Profil

Forschungsprofil

Das Institut für Zeitgeschichte wurde 1966 an der Universität Wien gegründet. Dies war ein wichtiger Schritt in einem längeren Prozess der Ausdifferenzierung des Fachs in Österreich. Er entspricht in einem gestiegenen Maß gesellschaftlichen Bedürfnissen und der Nachfrage von Studierenden, den Entwicklungen, Konflikten und Katastrophen des 20. Jahrhunderts nachzugehen, aber auch die Gegenwartsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Österreich im internationalen Kontext zu analysieren.

Das Institut für Zeitgeschichte hat, wie im letzten Evaluationsbericht internationaler Gutachter (2003) angeführt, „ein eigenständiges Profil ausgearbeitet, das national und international stark beachtet wird und hervorragend vernetzt ist“. Synergieeffekte ergeben sich am Institut durch institutionelle Kooperationen mit dem Institut Wiener Kreis, der Heinz von Foerster-Gesellschaft oder die Österreichische Gesellschaft für Zeitgeschichte sowie dem Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte.

Das derzeitige Institutsprofil mit fünf Schwerpunkten spiegelt die seit 2000 erfolgte Neustrukturierung wider, es geht über austrozentrierte, politischer Ereignis- und Nationalgeschichte hinaus und ist einem Methodenpluralismus und der forschungsorientierten Lehre verpflichtet. Gemeinsame methodische Prinzipien dieses Profils sind die internationale, komparatistische, inter-, bzw. transdisziplinäre Ausrichtung mit einer genuin zeitgeschichtlichen Quellenbasis und Methodologie.

  • Österreichische Zeitgeschichte als Republikgeschichte im internationalen Vergleich bis zur Gegenwart
  • Faschismus, Nationalsozialismus und Holocaust
  • Zeitgeschichte der Wissenschaften und Wissensgesellschaften
  • Zeitgeschichtliche Frauen- und Geschlechterforschung
  • Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte, Film und andere Medien

Das Institut für Zeitgeschichte kooperiert in Forschung und Lehre eng mit den anderen historischen Instituten der Fakultät, auf der Ebene der Institutsvorstände werden in regelmäßigen Vorstandsrunden unter Einbeziehung der Studienprogrammleitung anstehende Fragen diskutiert und Entscheidungen im Sinne der Gewinnung von Synergien aufeinander abgestimmt. Mitglieder des Instituts engagieren in den verschiedenen Gremien der Universität (wie Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, Fakultätskonferenz, Studienkonferenz etc.).

Das Institut für Zeitgeschichte fungiert auch als Projektnehmer für Auftragsforschung, z.B. im Auftrag des Rektorats (Forum Zeitgeschichte der Universität Wien) im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Universitätsjubiläums 2015. Mitglieder des Instituts nehmen forschungsbezogene Aufgaben in Form von wissenschaftlichen Gutachten und Projekten für staatliche oder staatsnahe Einrichtungen oder im Rahmen von Beiräten wahr, z.B. im Internationalen Forum Mauthausen des Bundesministeriums für Inneres oder im Kunstrückgabebeirat des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur und im wissenschaftlichen Beirat des “Hauses der europäischen Geschichte” in Brüssel.

Das Institut für Zeitgeschichte ist an folgenden Forschungsschwerpunkten der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät beteiligt:

  • Historisch-kulturwissenschaftliche Europawissenschaften
  • Österreich in seinem Umfeld
  • Diktaturen – Gewalt – Genozide
  • Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Visuelle Kulturgeschichte – Kulturen und Medien des Visuellen
  • Wissenschaftsgeschichte – Wissenskulturen – Wissensgesellschaften
  • LehrerInnenausbildung und Fachdidaktik („Didaktischer Gedächtnisspeicher“)

Institutsmitglieder arbeiten überdies an einem Initiativkolleg: IK “Europäische historische Diktatur- und Transformationsforschung” (Oliver Rathkolb, Maria Stassinopoulou, Karin Liebhart und Oliver Schmitt) mit 12 DissertantInnen sowie am DK-Plus-Programm „The Sciences in Historical, Philosophical and Cultural Contexts“ mit 10 DissertantInnen, am Joint Degree-Programm “MATILDA European Master in Women´s and Gender History“, sowie am neuen Master-Programm „Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte“ (HPS – History and Philosophy of Science) mit Mitchell Ash, Gerd Müller, Wolfgang Reiter, Carola Sachse und Friedrich Stadler.

Die Mitglieder des Instituts kooperieren auf nationaler wie internationaler Ebene mit anderen Universitäten, Forschungseinrichtungen, wissenschaftlichen Gesellschaften, Museen und Gedenkstätten, sind am Aufbau neuer Forschungsinstitutionen beteiligt, an der Gestaltung von Ausstellungen, erstellen Gutachten, machen wissenschaftliche Beratungen, nehmen Beiratsfunktionen wahr, sind Mitglieder in Kommissionen oder in Boards und Redaktionen wissenschaftlicher Fachzeitschriften.

Am Institut oder unter Beteiligung des Instituts oder einzelner Institutsmitglieder finden laufend Vortragsreihen, Workshops, nationale wie internationale Tagungen statt.

Die Forschungstätigkeit der Institutsmitglieder findet ihren Niederschlag in einer umfangreichen Produktion und Herausgabe von wissenschaftlichen Texten in einschlägigen Fachzeitschriften, Monographien und Buchreihen. Die führende zeitgeschichtliche Fachzeitschrift Österreichs –  „zeitgeschichte“ – hat ihren Sitz am Institut.

aktualisiert am 31.5.2011