SS 2006 | VO 2Std. | LVA 180.145 | http://www.univie.ac.at/wissenschaftstheorie/peschl/lva/wthvo2/

Wissenschaftstheorie II

Wissen, Wissenskonstruktion und seine kognitiven Grundlagen
Universität Wien

ao.Univ.Prof. Dr.DI Markus Peschl


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Keywords: Wissenschaftstheorie, Cognitive Science/Kognition, Wissensmanagement / knowledge management, Konstruktivismus, Methode, Naturwissenschaften, Theorie, Wissen, Wissenschaft, Wissensrepräsentation


Syllabus — Inhalte und Ziele

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Inhalte

Diese zweisemestrige Vorlesung hat sich zum Ziel gesetzt, eine interdisziplinäre Einführung in die grundlegenden Konzepte der Wissenschaftstheorie und der Theorie des Wissens zu geben. Dabei wird nicht der konventionellen Vorgangsweise des "Abhakens" verschiedener wissenschaftstheoretischer Positionen und Konzepte in ihrer historischen resp. ideengeschichtlichen Entwicklung gefolgt – vielmehr werden wir uns von den Phänomenen der Wissenschaft, des Wissens und unserer kognitiven Prozesse ausgehend über folgende Fragen und Probleme annähern (siehe auch Themen & Termine):

  • Was ist (wissenschaftliches) Wissen?
  • Wie entsteht es?
  • Welchen Veränderungen und Dynamiken unterliegt es und warum tut es das?
  • In welcher (epistemologischen) Beziehung steht eine (wissenschaftliche) Theorie/Wissen zu ihrer Umwelt?
  • Auf welchen kognitiven Prozessen basiert die Konstruktion wissenschaftlichen Wissens?
  • Inwieweit sind Abbildungs- resp. Konstruktionsprozesse in der Wissensentwicklung involviert?
  • Welche Relevanz haben diese Überlegunen für das jeweils eigene (Studien-)Fach? etc.

Ob der Komplexität der Phänomene der Wissenschft, Wissen und Kognition, ist eine interdisziplinäre Perspektive die einzige adäquate Herangehensweise für diese Fragen – die Forderung, über die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszugehen ist einerseits faszinierend und andererseits auch die Herausforderung dieser LVA.

Ziel dieser Vorlesung ist nicht, dass man alle wissenschaftstheoretischen Positionen auswendig lernt und kennen muss! Vielmehr geht es darum, für die jeweils eigene Disziplin und Arbeit (sei sie empirisch oder theoretisch) das wissenschaftstheoretische und intellektuelle Handwerkszeug und Feingespür zu erwerben, mit dem man seine/ihre (wissenschaftliche) Arbeit kompetent, effizient und epistemologisch-methodisch reflektiert durchführen kann.

Diese LVA erfordert eigenständiges und interdisziplinäres Arbeiten und die Bereitschaft, sich mit der eigenen Disziplin auf einer Metaebene kritisch auseinanderzusetzten.

Einsichten

Im Laufe der LVA wird sich herausstellen, dass Wissenschaft nicht als irgendein abstraktes oder rein logisches Phänomen abgehandelt werden kann, sondern zutiefst in der Dynamik menschlicher kognitiver Prozesse verwurzelt ist. Es wird die Einsicht entwickelt, wie sich sowohl das Bild als auch der Anspruch von Wissenschaft verändert, wenn man kognitive Prozesse als die radikale Quelle wissenschaftlicher Prozesse versteht.

Das Konzept und die Frage des Wissens stehen im Vordergrund dieser LVA. Wissenschaftliches Wissen ist nur die "Spitze des Eisberges" – jegliche Form von Wissen stellt in irgendeiner Art und Weise die Realität dar resp. ist Resultat eines Konstruktionsprozesses. In dieser LVA geht es darum, ein Verständnis davon zu bekommen,

  • was Wissen in seinen verschiedenen Ausformungen ist,
  • wie und wo Wissen entsteht und sich verändert, in welcher Beziehung Wissen zu dem stehen kann, was es beschreibt/repräsentiert,
  • welche Arten von Wissen unterschieden werden können und
  • was all diese Fragen für praktische Auswirkungen auf das jeweils eigene wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Handeln haben.

