11.5.2012 – KZ-Häftling – Historiker – Gesellschaftskritiker. Hermann Langbein zum 100. Geburtstag

11.May 2012

Tagung

Freitag, 11. Mai 2012, 11 bis 19 Uhr

Albert Schweitzer Haus, Großer Saal
Schwarzspanierstraße 13
1090 Wien

Um Anmeldung per Email wird gebeten: Emanuel Althuber (sekretariat.steinbacher.zeitgeschichte@univie.ac.at)

Hermann Langbein setzte Maßstäbe: als Überlebender des NS-Terrors, als gesellschaftskritisch intervenierender Historiker und als Akteur in den hitzigen erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegsjahrzehnte in Österreich und Deutschland. Er überlebte Dachau, Auschwitz und Neuengamme und hatte in den Konzentrationslagern zur Kerngruppe des Widerstands gehört. Nach Kriegsende war der ehemalige Spanienkämpfer Funktionär der KPÖ. Als Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees und später als Sekretär des Comité International des Camps, der Organisation der ehemaligen Häftlinge der nationalsozialistischen Lager, kämpfte er für die Rechte der Überlebenden. Zu einer Zeit, als kaum jemand sich für ihr Leid interessierte und viele Opfergruppen in Vergessenheit gerieten, schrieb Langbein Bücher über seine Erfahrungen in den Terrorstätten des Dritten Reiches. Mit Verve setzte er sich für die Entschädigung der Verfolgten, für die Strafverfolgung von NS-Verbrechern und für die gesellschaftliche sowie (rechts-)politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein. Dabei hatte er sich als Kommunist in der politisch brisanten Atmosphäre des Kalten Krieges stets gegen Angriffe zu wehren.

Dass der Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main 1963  zustande kam, ist wesentlich auf ihn zurückzuführen. Maßgeblich trug er auch dazu bei, dass das gesellschaftliche Bewusstsein für die Verbrechen des Dritten Reiches unter Deutschen wie Österreichern allmählich wuchs und vor allem junge Leute Sensibilität dafür entwickelten. Dafür spielten seine Bücher eine wichtige Rolle, die eine große Öffentlichkeit erreichten und bis heute Standardwerke sind.

Langbein, von der Gedenkstätte Yad Vashem 1967 als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, war in den siebziger Jahren einer der Initiatoren, die Überlebende der NS-Zeit als Zeitzeugen in die österreichischen Schulen holten. Gegen die Auschwitz-Leugnung ging er leidenschaftlich vor, bis an sein Lebensende engagierte er sich für die kritische Aufklärung und die politische Bildung junger Leute; er starb mit 83 Jahren im Oktober 1995 in seiner Geburtsstadt Wien.

Hermann Langbein würde im Mai 100 Jahre alt werden. Ziel der Tagung, die zu seinen Ehren aus diesem Anlass veranstaltet wird, ist es, ein Porträt von Langbeins Wirken zu zeichnen, seine Lebensleistung zu würdigen und über die politischen und gesellschaftlichen Widerstände nachzudenken, gegen die er anzukämpfen hatte.


Tagung  des Instituts für Zeitgeschichte (Universität Wien), der Gesellschaft für politische Aufklärung (Innsbruck und Wien) und des Fritz Bauer Instituts (Frankfurt am Main) in Kooperation mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft (Universität Wien) und mit finanzieller Unterstützung der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien sowie der Kulturabteilung der Stadt Wien.