Vortrag bei GaM/GiD 17.4.2013: Peer Vries – Die Geburt des modernen Wirtschaftswachstums
Semesterprogramm von Geschichte am Mittwoch – Geschichte im Dialog
Vortragender: Peer Vries (Wien)
Titel: Die Geburt des modernen Wirtschaftswachstums
Ort: Hs. 45, Zeit: Mittwoch, 17.4.2013, 18:30 h s.t.
Abstract: In dieser Sitzung werde ich mein neues Buchmanuskript vorstellen. Die wohl spannendsten Debatte in der globalen Wirtschaftsgeschichte dreht sich um die Frage, warum zu einem bestimmten Zeitpunkt – die meisten Wissenschaftler setzen diesen im 19. Jahrhundert an – bestimmte Regionen der Erde nicht nur viel reicher wurden als der Rest, sondern dies auch blieben. Dieses Phänomen wird seit Kenneth Pomeranz ein Buch mit dem Titel The Great Divergence, China, Europe and the making of the modern world economy im Jahr 2000 veröffentlichte als Great Divergence bezeichnet. Vor dem Auftreten dieser Divergenz waren alle Gesellschaften dieser Welt, gemessen an unseren gegenwärtigen Vorstellungen, relativ arm, die Wirtschaft stagnierte und kannte weder wesentliches noch anhaltendes Wachstum. Zur Great Divergence kam es schließlich, als wenige, fast ausschließlich westliche, Gesellschaften modernes Wirtschaftswachstum erlebten, das schließlich zu riesigen globalen Wohlstands- und Entwicklungsunterschieden führen sollte. Meine Forschungen der letzten 20 Jahren beschäftigten sich mit der Entstehung modernen Wirtschaftswachstums und den Anfängen dieser globalen Divergenz. Diese Thematik hat zuletzt durch neue Interpretationen, aber auch durch den rasch fortschreitenden ‘Niedergang des Westens’ weiter an Relevanz gewonnen.
In meinem Buch beschreibe, interpretiere und evaluiere ich die Debatten zur Great Divergence und zeige insbesondere die Unterschieden in den Zugängen, Methoden und Thesen von Globalhistorikern, Wirtschaftshistorikern und Ökonomen auf. Es handelt sich also um einen Versuch, darzustellen, wo wir momentan in dieser Debatte stehen, welche Positionen nach wie vor Gewicht haben und welche an Glaubwürdigkeit verloren haben. Dies geschieht nicht durch einen historiographischen Abriss über die geführte Debatte, sondern durch eine themenspezifische Abhandlung, bei der die wirtschaftswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wirtschaftswachstum als Ausgangspunkt dient, um Behauptungen über unmittelbare und tieferliegende Ursachen für solches Wachstum zu testen.
Zu Peer Vries: http://wirtschaftsgeschichte.univie.ac.at/mitarbeiterinnen/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/vries/