Theorien und Konzepte aus dem Bereich der Cognitive Science, Artificial Life, (Computational) Neuroscience/Konnektionismus, Systemtheorie, Philosophy of Mind/Cognitive Scienve, etc. werden in ihren Grundanliegen überblicksweise dargestellt und im Kontext der Wissenschaftstheorie als ein alternatives Erklärungsparadigma zur Anwendung gebracht. Vor allem die Fragen nach der Repräsentation von Wissen (in kognitiven und wissenschaftlichen Systemen) und die Frage des Lernens/Konstruktion/Dynamik dieses Wissens stehen im Vordergrund. Aus solch einer kognitiv fundierten Auffassung von Wissenschaft(-stheorie) erhalten die klassischen Konzepte der Wissenschaft und Wissenschaftstheorie eine neue Interpretation.

Durch gezielte Reflexion über das, was im Wissenschaftsprozess in den unterschiedlichsten Disziplinen passiert (Anwendung von Methoden, Messung, Beobachtung, Theorienkonstruktionsprozess, etc.), soll eine tiefere Einsicht in die Fähigkeiten, die Möglichkeiten und die Grenzen wissenschaftlichen Wissens erworben werden. Diese werden in ihren Voraussetzungen und sowohl theoretischen als auch praktischen Folgen dargestellt und diskutiert.

Lernziele &
Fertigkeiten

Folgende Lernziele sollen in dieser LVA erreicht werden:
  • Verständnis der grundlegenden Konzepte der Wissenschaftstheorie
    • Wissen und wissenschaftliches Wissen
    • Prozess der Theorienentwicklung und Wissenskonstruktion
    • Zusammenang (wissenschaftliches) Wissen – Kognition
    • Formen des Wissens und der wissenschaftlichen Tätigkeit
    • Der Mensch als Wissenschaftler/in
    • kognitive Fundierung des wissenschaflichen Prozesses (Wahrnehmung, Wissenskonstruktion, etc.)
  • Anwendung der erlernten Konzepte auf die eigene Arbeit und in der eigenen Disziplin
  • Durch das Studium der angebotenen Inhalte erlangt der/die Studierende eine Kompetenz in der eigenständigen Beurteilung wissenschaftlicher Theorien, Modelle, Texte, Methoden und Vorgangsweisen.
  • kompetenter Umgang mit der Literatur aus dem eigenen und fachfremden Bereich (eigenständige Bewertung, etc.)
  • Kompetenz im interdisziplinären Diskurs
  • kompetente Einschätzung von (empirischen) Ergebnissen in Bezug auf ihre Aussagekraft, Erklärungswert, etc.
  • klares Erkennen und argumentatives Begründen der Grenzen und Möglichkeiten wissenschaftlichen Wissens
  • eigenständiges Verständnis der epistemologischen Voraussetzungen, auf denen Theorien basieren
  • kritisches Anwenden und Hinterfragen von Methoden
  • Schärfung des eigenen Denkens, Urteilsvermögens, wissenschaftlichen Arbeitsstiles und Argumentierens
  • Reflexionskompetenz und Einnehmen einer Metaperspektive

Methoden und Durchführungs-
modus

Diese LVA zielt auf eine kooperative Wissenskonstruktion im Laufe des Semesters ab – der Erfolg hängt in hohem Maße davon ab, wie sehr sich die Studierenden mit ihrer jeweils eigenen disziplinären Kompetenz einbringen.

Diese LVA bedient sich einer Mischung aus Vortrag/Vorlesung und diskursivem Erarbeiten (tw. in Kleingruppenarbeit) eines Themenbereiches, wobei der Vortrag im Vordergrund steht. Die präsentierten Inhalte werden durch eine Vielzahl von Beispielen aus verschiedenen Disziplinen illustriert. Eine große Anzahl an Overheadfolien unterstützt den Prozess der Wissensvermittlung.

Diskussion, eigenes Mitdenken und Einbringen von eigenen Überlegungen und Beispielen sind ein zentrales Gestaltungselement dieser LVA. Der LVA-Leiter steht auch außerhalb der LVA für weitere Fragen zur Verfügung (siehe Kontaktadresse).

Zur Illustration der dargestellten Konzepte werden auch Videos zum Einsatz kommen.

