gilt hier in erster Linie unserem Kollegen Dr. Johann Tomaschek für die Organisation und hervorragende Betreuung vor Ort. Aber auch den sieben Vortragenden, die in ihren Beiträgen entweder einen höchst interessanten Einblick in dieses „wahre Jahrhundertprojekt“ gewährten oder aber über ganz spezielle Themata im Bereich Bestandserhaltung referierten, sei an dieser Stelle für ihr Engagement herzlich gedankt.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass im Rahmen einer Führung durch die Sammlungen des Stiftes Admont zufällig das älteste bekannte Rezept zur Herstellung von Linzer Torten entdeckt wurde, sehr zur Freude (nicht nur) von Waltraud Faißner (Oberösterreichisches Landesmuseum), die sich schon seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt.

Begleitende Veranstaltungen

Begleitend zu den Sitzungen in Wien, Admont und Linz ergab sich erneut die Möglichkeit, in der näheren Umgebung des Veranstaltungsortes diverse Bibliotheken zu besichtigen und Kontakte mit im Altbuchbereich tätigen Kollegen, die (noch) nicht in der Kommission vertreten sind, zu knüpfen bzw. zu vertiefen.

Anlässlich der Sitzung in Wien konnten wir dank der Organisation von Monika Hoxha und Mag. Monika Kiegler-Griensteidl nicht nur der Universitätsbibliothek Bratislava einen Besuch abstatten sondern wurden auch zu einem interessanten Gespräch ins Antiquariat Donhofer & Moser eingeladen.

Das von Johann Tomaschek organisierte Rahmenprogramm zur Fortbildungsveranstaltung in Admont bot – neben einer ausführlichen Besichtigung der Sammlungen des Stiftes – eine vom Hausherrn selbst geleitete Führung durch die Burg Strechau sowie den Besuch der Wallfahrtskirche Frauenberg.

Anlässlich der Sitzung in Linz konnten wir dank der Organisation von Dr. Rudolf Lindpointner und Waltraud Faißner die Stifte Schlägl und Lambach sowie die Staatliche Bibliothek in Passau besichtigen.

Auch an dieser Stelle mein herzlichster Dank für die jeweiligen Organisatoren vor Ort.

Neue Mitglieder

In der Funktionsperiode 2004 – 2006 konnten drei neue Mitglieder für die Mitarbeit in der Kommission für Buch- und Bibliotheksgeschichte gewonnen werden: Waltraud Faißner (Oberösterreichisches Landesmuseum) und Mag. Christa Müller (Österreichische Nationalbibliothek, Stabstelle Digitalisierung) wurden in der Sitzung vom 21. September 2004, Mag. Anton Knoll (Österreichische Nationalbibliothek, SIAWD) in der Sitzung vom 8. Mai 2006 in die Kommission aufgenommen.

Die Kommission zählt derzeit 38 Mitglieder und soll durchaus noch weiter anwachsen. Ziel ist es, alle Kolleginnen und Kollegen, die im Altbuchbereich tätig sind, für die Mitarbeit in der Kommission zu gewinnen.


Norbert Schnetzer
21. August 2006