Eric Kandel bei Buchpräsentation an der Universität Wien: „Der lange Schatten des Antisemitismus“

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© Dr. Wladimir Fried

Präsentation des Sammelbandes „Der lange Schatten des Antisemitismus – Kritische Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Universität Wien im 19. und 20. Jahrhundert“ (Zeitgeschichte im Kontext Nr. 8), Vienna University Press bei V&R unipress, 320 Seiten
Zeit:
Mittwoch, 5. Juni 2013, 13 Uhr
Ort:
Aula der Universität Wien, 1010 Wien, Universitätsring 1
Anmeldung erbeten
: agnes.meisinger@univie.ac.at

Der amerikanische Neurowissenschafter und Nobelpreisträger Eric Kandel diskutiert am Mittwoch, 5. Juni 2013, 13 Uhr, an der Universität Wien gemeinsam mit Rektor Heinz W. Engl und dem Herausgeber des Sammelbandes „Der lange Schatten des Antisemitismus“, Oliver Rathkolb vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Der gebürtige Wiener Kandel wurde 1939 selbst mit seiner Familie vertrieben und emigrierte in die Vereinigten Staaten.

Der von Oliver Rathkolb herausgegebene Sammelband steht im Zeichen der kritischen Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Universität Wien im 19. und 20. Jahrhundert. Neben Nobelpreisträger Eric Kandel, der über die Kontakte zwischen Juden und Christen im Wien der Jahrhundertwende schreibt, sind weitere hochkarätige Nationalsozialismus-ForscherInnen, wie der deutsche Historiker Götz Aly, vertreten.
Die Themen spannen den Bogen von neuesten Forschungen an der Universität Wien zu „Gewalt und Antisemitismus an der Universität Wien seit der Badeni-Krise 1897. Davor und Danach“ (Oliver Rathkolb) über die „Situation jüdischer Wissenschafter an der Universität Wien von der Monarchie bis nach 1945“ (Mitchell Ash, Universität Wien), „Arthur Goldmann – ein jüdischer Archivar im Dienst der Universität Wien 1905 bis 1929“ (Thomas Maisel), „Terror gegen Tandler. Kontext und Chronik der antisemitischen Attacken am I. Anatomischen Institut der Universität Wien 1910 bis 1933“ (Birgit Nemec/Klaus Taschwer), „Antiziganismus, Antislawismus und Antisemitismus als Karrierestrategie. Über einen theaterwissenschaftlichen ‚Gründungsvater'“ (Birgit Peter) hin zu der Rolle einzelner Fakultäten wie der Rechtswissenschaftlichen (Ilse Reiter-Zatloukal) und der Philosophischen Fakultät am Beispiel von Moritz Schlick und seines Wiener Kreises (Friedrich Stadler).
Andreas Stadler thematisiert die Bedeutung der Antisemitismus-Forschung in der Zukunft und Linda Erker präsentiert das Lehrprojekt der Österreichischen HochschülerInnenschaft zum Thema „Hochschulen im Austrofaschismus und in der NS-Zeit“.
Im Anhang des Bandes wird eine unbekannte Broschüre zu der antisemitischen Rede Karl Luegers gegen die Universität Wien aus 1907 publiziert, gemeinsam mit einer bisher neu entdeckten Gegenschrift des Professors für Verwaltungs- und Verfassungsrechts Josef Redlich.
Seit einigen Jahren setzt die Universität Wien Initiativen, die vielschichtigen Dimensionen des Nationalsozialismus an der eigenen Institution aufzuarbeiten. Zahlreiche Projekte wurden bereits umgesetzt, so z.B. das Forum „Zeitgeschichte der Universität Wien“ unter der Leitung von Friedrich Stadler, das Forschungsprojekt „Vertreibung der Studierenden 1938“, das Provenienzforschungsprojekt der Universitätsbibliothek, die historische und künstlerische Kontextualisierung des „Siegfriedskopfes“ oder die Gedenkveranstaltung anlässlich der Aberkennung und Wiederverleihung akademischer Grade. Zuletzt präsentierte die Universität das „Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938“ mit der damit verbundenen Online-Datenbank. „Die Aufarbeitung dieses Teils der Vergangenheit der Universität Wien wurde begonnen und ist unbedingt weiter fortzusetzen“, erklärt dazu der Rektor der Universität Wien, Heinz W. Engl.

Der Sammelband kann auf der Seite des Vandenhoeck & Ruprecht Verlages bestellt werden: http://www.v-r.de/de/title-163-163/der_lange_schatten_des_antisemitismus-1011142/

Fotos: © Dr. Wladimir Fried