Besuch des Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer am 23. Mai 2012 am Institut für Zeitgeschichte

24. Mai 2012

Im Rahmen eines informellen Besuches des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer am 23. Mai 2012 am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien wurde der eben fertiggestellte Tagungsband der 8. Österreichischen Zeitgeschichtetage, die von den NachwuchswissenschaftlerInnen des Instituts für Zeitgeschichte 2010 organisiert worden waren, übergeben. Die HerausgeberInnen – Linda Erker, Alexander Salzmann, Lucile Dreidemy und Klaudija Sabo –  diskutierten einige der neuen Perspektiven der Zeitgeschichtsforschung, wobei der Bundespräsident besonderes Interesse an österreichischen und internationalen Themen der 1960er und 1970er Jahre zeigte.

Gerne nahm Bundespräsident Fischer die Anregung auf, beim kommenden zweiten Geschichtswettbewerb beim Bundespräsidenten für 16-18-jährige SchülerInnen, der in Kooperation mit dem Institutsvorstand Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb, dem Theodor Körner Fonds für Wissenschaft und Kunst sowie dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst organisiert wird, genau aus dieser bisher noch wenig erforschten Periode ein Thema auszuwählen.

Während des 1 ½-stündigen Besuches gab es auch eine umfassende Aussprache mit den Mitgliedern der Institutsversammlung im Rahmen des Jour Fixes. Dabei wurde neuerlich die Bedeutung der 1960er/1970er Jahre für künftige Dissertationen und Projekte am Institut für Zeitgeschichte unterstrichen. Gleichzeitig wurde aber auch in dieser Debatte der gesellschaftspolitische Hintergrund der bewusst verzögerten kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Holocaust in Österreich ebenso thematisiert, wie die noch immer lückenhafte historiographische Reflexion über die autoritäre Phase der Zwischenkriegszeit 1933-1938 (Austrofaschismus).

Im zweiten Teil des Besuches des Bundespräsidenten, an dem auch seine Kabinettsleiterin Mag. Susanne Gaugl und sein Berater für Kunst- und Wissenschaftsfragen Mag. Meinhard Rauchensteiner teilgenommen haben, folgte eine intensive Debatte mit Mitgliedern des Initiativkollegs „Europäische historische Diktatur- und Transformationsforschung“ und der Faculty. Besonders interessiert war Bundespräsident Fischer an der Themenvielfalt und der grenzüberschreitenden inhaltlichen Kooperation der KollegiatInnen. Bei dieser Gelegenheit wurde wie bei der vorangegangenen Diskussion die wissenschaftsstrategische Notwendigkeit betont, echte Tenure Track-Modelle und neue Möglichkeiten für die Post-Doc- und Prae-Habil-Phase von jungen WissenschaftlerInnen zu schaffen.

Bei einer kurzen abschließenden Bibliotheksführung durch die stellvertretenden Bibliotheksleiterin Dr. Eva Dobrovic konnte sich der Bundespräsident selbst von der Effizienz des in Österreich bisher einzigartigen Onlinezugangs zum kompletten ORF-Archiv überzeugen, wobei der Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte, Oliver Rathkolb, betonte, dass die konkreten Lehr- und Forschungskooperationen mit dem ORF-Archiv, ORF III und dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ab 2013 völlig neue Möglichkeiten für Studierende und ForscherInnen ermöglichen wird.


KollegiatInnen und Mitglieder der Faculty des Initiativkollegs “Historische Diktatur- und Transformationsforschung”

Alexander Salzmann, Linda Erker, Bundespräsident Fischer, Klaudija Sabo, Lucile Dreidemy (v. li. n. re.)