26.4.2012 – INTERAKTIONEN – Margit Reiter: Ein antiamerikanisches Jahrzehnt?

26.Apr 2012

Perzeptionen von „Amerika“ seit dem 11. September 2001

Donnerstag, 26. April 2012, 12:00

Seminarraum 1 des Instituts für Zeitgeschichte
Universitäts-Campus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Die Anschläge vom 11. September 2001 lösten fast überall auf der Welt Entsetzen und Betroffenheit aus. Doch schon bald nach dem ersten Schock bekam die spontane Solidarität Risse und es verlagerte sich der Diskurs – weg von den Opfern und hin zu den möglichen Ursachen und Folgen von 9/11.
Das Bedürfnis nach Erklärungen war begreiflicherweise groß. Doch manche der Deutungsmuster gerieten zu Verharmlosungen des Terrors und zu pauschalen Schuldzuweisungen an die USA – bis hin zu einer sukzessiven Opfer-Täter-Umkehr. Angesichts dieser Entwicklung sprachen intellektuelle Beobachter vom Antiamerikanismus als „master narrative of the age“ (Tony Judt) oder erklärten das (noch junge) 21. Jahrhundert gar zum „anti-American century“ (Krastev/McPherson).
Im Vortrag werden die ‚Amerika‘-Perzeptionen in Österreich (und Deutschland) nach 2001 kurz nachgezeichnet und u.a. folgende Fragen aufwerfen: Was an den Perzeptionen war spezifisch „österreichisch“ und was ist als europäisches Phänomen zu werten? Wie ist der Befund des Antiamerikanismus – politisch, generationsspezifisch und historisch – einzuordnen? Und schließlich: Wie positioniert man sich als Forscherin in einer von Vorwurf und Abwehr geprägten politischen Debatte, die auch vor der scientific community nicht immer Halt macht?

Margit Reiter, lehrt und forscht am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Sie leitet das Ende August 2012 auslaufende FWF-Projekt: Perzeptionen von ‚Amerika‘ in Österreich und Deutschland im historischen und europäischen Kontext. Derzeit ist sie als Gastprofessorin am Fachbereich für Geschichte an der Universität Salzburg  tätig. Publikation zum Thema: Margit Reiter/Helga Embacher (Hg.), Europa und der 11. September 2001, Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2011.