Kommissionssitzung vom 15.09.2009

Protokoll der Kommissionssitzung am Österreichischen Bibliothekartag in Graz am 15.9.2009

Anwesend: Gerhard Auer, Maria Baumann, Christa Bergmann, Katharina Breyer-Poch, Gudrun Felsberger, Reinhard Ellensohn, Wolfgang Exner, Ursula Ganglbauer, Birgit Hoerzer, Karin Kleiber, Johann Klinger, Josef Labner, Inge Neuböck, Ulrike Petermandl, Verena Schaffner, Maria Rehberger, Andreas Resch, Johann Winkler, Monika Winkler, Heidi Zotter, Ilse Herwirsch, Antje Wannagat, Ernst Seidel, Michaela Putz, Petra Gratzl, Leopold Hayer

1. Kurzbericht von Frau Baumann zum Deutschen Bibliothekartag

Vortrag von Heidrun Wiesenmüller: FRBR – das Modell und seine Anwendungsmöglichkeiten: FRBR ist kein neues Regelwerk, kein neues Datenformat, sondern ein Modell zur Abbildung von bibliograph. Daten, mit besserer Möglichkeit zum Zurechtfinden bzw. Navigieren. Sie gibt eine kurze Erklärung der Entitäten der Gruppe 1: Das Werk wird realisiert durch die Expression und wird verkörpert in der Manifestation. Das Exemplar stellt ein einzelnes Stück einer Manifestation dar.

Beispiele:
Neue Expression: Änderung am Text, zB neue überarb. Aufl.; Übersetzung; Aufführung (zB. Lesung)
Neue Manifestation: Veränderung im Produktionsprozess zB. Großdruck, anderes Medium, anderer Verlag
Beziehungen: Teil von/hat Teil, hat Nachfolger/ist Nachfolger, hat Beilage/ist Beilage, Adaption,...

Kurze Erklärung der Entitäten der Gruppe 2 (Personen, Körperschaften, Familien) und Gruppe 3 (Themen wie Begriff, Gegenstand, Ereignis, Ort)

Nutzen der FRBR:
Die Möglichkeit des Zusammenführens unter „Work“ erhöht die Übersichtlichkeit, besonders nützlich bei literarischen Klassikern; auch beim Navigieren zu verwandten Werken; eine Rationalisierung ist dahingehend möglich, dass bestimmte Informationen nur auf der Werkebene angelegt werden.

Anwendung in der Praxis: bisher relativ wenige Anwendungen; bei OCLC wird auf die Expression verzichtet, da es technisch zu aufwendig wäre.

FRBRisierung in dt. Katalogen: Die Datenstruktur ist prinzipiell geeignet (Beziehungen werden schon jetzt dargestellt durch Verknüpfungen, zB Personen oder Körperschaften). Schwierig sei die Abbildung der Entitäten der Gruppe 1 (Werk, Expression, Manifestation, Exemplar)

Mögliches Modell: Katalogdaten belassen, und darüber wird eine 2. Schicht gesetzt, die die FRBR-Strukturen abbildet. Ergänzungen/Korrekturen an der Oberfläche sind durch Bibliothek und Nutzer möglich. Änderungen an der Basis (=Katalogdaten) sind nur durch die Bibliothek möglich.

Bei FRBR und RDA ist festzustellen: die Ebene der Expression ist verzichtbar; 3 Abbildungen sind mit den bisherigen Katalogdaten möglich:

Christel Hengel: VIAF (Virtual International Authority File)

  • Ziel: die Zusammenführung und Verlinkung der Personennormdatei (PND) mit dem „Name Authority File“ der LoC – und dieses File soll im Internet frei zugänglich sein.
  • Derzeit: Internationalisierung der Recherche und der Standards (Formate, Regelwerke, Schriftarten...) . Ca. 10 Mio. Datensätze wurden abgeglichen. 2007 kam Frankreich dazu (1 Mio. Personendaten + Titeldaten); 2009 Schweden; Tschech. NB, Isreal.NB sollen folgen; weiters Australien, Italien, Vatikan, Portugal, Spanien, Ägypten. Es fehlen noch: China, Japan u. Russland
  • Ausblick auf Nutzbarkeit: Mit Hilfe der übergeordneten VIAF-ID-Nummer ist eine weltweite Suche möglich. An den Suchstrategien wird noch gearbeitet. Es gibt noch einige Probleme, v.a.bei den unterschiedlichen Sprachen/Schriften...
  • Noch nicht geklärt ist die Kostenbeteiligung.

