Margareth Lanzinger u. Raffaela Sarti: Die Erfindung einer Heldin? Das "Mädchen von Spinges" Katharina Lanz – eine Symbolfigur aus den napoleonischen Kriegen

Überliefert ist die Geschichte einer Bauernmagd, die in der Schlacht von Spinges (Südtirol) am 2. April des Jahres 1797 mit einer Heugabel bewaffnet Franzosen von der Friedhofsmauer aus abgewehrt haben soll. Bis heute ist der Ruhm dieser Figur im regionalen Umfeld nicht vergessen, obwohl ihre Existenz nicht als gesichert angesehen werden kann. So zielt die zent-rale Frage dieses Bandes darauf, unter welchen Voraussetzungen, in welchen historisch-kulturellen Kontexten das „Mädchen von Spinges“ zur Heldin wurde und unter welchen Be-dingungen sich sie sich in der Memoria über Jahrzehnte und Jahrhunderte verstetigen konnte. Die erinnerungskulturellen Spuren führen über Religion und damit verknüpft über Nation sowie über bestimmte weibliche Rollenzuschreibungen und Topoi. Das Verteidigen der Kirche und des Allerheiligsten vor dem ‚gottlosen Feind‘ bildete einen Hauptstrang in der Rezep-tionsgeschichte. Diese wurde zugleich, insbesondere im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, national aufgeladen. Die Heldinnenfigur fungierte aber auch in der Nach-kriegszeit und bis in die Gegenwart als Projektionsfläche.

L’HOMME Schriften, voraussichtlich Bd. 21, erscheint voraussichtlich 2014 bei Böhlau Wien.