Die „Österreichische Legion“ in den Jahren 1933 – 1938

  • Projektleiter: Prof. Mag. Dr. Anton Staudinger
  • Mitarbeiter: Dr. Hans Schafranek
  • Finanziert durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.
  • Abgeschlossen 1998

Projektbeschreibung

Mit dem Verbot der NSDAP in Österreich (Juni 1933) setzte eine Fluchtelle von NS-Anhänger ein, deren militanter Kern sich – in verschiedenen Lagern Bayerns ausgebildet – zur „Österreichischen Legion“ formiert. Die wissenschaftlich noch kaum erforschte Geschicte dieser überwiegend aus SA-Mitgliedern bestehenden Söldnertruppe – zeitweilig 10.000 Mann – soll im übergeordneten Kontext der deutsch-österreichischen Beziehungen nach 1933 untersucht werden, stellten doch die gegen Österreich gerichteten, detailliert zu erforschenden Aktivitäten der „Legion“ einen beständig innen- wie außenpolitischen Unruhefaktor dar. Gleichermaßen agierte die „Österreichische Legion“ besonders in den Jahren 1933/34 im Spannungsfeld rivalisierender Parteiinstanzen und staatlicher Behörden (bayrische Landespolitik versus Richsbehörden; Konflikte zwischen SA und SS; politische Gegensätze und Rivalitäten zwischen Landesleitung der österr. NSDAP und SA …).

Fragestellungen: Organisierung von Fluchtwegen nach Bayern; organisatorische Binnenstruktur und militärische Ausbildung in Lechfeld und anderen Lagern; Darstellung der legionsinternen konfliktpotentiale und des breiten Spektrums von Disziplinierungs- und Repressionsmaßnahmen gegenüber unbotmäßigen Legionsangehörigen bzw. vermeintlichen „Verrätern“; Unterstützung bayrischer SA-Einheiten bei terroristischen „Strafexpeditionen“, Finanzierung der „Legion“; Schmuggel von NS-Propagandamaterial, Waffen und Sprengstoff über die österr. Grenze; Grenzzwischenfälle und sonstige bewaffnete Auseinandersetzungen; politische Auswirkungen des 30.6.1934 bzw. 25.7.1934 auf die „Legion.

Zweitens soll der Funktionswandel durch die 1935 erfolgte Umbildung der „Legion“ zum „Hilfswerk Nordwest“ untersucht werden, sowie deren Rolle nach dem „Anschluß“ 1938.

Zudem Analyse und Darstellung sozialgeschichtlicher Aspekte: Motive für die Flucht nach Deutschland und den Eintritt in die „Legion“; soziale Zusammensetzung, Altersstruktur, regionale Herkunft; politische Sozialisation in unterschiedlichen Gruppierungen des rechtsextremen Spektrums.