Update! Perspektiven der Zeitgeschichte

Durch den im Zweijahresabstand abgehaltenen „Österreichischen Zeitgeschichtetag“ (ZGT) soll der zeitgeschichtliche und interdisziplinäre Austausch in Forschung und Vermittlung intensiviert werden. Darüber hinaus dient der ZGT schwerpunktmäßig sowohl der internationalen Vernetzung der österreichischen Geschichtswissenschaft als auch der Nachwuchsförderung. Besonders für junge WissenschafterInnen stellt der ZGT ein wichtiges Forum dar, eigene Arbeiten zu präsentieren sowie theoretische, methodische und praktische Aspekte der eigenen Wissenschaft zu diskutieren. Die Zeitgeschichtetage 2010 haben sich außerdem einer Horizonterweiterung verschrieben, indem eine Interaktion mit KünstlerInnen angestrebt wird.

Während die vorangegangenen Symposien meist einer historischen Periode bzw. einem historiografischen Problem gewidmet waren, soll diesmal thematisch die zeitgeschichtliche Wissenschaft selbst im Zentrum der Betrachtung stehen. Welche zeitlichen und geografischen Räume finden weshalb große Beachtung, während andere nahezu unbearbeitet sind? Welchen Eingang haben neue Ansätze wie der Visual Turn in die österreichische Zeitgeschichte bisher gefunden? Von großer Bedeutung sind derzeit unbestritten kulturwissenschaftliche Perspektiven, wo bleiben angesichts dessen politische und ökonomische Aspekte? Wie ist erklärbar, dass noch immer nationale inhaltliche Themenstränge die internationalen Vergleiche dominieren und Transferbedingungen trotz methodischer Innovationen kaum analysiert werden? Und: Welche Rolle spielt die zeitgeschichtliche Forschung in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext? Diesen Fragen soll im Rahmen der  Zeitgeschichtetage 2010 nachgegangen werden. Vom bisher üblichen Charakter einer Leistungsschau des zeitgeschichtlichen Wissenschaftsbetriebes soll dabei nicht grundsätzlich abgegangen werden, sondern diese thematisch um die Leitfragen des Kongresses gruppiert werden. Um den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs in der Öffentlichkeit übersetzen und kommunizieren zu können, werden ausgewählte KünstlerInnen in den Räumen bzw. Innenhöfen des AAKH-Campus Kunstwerke und Videoinstallationen, die sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzen, präsentieren.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Versuch, jüngere KollegInnen aktiv einzubinden und ihre institutionelle Vernetzung zu fördern, sowie auch auf dem Bestreben, den österreichischen Wissenschaftsbetrieb aktiver in Beziehung zum europäischen und hier besonders zum osteuropäischen Forschungszusammenhang zu setzen. Die Einreichung wird zu diesem Zweck erstmals an gewisse Einschränkungen und Auflagen geknüpft: Es sollen nicht mehr als zwei ForscherInnen pro teilnehmendem Panel derselben Institution entstammen. Stärker berücksichtigt werden zudem Einreichungen, die dem Erfordernis eines gendersensiblen Umgangs sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der personellen Zusammensetzung Rechnung tragen.