Zeitgeschichte der Wissenschaften und Wissenschaftstheorie

Zeitgeschichte der Wissenschaften und Wissenschaftstheorie

Der globale Transformationsprozess von Industriegesellschaften zu den gegenwärtigen zunehmend auf wissenschaftlichem Wissen basierten Gesellschaften ist ein charakteristisches Merkmal unserer Epoche. Für die zeithistorische Forschung stellt er eine besondere Her­ausforderung dar. Am Institut für Zeitgeschichte befassen sich vor allem zwei Professuren mit wissenschaftshistorischen Fragestellungen im Rahmen des fakultären Schwerpunkts „Wissenschaftsgeschichte – Wissenskulturen – Wissensgesellschaften“:

- Der Teilbereich „History and Philosophy of  Science (Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftstheorie)“ ist im Rahmen einer Doppelprofessur mit der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft verbunden und wird von Friedrich Stadler koordiniert. Im Zentrum von Forschung und Lehre stehen hier Rekonstruktionen und Analysen des Verhältnisses von Wissensinhalten, wissenschaftlichen Institutionen sowie einzelnen WissenschaftlerInnen zu den verschiedenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systemen des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Spezielle Schwerpunkte dieses interdisziplinären Forschungsfeldes stellen das längerfristige „Forum Zeitgeschichte der Universität Wien“ sowie die Exil- und Emigrationsforschung dar.

- Der Teilbereich „Wissen – Macht – Geschlecht. Zeitgeschichte in transnationalen Bezügen “ wird von Carola Sachse koordiniert. Er befasst sich mit drei Phänomenen, die das „lange“ 20. Jahrhundert in besonderer Weise kennzeichnen und die in vielfältiger Weise miteinander verbunden sind: (1) dem beschleunigten Zuwachs an wissenschaftlichem Wissen, (2) dem hohen Ausmaß an Gewalt in Kriegen, Bürgerkriegen und Genoziden und (3) der Revolutionierung der Geschlechterverhältnisse. Die Schnittstellen von Wissen, Macht und Geschlecht im politischen Kontext der Weltkriege, des Nationalsozialismus und des Kalten Krieges werden in Forschung und Lehre unter besonderer Berücksichtigung von transnationalen Bezügen und internationalen Verflechtungen bearbeitet.

Beide Teilbereiche sind auch in den anderen Schwerpunkten des Instituts für Zeitgeschichte verankert und pflegen enge fakultäre und überfakultäre Kooperationen insbesondere mit dem Institut für Geschichte sowie dem Institut für Philosophie und dem Institut Wiener Kreis, das im Mai 2011 in ein Subeinheit der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft überführt wurde. Die beiden Teilbereiche engagieren sich besonders in drei postgraduierten Studiengängen: dem FWF-Doktoratskolleg „The Sciences in Historical, Philosophical and Cultural Contexts“, dem interdisziplinären Master “Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte” und dem Joint Degree-Programm “MATILDA European Master in Women´s and Gender History“.

aktualisiert am 15.9.2012