Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte, Film und andere Medien

Zeit- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und 21. Jahrhunderts sind ohne filmische und televisuelle Repräsentationen nicht denkbar, Zeitgeschichte und Visualität sind untrennbar verbunden. Film und andere Medien haben das zurückliegende Jahrhundert nicht allein sicht- und hörbar festgehalten, sondern insbesondere durch audiovisuelle Inhalte, Formen und Strukturen wesentlich zu den zeit- und kulturgeschichtlichen Ereignissen und Entwicklungen beigetragen, diese umfassend theoretisch, praktisch, technologisch und mentalitätsgeschichtlich geprägt. Die Medialisierung der Geschichte durchzieht heute alle Bereiche der Gesellschaft, der Politik, der Erziehung und Bildung und macht neue Formen der Forschung, Lehre und, vor allem, eine innovative berufsqualifizierende Ausbildung erforderlich.

Visuelle Zeitgeschichte rekonstruiert daher die Geschichtsmächtigkeit medialer Anordnungen über eine engere medienhistorische Perspektive hinaus und fokussiert auf eine zeithistorisch basierte Analyse medialer Repräsentationssysteme. Geschichtsbilder und deren wissenschaftliche Analyse sind von moderner Technologie und Digitalisierung nicht zu trennen. In Forschung und Lehre stellt die visuelle Zeit- und Kulturgeschichte ein wesentliches integratives Medium dar, durch das nationale, regionale und internationale Entwicklungen sowie deren zeit- und kulturgeschichtliche Dimensionen an der Schnittstelle von Theorie, visueller Praxis und Politik interdisziplinär bearbeitet werden. Die multimediale interaktive Darstellung zeit- und kulturgeschichtlicher Themen in inner- und außeruniversitärer Kooperation, der Diskurs von Zeitgeschichte und Öffentlichkeit sind hierbei zentral.

Zielführend geht es um Intensivierung eines Österreich spezifischen Profils, das der international vernetzten Visualisierung der Zeitgeschichte, der Erinnerungskultur und der, durch die Öffnung der Europäischen Union bedingten, visuellen Dimension des grenzübergreifenden Dialogs mit anderen europäischen und außereuropäischen Kulturen dient. Dieser integrative Bereich am Institut für Zeitgeschichte in Wien stellt sich daher in besonderem Maße die Aufgabe, unter den Auszubildenden kulturelle Kompetenz zu schaffen, die in der Umsetzung der theoretischen Erkenntnisse in zeithistorischer Medien- und Filmanalyse sowie in praktisch-zeitgeschichtlicher Film- und Videoarbeit zum Ausdruck kommt und damit den Auszubildenden der Universität Wien neue international kompatible und wettbewerbsfähige Berufsfelder erschließt.