Traude Kogoj, Diversity-Beauftragte der ÖBB, erhielt am 8. Oktober 2018 den Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt, der seit 1991 vom Frauenministerium vergeben wird. Das Preisgeld spendete die studierte und selbst in diesen Feldern publizierende Politikwissenschaftlerin und Historikerin der Zeitschrift "L'Homme. Z.F.G.", deren langjährige Förderung vom Frauenministerium 2018 eingestellt worden war. Die Spende wurde im Rahmen einer Feier von der geschäftsführenden Herausgeberin Christa Hämmerle, verbunden mit großem Dank, entgegengenommen.



Foto: Traude Kogoj und Christa Hämmerle © Peter Kogoj


Zu Traude Kogoj
Seit 2012 ist Dr. Traude Kogoj Diversity-Beauftragte der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen). Sie leitet dort unter anderem das Geschichtsprojekt "Verdrängte Jahre", das sich mit der Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte zwischen 1938 und 1945 beschäftigt. Mit dem Käthe-Leichter-Staatspreis ausgezeichnet wurde sie für ihre wissenschaftliche Arbeit insbesondere im Bereich Partizipation und Geschlechterkonstruktion im Internet, Digitalisierung aus genderspezifischer Perspektive und ihre populärwissenschaftlichen Bücher.

Infos zur Ausstellung "Verdrängte Jahre. Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945"

Zum Käthe-Leichter-Preis
Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt wird seit 1991 für hervorragende Leistungen um die Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften wie auch um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit verliehen. Die Nominierung sowie die Wahl der Preisträgerinnen erfolgen durch eine unabhängige Jury.

Mit dem Preis für das Lebenswerk wurde heuer die renommierte Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak ausgezeichnet. Neben Traude Kogoj erhielt Andrea Bramberger den zweiten, durch die Frauenministerin verliehenen Käthe-Leichter-Staatspreis.

Weitere Käthe Leichter-Preise wurden vergeben vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (an die Sozialwissenschaftlerin Kerstin Witt-Löw), vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (an Renate Ortlieb, Institut für Personalpolitik, Uni Graz), von der Arbeiterkammer (an Alyssa Schneebaum, WU Wien) und von der Oesterreichischen Nationalbank (an Gitti Vasicek, Professorin an der Kunstuniversität Linz).


Foto: Die Käthe-Leichter-Preisträgerinnen 2018 © Regina Aigner, BKA


Der Preis ist benannt nach der Sozialistin und Ökonomin Käthe Leichter (1895–1942), der ersten Leiterin des 1925 gegründeten Frauenreferats der Arbeiterkammer Wien. Sie gilt als erste Sozialwissenschaftlerin und als eine der wichtigsten Pionierinnen auf dem Feld der Frauenforschung. Leichter verfasste in der Zwischenkriegszeit zahlreiche Studien zur Situation von arbeitenden Frauen, etwa zur Lage der Hausgehilfinnen oder der Heim- und Industriearbeiterinnen. 1939 wurde sie ins KZ Ravensbrück deportiert und 1942 ermordet.

Die Historikerin Jill Lewis gibt in einem "L'Homme"-Artikel anlässlich des 90-jährigen Jubiläums einen Überblick über die Gründung des Frauenreferats der AK Wien: "Mobilising Working Women in Red Vienna: Käthe Leichter and the Vienna Arbeiterkammer", in: L'Homme. Z.F.G., Heft 2 (2015)