Projektarbeit (in Form einer Abschlussarbeit), selbständiges und kreatives Erarbeiten von Konzepten und Teamarbeit sind zentrale Methoden dieser LVA.

Arbeitsunterlagen | Skriptum

Eine Sammlung der in der LVA benutzten Overheadfolien wird als Skriptum zur Verfügung gestellt. Dieses Skriptum ist bei der Vorbesprechung erhältlich. Weiters steht die angegebene Literatur grossteils an der Institutsbibliothek zur Verfügung.

Zielgruppe/n

Diese LVA richtet sich an Hörer/innen aller Studienfächer. Im besonderen werden Fragestellungen und Probleme der Pädagogik, Psychologie, Kognitionswissenschaften, Biowissenschaften, Informatik, und weiterer Naturwissenschaften etc. berücksichtigt. Diese LVA ist für Studierende konzipiert, die in vor allem aus einer anderen Disziplin als der Philosophie kommen/arbeiten und die Grundlagen ihres Faches besser verstehen und kennenlernen wollen. Der interdisziplinäre Charakter dieser LVA deckt ein breites Spektrum an Disziplinen und sowohl theoretischen als auch praktischen Fragen aus den verschiedensten Inhaltsbereichen ab.

Diese LVA ist für Studierende ab dem Ende des ersten Studienabschnittes/Bakk. (oder später) konzipiert.

Hinweis für Studierende, die nicht an der Universität Wien immatrikuliert sind: falls Sie ein Zeugnis für diese LVA benötigen, müssen Sie an der Universität Wien "mitbelegen". Dies können Sie in der Studienabteilung der Universität Wien erledigen (Tel. der Univ. Wien: 01 / 4277-0). Bitte beachten Sie die Fristen des Mitbelegens (meist bis ca. Mitte März/Oktober).

Voraus-
setzungen

Die Teilnehmer/innen sollten bereits ein wenig Vorwissen aus ihrer Disziplin und vor allem die Bereitschaft zum Reflektieren und Hinterfragen und den Willen zum interdisziplinären, konzeptionellen und selbständigen Arbeiten im Team mitbringen. Aktive Mitarbeit, echtes Interesse der Studenten/innen und Diskussion sind ein zentrales Element und daher Voraussetzung für diese LVA.

Computer- und Internetkenntnisse und der Besitz oder Zugang zu einem Computer sind von Vorteil.

weitere Hinweise

Obwohl es sich um eine zweisemestrige LVA handelt, ist sie so konzipiert, dass sie auch nur für ein Semester absolviert werden kann. I.e., diese LVA ist inhaltlich so angelegt, dass sie in einem Semester ein abgerundetes Bild und eine Übersicht über die wichtigsten Konzepte der Wissenschaftstheorie gibt .

Für all jene, die den ersten Teil dieser Vorlesung nicht besucht haben, wird am Beginn des Semesters eine Kurzwiederholung und Einführung angeboten (siehe Terminplan).


Themen, Termine & Orte

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Veranstaltungsort(e):

Alle Einheiten finden zu den unten angegebenen Terminen und Orten statt:

Vorbesprechung: HS 33 und HS 16 (jeweils Hauptgebäude der Universität Wien; siehe Wegweiser)

Für diese LVA ist keine Anmeldung notwendig. Kommen Sie zur Vorbesprechung!

Themen und Termine

unit

Termin

Ort

Thema

1

Mi, 1.3.2006
14.00–15.30 Uhr
HS 33

Vorbesprechung, Einführung, Vorstellung der LVA-Inhalte, Skriptenausgabe

2

Fr, 3.3.2006
9–13 Uhr
HS 16

Einführung und Wiederholung

  • Einführung in die wichtigsten Konzepte der Wissenschaftstheorie
  • Kurzwiederholung und Zusammenfassung aus dem letzten Semester

3

Fr, 10.3.2006
9–13 Uhr
HS 16

Was ist Wissen I ?

Erarbeitung und Präsentation des Konzeptes von Wissen und seiner unterschiedlichen Ausformungen (in den unterschiedlichen Lebensbereichen und Disziplinen).

  • Was ist Wissen?
  • Was charakterisiert Wissen?
  • Gibt es unterschiedliche Formen und Qualitäten von Wissen? Wenn ja, welche?
  • Was verstehen die unterschiedlichen Disziplinen unter Wissen?