2. Kurzbericht Inge Neuböck zum Dt. Bibliothekartag

Günter Hupfer, Silke Remmert – Zukunft des Katalogisierens v. HBZ: Ersatz e. Traditionellen Kataloges durch eine Suchmaschienenlösung: Hierbei galt das Motto: Entkoppelung des Backoffice (Katalogisierer) von der Frontline (Endnutzer) und „Weg mit dem alten Ballast“.
Suchmaschinentechnologie bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Katalogen eine gleichzeitige Suche nach Metadaten und Volltexten mit einer Darstellung der Suchergebnisse; dazu die Möglichkeit der Darstellung nach Relevanz und einer Navigation.
Die herkömmlichen Daten müssen für die Suchmaschine neu verarbeitet werden (Publishing). Dabei werden die Felder ausgewählt, die übernommen werden (nicht alle Daten sind für den Endnutzer notwendig). Bei diesem Projekt wurde den Metadaten insgesamt eine hohe Qualität zugesprochen, allerdings ist im Bereich der Stich- und Schlagwörter eine Verbesserung notwenig. Viele Daten haben keine oder nur unvollständige Sacherschließung, dabei würde sich diese für das Ranking sehr gut eignen.
Im Projekt des HBZ wurde die FRBRisierung als Ansatz für das Ranking verwendet. Die Trefferlisten werden nach den Werken (WORK) sortiert, die Navigation erfolgt über die MANIFESTATION. Für eine Werksortierung ist der Einheitssachttitel sehr wichtig.
Facetten dienen zur weiteren Einschränkung des Suchergebnisses zB:
Jahr, Autor, Urheber, Typ + Sprache, Schlagwörter, Beziehungen (u.a. mit Hilfe der Hierarchie)
Catalogue enrichment wird ein unverzichtbarer Bestandteil
Zukünftige workflows sollten weiter automatisiert werden, in dem von den Urhebern die Daten geliefert werden und diese über die ID’s automatisiert angereichert werden. (Es gibt eine AG Match-key, dieser sollte eigentlich Bestandteil der RDA sein)
URM-System: (Uniform Resource Management) = Rahmen eines neuen Systems von Exlibris. HBZ ist an der Entwicklung aktiv beteiligt. Dieses sieht eine Trennung in 3 Bereiche vor:

  • Backoffice (Bestellung – Bearbeitung)
  • Metadatenverwaltung (publishing,...)
  • Frontend (Endnutzerbereich)

Ziel ist nach wie vor das Auffinden, Identifizieren, Auswählen und Zugänglich machen von Veröffentlichungen. Allerdings sollte die Suche nur einmal stattfinden und analoge und digitale Medien in einem Suchergebnis dargestellt werden können.
Konsequenzen:

  • Hin zur kooperativen Erschließung
  • Generierung von Einstiegspunkten
  • Vernetzung von Informationsangeboten
  • Normdaten sichtbar machen, social tagging erlauben

Frage: Ist ein Regelwerk dann überhaupt noch nötig?Ja, eine strukturierte Form ist essentiell.

Christel Hengel: GND – gemeinsame Normdatei: Alle Normdaten sollen zusammengeführt werden, auf Basis von Marc 21 und RDA. Dafür gibt es folgenden Zeitplan:
2009 - 2010 :

  • Zusammenführung der Dubletten
  • Katalogisierungsformat auf Basis von Marc21 muss erstellt werden
  • Grundstrukturen sind festgelegt - Vorzugsbezeichnung, Äquivalent, Attribute + ID

GND-Nummernsystem: es setzt sich zusammen aus der jeweiligen Normnummer und einer ID-GND, die als Basis für die Permalinks dienen wird.
Datenumsetzung:

  • Durchgehende Kennzeichnung der Entitätengruppen
  • Erstellung von Umsetzungsregeln für die einzelnen Felder
  • Verknüpfung von SWD, GKD + PND
  • Übernummer für chronologische Verknüpfung (es gibt untersch. Regeln bei SWD + GKD)

ICC = International Cataloguing Code. Er wurde 2009 entwickelt; dabei kommen weitere Attribute zu den Namen, nämlich: Zeit, Schrift, Sprache
GND wird nicht mehr mit MAB-Schnittstellen arbeiten
Die 1. Testauslieferung soll im Juli 2010 erfolgen. Der Echtbetrieb soll im Dez.2010 starten.
Folgende Verbünde sind als Partner für die GND derzeit vorgesehen: BVB, DNB, HBZ, GBV, OBV, SWB

Dieses Projekt gilt allgemein als umstritten, da in den letzten Jahren mit den Verbünden ein Online-Zugang zu den Normdaten und damit eine direkte Mitarbeit eingesetzt wurde. Dafür wurde viel Arbeit in die technische Realisierung gesetzt. Die Inbetriebnahme der GKD erfolgt im OBV erst gegen Ende 2009. In wieweit es sinnvoll ist nun bereits auf ein neues Format umzustellen, das die weitere Online-Arbeit zunächst verhindert und wiederum einen technischen Aufwand benötigt, ist an dieser Stelle zu hinterfragen.

