Die Geschichte der österreichischen Wasserstraßenverwaltung (1918-1955)

Projektleitung: Assoz.-Prof. Dr. Bertrand Perz
Projektmitarbeiterinnen: Dr.in Alexandra Wachter, M.A. / Gabriele Hackl, M.A.
Finanzierung: via donau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH
Laufzeit: 2017–2019

Projektfoto_viadonau

„Befestigung der Uferböschung des Hafens durch Steinschüttung. Blick vom unteren Ende zur Donau“, unbekannter Fotograf. Fotodokumentation zu Hafenbauarbeiten in der NS-Zeit, Album „Hafenbau Albern 1941–1943“ © via donau

 

Die Verwaltung der Wasserstraßen Österreichs meinte 1918-1955 in erster Linie die Regulierung, Benützung und Instandhaltung der Donau, sowie die Verwaltung von Hochwasserschutzanlagen und in der NS-Zeit auch die Schifffahrt. Während einzelne österreichische Wasserkraftwerksbauten bereits in den Fokus wissenschaftlicher Studien gerückt sind, betritt eine umfassende Untersuchung der Geschichte der österreichischen Wasserstraßenverwaltung und ihrer Tätigkeit wissenschaftliches Neuland.

Im Zuge des Projekts sollen grundsätzliche Fragen beantwortet werden, wie jene nach den Aufgaben und der Funktion der Behörde sowie nach der institutionellen und personellen Entwicklung über historische Zäsuren hinweg.

Der Untersuchungszeitraum erlaubt es, die Auswirkungen der sich laufend verändernden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse – durch den Zerfall der Donaumonarchie, den „Anschluss“ an das Deutsche Reich, den Kriegsverlauf, das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und die anschließende alliierte Besatzung – nachzuzeichnen und damit Brüche und Kontinuitäten aufzuzeigen. Der Zeitraum 1918 bis 1938 soll dabei nur überblicksmäßig erfasst werden. Der zeitliche Schwerpunkt des Projekts liegt auf den Jahren 1938 bis 1945 und die Jahre der alliierten Besatzung.

Die Auswirkungen der militärischen und kriegswirtschaftlichen Bedürfnisse des Deutschen Reiches auf die Verwaltung der Wasserstraßen stellt eines der Kernthemen des Projektes dar.

Für die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft stellen sich unter anderem konkrete Fragen wie:

  • Welche Rolle spielte die Wasserstraßendirektion bei der Planung bzw. dem Bau von Häfen, Kraftwerken und Kanälen wie dem Donau-Oder-Kanal?
  • Welche Bedeutung hatte der Ausbau der Donau zur Großwasserstraße in Hinblick auf die angestrebte Autarkie des Deutschen Reiches?
  • Inwieweit spielten hier außenwirtschaftspolitische Expansionsziele Richtung Südosteuropa, wie sie etwa von Institutionen wie dem Mitteleuropäischen Wirtschaftstag formuliert und vertreten wurden, eine wichtige Rolle?
  • Zu welchen Einschränkungen von Bauprojekten (Hochwasserschutz, Kraftwerksbauten, Hafenbauten etc.) kam es in der zweiten Kriegshälfte und welche Auswirkungen hatte der Luftkrieg auf die Verwaltung der Wasserstraßen?

Darüber hinaus wird nach den Aufgaben und Handlungsräumen der einzelnen Belegschaftsmitglieder der Wasserstraßenverwaltung auf leitender Ebene gefragt. Ihre Karrieren werden ebenso nachverfolgt wie Kompetenzstreitigkeiten und Kooperationen der Behörde mit anderen staatlichen Stellen und freien Unternehmen. Damit zusammen hängt die Frage nach dem Einsatz von Kriegsgefangenen, zivilen ausländischen ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlingen.

Soweit es die Quellenlage erlaubt, wird auch die Zusammensetzung der übrigen Belegschaft rekonstruiert, vor allem in Hinblick auf ideologisch motivierte „Säuberungen“ der Beamtenschaft nach 1938 und der potentiellen „Entnazifizierung“ nach 1945. Neben den personellen Veränderungen werden für die unmittelbaren Nachkriegsjahre Zerstörungen, die Konfiskation von Geräten, der Umgang mit den verschiedenen Besatzungsbehörden allgemein, Aufräum- und Reparaturarbeiten sowie vorangegangene „Arisierungen“ der Liegenschaften der Wasserstraßenverwaltung und Wiedergutmachungsbestrebungen in den Blick genommen.

Mit der Durchführung der Studie beauftragte die via donau – Österreichische Wasserstraßengesellschaft mbH das Projektteam im Dezember 2016, nachdem die Machbarkeit eines Forschungsprojekts 2015 im Rahmen einer Vorstudie geprüft worden war.