Realität – Wissen – Kognition

Analyse der Ausgangssituation, wenn ein kognitives System auf die Realität trifft.

4

Mi, 15.3.2006
14.00–15.30 !
HS 33 !

Ausgangspunkt des Wissens: die Realität/Umwelt

Die Frage des Wissens kann nicht untersucht werden, wenn nicht klar ist, worauf sich dieses Wissen bezieht, wovon es handelt, welchen Gegenstand es hat. In dieser Einheit wird versucht, der Struktur der Realität auf die Spur zu kommen.

  • Frage nach der Möglichkeit der Untersuchung der Realität
  • Struktur und Ebenen der Realität

Wahrnehmung der Realität: Beobachtung und Konstruktion

Der erste Schritt von der Realität zum Wissen passiert im Prozess der Wahrnehmung.

  • Wahrnehmung aus philosophischer Perspektive
  • Wahrnehmung aus neurowissenschaftlicher Perspektive
  • Prozess der Transduktion

Wie entsteht Wissen?

  • Zirkel der Erkenntnis
  • Wissenschaftliches Wissen vs. "Alltagswissen"
  • Ströme des Wissens im Wissensmanagement

Literatur:

  • Goldstein, E.B. (2002). Sensation and perception (6th ed.). Pacific Grove, CA: Wadsworth Publishing Company.

5

Fr, 17.3.2006
9–13 Uhr
HS 16

Was ist Wissen II ?

  • Charakteristika des Wissens
  • Intentionalität
  • Funktionen des Wissens
  • Wissen in der Wissenschaft

Dimensionen des Wissens

  • philosophisch/epistemologisch
  • wissenschaftlich
  • Alltagsbereich
  • Wissensorganisation

Wissensdidaktik

  • Metadaten
  • Standardisierung
  • didaktische Wissenseinheiten

Literatur:

  • Meder, N. (2000). Didaktische Ontologien. In H.P. Ohly, G. Rahmstorf, and A. Sigl (Eds.), Globalisierung und Wissensorganisation. Neue Aspekte für Wissen, Wissenschaft und Informationssysteme, pp. 401–416. Würzburg: Ergon.
  • Peschl, M.F. (2003). Structures and diversity in everyday knowledge. From reality to cognition and back. In J. Gadner, R. Buber, and L. Richards (Eds.), Organising Knowledge. Methods and case studies, pp. 3–27. Hampshire: Palgrave Macmillan.

6

Mi, 22.3.2006

9–13 Uhr

HS 16

Dimensionen des Wissens II

  • Daten, Information, etc.; wissenschaftliches Wissen bis zur Weisheit
  • Schichten der Realität – Schichten des Wissens

Konstruktion des Wissens

  • Schritte der Konstruktion des Wissens im Alltag und in der Wissenschaft
  • philosophische/epistemologische Analyse
  • neurowissenschaftliche Darstellung

Realität – Wissen

  • Spektrum der erkenntnistheoretischen Positionen
  • Wissen als Projektion
  • Implikationen in der Wissenschaft
  • ethische und "lebenspraktische" Implikationen

7

Mi, 29.3.2006

9–13 Uhr

HS 16

Overspill & Prüfung

P

Mi 26.4.1005

14.00-15.30 Uhr

HS 33

2. Prüfungstermin

spätester Abgabetermin der schriftlichen Arbeiten:

10 Tage vor Semesterende (= Ende der Vorlesungszeit des aktuellen Semesters)


Leistungsbeurteilung/-feststellung & Zeugnismodalitäten

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Kriterien für den Erhalt eines Zeugnisses:

Für den Erhalt eines Zeugnisses ist das Verfassen einer schriftlichen Arbeit oder das Ablegen einer schriftlichen und mündlichen Prüfung notwendig.

schriftliche Arbeit:

schriftliche und mündliche Prüfung:

Der LVA-Leiter steht unter unten angegebener Adresse für Betreuung, Anfragen und Hilfestellungen zur Verfügung.


Kontaktadressen

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ao.Univ.Prof.Dr. Markus Peschl

siehe Kontakt/Lageplan


last update Tuesday, 14-Feb-2006 09:16:54 CET
© M.Peschl, Wed, Jun 30, 2004
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