3. Verena Schaffner / Katharina Breyer-Poch: RDA (Resource Description and Access): aktueller Stand und weitere Katalogisierungsversuche

Die AG RDA der Kommission für Nominalkatalogisierung setzt sich mit den bereits vorliegenden Entwürfen des künftigen Regelwerks RDA (Resource Description and Access) auseinander.
Im ersten Teil unseres Vortrages wird ein Überblick über die aktuellsten Entwicklungen gegeben: Im November 2008 wurde der bereits mehrfach überarbeitete Gesamtentwurf öffentlich zugänglich gemacht, bis Februar 2009 konnten Stellungnahmen eingebracht werden, im März 2009 traf sich das Joint Steering Committee for Development of RDA (JSC RDA) zu Beratungen, im Juni 2009 wurde das vorläufig fertige Dokument den Verlegern übergeben. Das Erscheinen von RDA ist für November 2009 angekündigt.
Im zweiten Teil des Vortrages präsentieren wir die konkrete Arbeit der AG. An Hand von praktischen Beispielen wurde versucht, das Regelwerk auf seine Umsetzbarkeit zu untersuchen. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten dabei Sammlungen, begrenzte Sammelwerke und fortlaufende Sammelwerke, sowie die beiden Datenelemente „content type“ und „carrier type“.

Powerpoint-Präsentation [333 KB]: Katharina Breyer-Poch; Verena Schaffner: RDA (Resource Description and Access): aktueller Stand und weitere Katalogisierungsversuche

4. Josef Labner: Statusbericht Online-Kommunikation Personennamendatei(PND)

1) Technisch

  • Kurzeinführung
  • Neue Funktionalitäten
  • Neuindizierung
  • Kurzanzeige/Vollanzeige
  • Externe Links

2) Organisatorisch

  • Start Juni 2008 mit Testteam (Produktionssystem)
  • Erweiterung des Teams seit Anfang 2009
  • Einbindung des Österreichischen Verbundkataloges für Nachlässe, Autographen und Handschriften (ÖVK-NAH)
  • Kooperation im Rahmen der Initiativen "Mittelalterliche Handschriften in österreichischen Bibliotheken" und "Monasterium"(virtuelles Urkundenarchiv Europas)
  • Leitfaden aktualisiert (Homepage der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH und der Österreichischen Nationalbibliothek)
  • weitere Einbindung von Lokalredaktionen

Powerpoint-Präsentation [1.440 KB]: Josef Labner: Statusbericht Online-Kommunikation Personennamendatei (PND)


Durchgehende Kennzeichnung der EntitätengruppenErstellung von Umsetzungsregeln für die einzelnen FelderVerknüpfung von SWD, GKD + PNDÜbernummer für chronologische Verknüpfung (es gibt untersch. Regeln bei SWD + GKD)ICC = International Cataloguing Code. Er wurde 2009 entwickelt; dabei kommen weitere Attribute zu den Namen, nämlich: Zeit, Schrift, Sprache
GND wird nicht mehr mit MAB-Schnittstellen arbeiten
Die 1. Testauslieferung soll im Juli 2010 erfolgen. Der Echtbetrieb soll im Dez.2010 starten.
Folgende Verbünde sind als Partner für die GND derzeit vorgesehen: BVB, DNB, HBZ, GBV, OBV, SWB

Dieses Projekt gilt allgemein als umstritten, da in den letzten Jahren mit den Verbünden ein Online-Zugang zu den Normdaten und damit eine direkte Mitarbeit eingesetzt wurde. Dafür wurde viel Arbeit in die technische Realisierung gesetzt. Die Inbetriebnahme der GKD erfolgt im OBV erst gegen Ende 2009. In wieweit es sinnvoll ist nun bereits auf ein neues Format umzustellen, das die weitere Online-Arbeit zunächst verhindert und wiederum einen technischen Aufwand benötigt, ist an dieser Stelle zu hinterfragen.