14.11. – INTERAKTIONEN LECTURES – Götz Aly: Wie deutsche Historiker und Verlage die Übersetzung von Raul Hilbergs Buch „The Destruction of the European Jews“ behinderten

14.Nov 2017

Götz Aly
Wie deutsche Historiker und Verlage die Übersetzung von Raul Hilbergs Buch „The Destruction of the European Jews“ behinderten

Zeit: Dienstag, 14. November 2017, 18:30 Uhr
Ort:   Hörsaal 21 im Universitäts-Hauptgebäude, Universitätsring 1, 1010 Wien

Raul Hilberg, und niemand sonst, hatte in den 1950er-Jahren die streng auf Quellen basierte Holocaust­forschung begründet. In Wien 1927 geboren, flohen seine aus Galizien zugewanderten jüdischen Eltern mit ihm 1939 über Frankreich und Kuba in die USA. 1945 kehrte Hilberg als 18-jähriger Infanterist in das zertrüm­merte Großdeutsche Reich zurück. Götz Aly spricht darüber, wie ausgerechnet das Münchner Institut für Zeit­geschichte 1964 und 1980 gegen die Übersetzung von Hilbergs Grundlagenwerk „The Destruction of the European Jews“ votierte: Aus Gründen der Konkurrenz, wegen der vielen Namen, die Hilberg nannte, und weil sich deutsche Historiker einbildeten, sie und nur sie, könnten den nationalsozialistischen Terror, von ihnen als „Vorgänge“ bezeichnet, historisch und quellenkritisch richtig einordnen.

Götz Aly ist Historiker und Journalist. Er arbeitete für die »taz«, die »Berliner Zeitung« und als Gastprofessor (mehrfach auch in Wien). 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis, 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Zuletzt veröffentlichte er bei S. Fischer 2011 »Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933«, 2013 »Die Belasteten. ›Euthanasie‹ 1939-1945. Eine Gesell­schafts­geschichte«, 2015 »Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus« und 2017 »Europa gegen die Juden 1880-1945«. Zahlreiche Übersetzungen.

Hilberg Familienportrait

Cover des 1982 endlich auf Deutsch erschienenen Grundlagenwerks von Raul Hilberg. Der linke Westberliner Kleinverlag Olle & Wolter hatte herausgebracht, was die Großen der deutschen Historikerzunft und der Verlage 20 Jahre lang verhindert hatten.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Veranstaltung des Instituts für Zeitgeschichte und des Schwerpunktes „Diktaturen, Gewalt, Genozide“ mit Unterstützung durch die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien.