27.1.2011 – INTERAKTIONEN – Sybille Steinbacher: Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik

27.Jan 2011

Sybille Steinbacher (Wien):

Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik

Donnerstag, 27. Jänner 2011, 12:00 s.t.
Seminarraum 1 des Instituts für Zeitgeschichte
Universitäts-Campus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Muffig und verklemmt erscheint die Adenauerzeit im Rückblick: als Epoche der Prüderie und Lustfeindlichkeit. Doch diese Einschätzung täuscht, denn lange vor 1968 und der »sexuellen Revolution« es gab in der Bundesrepublik
Deutschland sogenannte Sexwellen.

Sex, das Wort war neu, als es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland gebräuchlich wurde. Es stand im Zentrum erbitterter politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über Sittlichkeit
und Anstand. Denn gerade mit dem neuen Erotikboom in der Publizistik sahen viele Zeitgenossen der Adenauerära eine moralische Krise heraufziehen, während andere davon überzeugt waren, Fortschritt und Modernität hielten nun aus Amerika Einzug.

Wie vermint das ideologische Gelände war und wie heillos Sittlichkeitsverfechter bald ins Hintertreffen gerieten, offenbarte Anfang der fünfziger Jahre die Verbreitung der Kinsey-Reporte. Bald florierte zudem Beate Uhses Erotik-Firma, und im Sommer 1961 kam die Pille auf den Markt.

Sybille Steinbacher erschließt ein bislang wenig beachtetes Feld in der Politik- und Gesellschaftsgeschichte der frühen Bundesrepublik – und bricht Klischees auf: Sie zeigt in ihrer Habilitationsschrift, die Ende Jänner im Siedler Verlag (München) erscheinen wird, dass es in puncto Sexualität eine Revolution vor der Revolution gab.