Wie alles begann ...

Das 1. Treffen des Arbeitskreises fand am 13. März 1989 statt. Die Initiative ging von der damaligen VÖB-Sekretärin Fr. Mag. Marianne Jobst aus; die damalige Präsidentin und Generaldirektorin der ÖNB Dr. Magda Strebl begrüßte diese Initiative. Christa Wille übernahm die Sprecherinnenfunktion. Die Arbeitsgruppe wurde als „offene“ konzipiert, ohne fixen Mitgliederstand. Ziel einiger engagierter Bibliothekarinnen war es, ihr frauenpolitisches Engagement in die Berufsvereinigung VÖB zu bringen. Es sollte ein Informationsaustausch quer durch die Bibliotheken im In- und Ausland stattfinden: Frauenspezifische Grundsatzliteratur - von der Frauenforschung urgiert - sollte vermehrt an den Bibliotheken angekauft werden. Ausstellungen sollten vergessene Frauenpersönlichkeiten wieder lebendig machen. Bestimmte Themenkreise sollten in Artikeln und Referaten erarbeitet werden. Kolleginnen aus den Bundesländern sollten v.a. bei den Bibliothekartagen einbezogen werden.

Bibliothekartag in Bregenz 1990:
Erstmals gab es einen Frauen-Stand und einen Frauen-Bücher-Tisch. Es lagen Artikel zum Berufsbild der Bibliothekarin auf, Statistiken zum weiblichen Anteil und den Funktionen in den Bibliotheken. In der Arbeitsgruppen-Sitzung wurde der Entschluss gefasst, ein VÖB-Heft mit einem Frauenschwerpunkt zu veröffentlichen. Dies wurde auch mit Erfolg durchgeführt :
Vergleiche dazu: VÖB-Mitteilungen 44 (1991),1.

Bibliothekartag Eisenstadt 1992:
In einer Arbeitsgruppen-Sitzung wurde ein Referat der engagierten deutschen Bibliothekarin Dagmar Jank über „Frauengerechte Beschlagwortung“ - sie hatte in diversen Bibliothekszeitschriften bereits Diskussionen ausgelöst - vorgelesen, da sie leider verhindert war, selber zu kommen. Bei der anschließenden lebhaften Diskussion, an der auch der deutsche SWD-Papst Herr Geißelmann teilnahm, wurde folgendes gefordert: der immer größer werdende Anteil an Frauenforschungsliteratur mit ihrem speziellen Wortschatz - wie in jeder Wissenschaftsdisziplin - sollte eine Entsprechung in der Schlagwortliste finden. Frauenspezifische Sachverhalte sollten einfach kein Sonderfall sein, diskriminierende Hierarchien abgebaut werden. Etliche Beispiele wurden angeführt. Anzumerken ist, daß die Schlagwortnorm-Datei in den letzten Jahren auf diesem Gebiet Fortschritte gemacht hat.
Mit Subvention des Frauenministeriums (Dohnal) konnte ein Gast aus Dänemark eingeladen werden: Jytte Larsen vom Center for Interdisciplinary Information on Women’s Studies (KVINFO) in Kopenhagen hat über die EU-Perspektiven frauenspezifischer Dokumentationsstellen gesprochen.
Im Forum Freier Themen stellten Mag. Helga Hofmann-Weinberger und Christa Wille ihr Konzept für ARIADNE-Kooperationsstelle für frauenspezifische Information und Dokumentation, an der Österreichischen Nationalbibliothek, vor.
Ein Antrag auf Statutenänderung (Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare) zur Hauptversammlung wurde ordnungsgemäß eingebracht und dort behandelt. Eine umfangreiche Unterschriftenliste unterstützte den Antrag. Es kam naturgemäß zu lebhaften, lautstarken Diskussionsbeiträgen - kurzzeitig drohte der Zerfall der VÖB. Doch schließlich brachte die Abstimmung eine große Mehrheit für die Statutenänderung.
Vergleiche dazu: VÖB-Tagungsband 1992: Altes Buch - neue Medien (Biblos-Schriften 159).

1994: Umwandlung der VÖB-Arbeitsgruppe Frauenfragen in eine VÖB-Kommission für Frauenfragen

2009: Umbenennung in VÖB-Kommission für Genderfragen