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	  für Kultur- und Sozialanthropologie Universität Wien
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Diplomstudium Kultur- und Sozialanthropologie


Ein komplexes Themenfeld

Die Kultur- und Sozialanthropologie – auch als Ethnologie oder früher, mit anderen Akzentsetzungen, als Völkerkunde bezeichnet – hat den Menschen in seinen sozialen Beziehungen und unterschiedlichen kulturellen Kontexten zum Gegenstand. So kann das Fach beispielsweise Themen wie den zeremoniellen Gabentausch in Melanesien oder die politische Bedeutung von Verwandtschaft bei Stämmen auf der arabischen Halbinsel untersuchen. Es kann sich aber auch mit den Interaktionen in multikulturellen Wiener Schulklassen befassen, ein Fruchtbarkeitsritual auf Madagaskar erklären, die Konstruktion von Gender-Beziehungen in Mexiko oder den postkolonialen Staat in Afrika analysieren.
Wenn früher vor allem die einfach organisierten und überschaubaren Gesellschaften außerhalb der industrialisierten Welt im Mittelpunkt kultur- und sozialanthropologischer Forschung standen, so haben Globalisierung und weltweite Migrationsprozesse heute ein zuvor unbekanntes Maß an kulturellen Unterschieden und Gegensätzen innerhalb der westlichen Industrienationen sowie in ihren Beziehungen mit der übrigen Welt mit sich gebracht. Zugleich sind die Grenzen zwischen den Bereichen des Lokalen und Globalen, des Nationalen und Internationalen, des Eigenen und des Fremden mehr als je zuvor Veränderungen unterworfen. Dies führt wiederum zu Bemühungen, solche Grenzen neu zu definieren oder schärfer zu ziehen. Die Kultur- und Sozialanthropologie widmet der kritischen Bestandsaufnahme dieser Prozesse heute große Aufmerksamkeit. Sie hat daher auch in Europa und im eigenen Land ein weites Betätigungsfeld.

Das Studium

Im Mittelpunkt des Studiums der Kultur- und Sozialanthropologie stehen die theoretischen, methodischen und empirischen Kenntnisse, Unterschiede und Gemeinsamkeiten menschlicher Lebens- und Organisationsweisen sowie Kulturen zu erkennen und zu analysieren. Das Ziel des Studiums ist es Kompetenzen zu entwickeln, die sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in praxisbezogenen fachnahen Berufsfeldern zur Anwendung kommen können. Es werden die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, aktuelle Entwicklungen in der eigenen und in anderen Gesellschaften
zu erkennen und empirisch zu untersuchen,
sozial- und kulturanthropologisch zu interpretieren und
Entscheidungsgrundlagen für interkulturelle Problemlösungen zu erarbeiten.

Ausgebildete Kultur- und SozialanthropologInnen haben sich die wissenschaftlichen Grundlagen des Faches angeeignet und sind mit den Möglichkeiten und Methoden des selbständigen Wissenserwerbs vertraut. Sie besitzen, je nach Schwerpunktsetzung, entweder ein spezialisiertes thematisches Wissen mit regionalem Überblick, oder spezifisches Wissen zu einer bestimmten Region mit breiter Themenstreuung. Nach dem Studium sind die AbsolventInnen fähig, auf die sich verändernden und unterschiedlichen Anforderungssituationen von Arbeitswelt, Gesellschaft und Kultur einzugehen und sich weiterhin Wissen zu thematischen Fragestellungen oder zu einer speziellen Region anzueignen.
Das Studium gibt einen Überblick über den jeweils aktuellen internationalen Theoriendiskurs in der Disziplin. Vermittelt werden vor allem die folgenden Fähigkeiten:
Die Fähigkeit, vom eigenen kulturellen Hintergrund zu abstrahieren;
Sensibilität für kulturelle Unterschiede;
Interkulturelle Problemlösungskompetenz;
Strukturierendes, vernetztes, interdisziplinäres, kritisches Denken;
die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten und analytische Fertigkeiten;
Know-how für Recherche, Datenerhebung und kritischen Umgang mit Quellen;
Verfassen von Texten und Umsetzen von Inhalten anhand verschiedener Medien;
Kenntnisse und Erfahrung in der Projektplanung und Projektorganisation;
Soziale Kompetenzen wie Team-, Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit.

Berufsfelder nach dem Studium

Kultur- und SozialanthropologInnen arbeiten in vielen verschiedenen wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Bereichen. Dazu zählen beispielsweise:
Universitäre und außeruniversitäre Forschung;
Lehre an Universitäten, Fachhochschulen, Akademien und Einrichtungen der LehrerInnenaus- und Weiterbildung; Projekte, Vorträge und Seminare in Schwerpunktbereichen von AHS, BHS, Erwachsenenbildung und „Lifewide Learning“;
Erstellen von regionalen Expertisen, etwa im Zusammenhang mit internationalen Kooperationen, Entwicklungszusammenarbeit, innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Konflikten, Technologie- und Kulturtransfer;
Anbieten von interkulturellen Kompetenzen in diversen Lebensbereichen, z.B. als StreetworkerIn in Stadtteilen mit hoher Migrationsrate, als BeraterIn im interkulturellen Gesundheits- und Medizinbereich, als ReiseleiterIn im Ferntourismus oder in Einsätzen von NGOs und internationalen Missionen, z.B. von UNO, OSZE oder EU;
Analysieren der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen und Ausüben vermittelnder Funktionen (z.B.: Betriebsethnologie, Consulting und Konfliktmanagement);
Angelegenheiten des „Gewohnheitsrechts“ und rechtspluralistischer Problemfälle;
Öffentlichkeitswirksames Einbringen und Präsentieren anthropologischen Wissens im Kulturbetrieb (z.B.: Museen, Ausstellungen, Veranstaltungen) und in den Medien.


Literatur:
Gertraud Seiser, Julia Czarnowski, Petra Pinkl & Andre Gingrich (Hg.): Explorationen ethnologischer Berufsfelder: Chancen und Risken für UniversitätsabsolventInnen. Wien: WUV, 2003.



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