Mentally ill Holocaust survivors in Israel from 1950s till today
Do 24.01.2013, 12:00
Seminarraum 1
Institut für Zeitgeschichte
Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien
Rakefet Zalashiks letztes Buch, ihr erstes in deutscher Sprache, befasst sich mit der Geschichte einer eigenen psychiatrischen Tradition in Palästina, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts von jüdischen Einwanderern aufgebaut wurde. Die Geschichte, die Zalashik hier erzählt, steckt voller Paradoxien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es um die psychischen Folgen des Lebens in der Diaspora und um die Charakterisierung des “neuen Juden”. Später, in den 1930er-Jahren, brachten jüdische Psychiater aus Deutschland und Österreich – obwohl selbst Opfer der NS-Rassenideologie – den Diskurs über Eugenik und Rasse nach Palästina. Er zeigte Auswirkungen, etwa in der Auseinandersetzung mit der “primitiven” arabischen Bevölkerung. Seit den späten 1940er-Jahren schließlich sahen sich die israelischen Psychiater immer öfter mit der Behandlung von Holocaust-Überlebenden konfrontiert. In ihrem Vortrag konzentriert sich Zalashik auf diesen Teil der Geschichte und skizziert das schwierige Verhältnis der israelischen Psychiatrie zu den Überlebenden des Holocaust und ihren Traumata. Wie unter einem Brennglas führt Rakefet Zalashik am Beispiel der Psychiatrie die Dilemmata der israelischen Gesellschaft vor Augen: ethnische Spannungen, das Trauma der Entwurzelung, die Integration der Holocaust-Überlebenden und das Ringen um eine jüdisch-israelische Identität.
Rakefet Zalashik forscht derzeit am Goldstein Goren Center der Ben Gurion University im Negev. Sie war Inaugural Mirowski Fellow für Israeli Studies an der Temple University in Philadelphia. 2009 und 2010 hatte sie die erste Ben-Gurion-Gastprofessur für Israel- und Nahoststudien an der Universität und an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg inne.





