Nachlassbibliotheken

Empfehlung zum Umgang mit Nachlassbibliotheken

(1998, Neufassung 2010)

  • Institutionen, die Nachlässe von SchriftstellerInnen, WissenschaftlerInnen etc. erwerben und verwalten, sollten prinzipiell auch die Bibliothek der Nachlasserin / des Nachlassers berücksichtigen.
  • Eine Nachlassbibliothek kann ein wichtiger Bestandteil eines Nachlasses sein, z.B. Arbeitsbibliothek, spezielle Sammlungen etc. Es sollte beim Erwerb eines Nachlasses darauf geachtet werden, die Nachlassbibliothek zu sichten und ggf. mit dem Nachlass zu übernehmen. In der Praxis bedeuten Übernahme und Aufbereitung einer Nachlassbibliothek oft jedoch nicht nur die Konfrontation mit einem Mangel an Arbeitskräften, sondern auch mit Dublettenanhäufung und Raumproblemen. Dies gilt es bereits im Vorfeld zu berücksichtigen.
  • Eine Nachlassbibliothek sollte nach Möglichkeit zusammengehalten und als eigene Einheit aufgestellt werden. Vorgefundene Ordnungsprinzipien sind auf ihre Brauchbarkeit und wissenschaftliche Relevanz hin zu prüfen und sollten nach Möglichkeit unverändert übernommen werden. Liegt keine befriedigende Vorordnung vor, wird empfohlen, die Bücher nach einem systematischen Gliederungsschema zu ordnen und aufzustellen. Je nach Erhaltungszustand der Bücher ist eine Sonderaufstellung bzw. Restaurierung zu erwägen.
  • Entschließt man sich, eine Nachlassbibliothek nicht oder nur in Teilen zu übernehmen, so sollte zumindest ein vollständiges Verzeichnis angefertigt und in bedeutenden Fällen auch die ursprüngliche Aufstellung dokumentiert werden.
  • Bücher mit Widmungen (und Besitzvermerken, die nicht von der Nachlasserin / vom Nachlasser selbst stammen) sollten auf jeden Fall aufbewahrt werden, ebenso solche, die Benutzungsspuren aufweisen. Dazu zählen z.B. Anstreichungen und handschriftliche Annotationen der Nachlasserin / des Nachlassers in eigenen und fremden Werken, selbst Lesezeichen und „Eselsohren“. Auf eingelegte Briefe, Lektürenotizen, Rezensionen etc., die im schriftlichen Nachlass aufzubewahren sind, ist sowohl im „Verzeichnis“ als auch im Buch selbst (durch Bleistift-Anmerkung?) hinzuweisen – mit entsprechendem Vice-Versa-Verweis im betreffenden Nachlassbestand. Sämtliche dieser Sachverhalte sind bei einer allfälligen Katalogisierung des Buches zu berücksichtigen (siehe auch unten). Annotierte Bücher gelten als Unikate und müssen wie Werke behandelt werden. In diesem Zusammenhang sind auch „Benutzungsbeschränkungen“ zu erwägen.
  • Im Sinne der Interessen der Exlibris-Forschung scheint es ratsam, auch die Bücher mit Exlibris-Vignetten zu erhalten, selbst wenn es sich bei dem betreffenden Buch um eine Dublette oder Triplette etc. handeln sollte.
  • Nachlassbibliotheken können den allgemeinen Bibliotheksbestand bereichern und sollten deshalb auch im „Gesamtkatalog“ der betreffenden Institution angezeigt werden. Bei Büchern mit handschriftlichen Einträgen kann in Betracht gezogen werden, sie doppelt aufzunehmen, im „Bibliothekskatalog“ und im Katalog der Autographen (dort mit Schwerpunkt auf die Autographen).