19.1.12 – INTERAKTIONEN – Ute Bauer: Erinnerungsorte ohne Auftrag – die 6 Flaktürme in Wien

19.Jan 2012

Donnerstag, 19. Jänner 2012, 12:00

Seminarraum 1 des Instituts für Zeitgeschichte
Universitäts-Campus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Die sechs Wiener Flaktürme stellen ein markantes, öffentlich allerdings sehr wenig wahrgenommenes Erbe des Zweiten Weltkriegs dar. Trotz Denkmalschutz sind sie kein Teil der aktiven Erinnerungslandschaft Wiens. Ab 1941 zur Fliegerabwehr und als Luftschutzbunker in Berlin, Hamburg und Wien errichtet, übernahmen die Flaktürme zunehmend Funktionen der Propaganda und sollten sogar zu Heldendenkmalen umgestaltet werden. Obwohl militärisch bald überholt, setze man ihre Errichtung bis 1945 fort. Ohne die massive Ausbeutung von Zwangsarbeitern wären diese Großprojekte in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs nicht umsetzbar gewesen.
Bis heute haben sich im Leitturm Arenbergpark Zwangsarbeiter aus allen Teilen Europas und der Sowjetunion in hunderten Graffiti an den Innenwänden manifestiert. Solche Spuren finden sich in keinem der übrigen noch bestehenden Flaktürme. Die Verwertungsinteressen der Stadt Wien stehen einem öffentlich zugänglichen Mahnmal bisher allerdings im Weg.
Das Interdisziplinäre Forschungszentrum Architektur und Geschichte – iFAG widmet sich seit 2007 der Bestandsaufnahme der Wiener Flaktürme und der Erforschung des Zwangsarbeitereinsatzes mit dem Ziel, diesen bislang marginalisierten Bauten ihren Platz in der Wiener Stadtgeschichte zuzuweisen.

DI Ute Bauer studierte Architektur an der TU Wien. Sie arbeitet als freie Journalistin und Architekturhistorikerin insbes. zu den Themen NS-Architektur, Zwangsarbeit und Oral History. Als Mitarbeiterin im Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist sie für Projekte des Fotoarchivs und der KZ-Gedenkstätte Loibl-Nord zuständig. Zu den Flaktürmen publizierte sie u.a. Erinnerungsort Flakturm. Der ehem. Leitturm im Wiener Arenbergpark und Die Wiener Flaktürme im Spiegel öst. Erinnerungskultur.