16.10.14 – INTERAKTIONEN – Sandra Eder: Making Gender. Die Entstehung des Gender/Sex Konzepts in der amerikanischen Biomedizin des 20. Jahrhunderts

16.Oct 2014

Sandra Eder (Zürich):

Making Gender. Die Entstehung des Gender/Sex Konzepts in der amerikanischen Biomedizin des 20. Jahrhunderts

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 12:00
Seminarraum 1
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Der Begriff Gender und die damit verbundene Schlussfolgerung, dass Geschlecht nicht biologisch sondern gesellschaftlich determiniert ist, hat eine Geschichte. Das Konzept Gender wurde das erste Mal in den 1950er Jahren in der Klinik für pädiatrische Endokrinologie des Johns Hopkins Spitals (Baltimore, USA) formu­liert — und zwar im Zuge der Behandlung von intersexuellen Kindern.

Weil diese Kinder medizinisch nicht eindeutig einem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden konnten, entstand die Idee, dass sie ein von ihrem biologischen Geschlecht (sex) unabhängiges soziales Geschlecht (genderrole) erlernen könnten. Für die Behandlung intersexueller Kinder ergab sich daraus die Richtlinie, dass jenes Geschlecht gewählt werden sollte, das insofern den meisten Erfolg ver­sprach, als es dem Kind später eine eindeutige und stabile Identität als Mann oder Frau erlaubte.

Die Entwicklung des Gender-Konzepts wird zumeist dem an Johns Hopkins tätigen Psychologen John Money zugeschrieben, der durch seine Publikationen die Idee eines durch das Umfeld und Erfahrungen geprägten Geschlechts verallgemeinerte. Sandra Eder zeigt in ihrer medizinhistorischen Geschichte des Gender-Konzepts, dass John Moneys Theorien auf bereits bestehenden klinischen Praktiken des Kinderarztes Lawson Wilkins beruhten und von einem Gesundheitsverständnis geprägt waren, das soziale und bio­logische Normen zusammenführte.

Sandra Eder, Promotion in Medizingeschichte an der Johns Hopkins University, Baltimore. Zuvor Studium der Geschichte an der Universität Wien und American Studies an der Columbia University New York. Seit September 2011 Post-doc-Wissenschafterin am Institut für Medizingeschichte, Universität Zürich. Ab Juli 2015 Professorin für Geschlechtergeschichte am Department for History der University of California, Berkeley.