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Archive for the 'Edition_1. Weltkrieg in Selbstzeugnissen' Category

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 70, Postkarte von H. G. an Anna Reichel aus Chicago, 29. März 1916

Dienstag, März 29th, 2016

NL 38 1916 USAAuf einer Postkarte berichtete ein unbekannter USA-Auswanderer an die Eisenwaren-Händlerin Anna Reichel (geb. 1868) von der für ihn schwierigen aktuellen Situation deutschsprachiger Migrant/innen in Chicago. Diese verschlechterte sich dann mit Kriegseintritt der USA im April 1917 zu einer deutlich anti-deutschen Haltung.

29. März 1916, Chicago

Sehr gee[h]rte Frau Reichel.
Erlaube mir Ihnen eine Karte zusenden. Es geht mir nicht besonders, und alle Österreicher, und Deutsche werden hi[e]r behandelt wie Gefangene […]. Traurig. Das ganze Amerika, wird, wenn es so fort geht, bald am Hund sein. Mit herzlichem Gruß H. G.

Sammlung Frauennachlässe NL 38

Nächster Eintrag aus dem Nachlass der Familie Reichel am 7. April 1916
Voriger Eintrag aus dem Nachlass der Familie Reichel am 1. Februar 1916 (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 69: ‚Müttertagebuch‘ von Maria E. für ihren 1914 geborenen Sohn „Nusserl“, 28. März 1916, Steiermark

Montag, März 28th, 2016

NL 174 Handschrift Maria EDie Steirerin Maria E. (geb. 1890) war mit einem Juristen verheiratet. 1913 wurde ihr erster Sohn Heribert geboren, 1914 der zweite „Nusserl“, 1915 die Tochter Hedwig. Ihre Ehemann war seit Frühling 1915 zum Kriegsdienst eingezogen. Zu Ostern 1916 wollte sie ihm eine Fotografie der Kinder senden. In dem Müttertagebuch für „Nusserl“ berichtet sie von den Herausforderungen im Fotostudio mit den kleinen Kindern.

März [1916]: Ich lasse die Buben photographieren, um Adolf [dem Ehemann] damit eine Osterüberraschung zu bereiten. Mutter begleitet mich zum P., der des schlimmen Nusserls wegen 8 [Film]Platten braucht. Heribert läuft einfach immer davon und will sehen, was hinter dem schwarzen Tuch steht. Er ist weder zum Sitzen, noch zum ruhig Stehen zu bewegen. Erst als er ein weißes Hunderl in die Hand bekommt, gibt er einen Augenblick Ruh. (Heribert hat zum ersten Male ein Hosenrockerl an).

Sammlung Frauennachlässe NL 174
Nächster Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. am 10. Dezember 2016
Voriger Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. am 26. März 2015 (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 68: Feldpostschreiben von Richard Pöhn an die Mutter und den Bruder in Wien, 29. Februar bis 7. Mai 1916 von unbestimmten Orten in Südtirol

Montag, Februar 29th, 2016

1916 02 29Richard Pöhn war seit Spätsommer 1915 als Mannschaftssoldat an der Frontlinie in Südtirol eingesetzt. Im Jänner 1916 hat er dabei auf einer Feldpostkarte Innichen/San Candido und Bruneck/Brunico als Aufenthaltsorte genannt. Wahrscheinlich ähnliche Angaben wurden auf seiner Postkarte vom 29. Februar 1916 zensuriert. Während von seiner Korrespondenz mit der Mutter und den Geschwistern aus 1915 fast 100 Schreiben vorliegen, sind aus 1916 nur vereinzelte Poststücke erhalten. In einer dieser insgesamt sechs Karten tauscht der 24jährige sich mit seinem Bruder über ihre gemeinsamen Sportinteressen aus.

29./2. 1916
Liebe Mama!
Bin gestern abens zu meinem Zug eingerückt, er ist xxxx jetzt auch in Reserve xxxx xxxx war früher in Stellung, da aber an xxxx gekommen ist und xxxx wurde so ist unser xxxx. Hier geht es mir nicht so gut als die 10 Tage bei meinem Eintreffen von Urlaube in der Reserfe von meiner Comp. Haben die Nacht Ruhe aber bei Tag müßen wir arbeiten, vor und Nachmittag Holztragen und in Laufgraben arbeiten. Addy hat mich schlecht verstanden: L. und Zugsführer und ich spielten Karten. Vielen dank für euere Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Viele herzliche Grüße und Küsse von deinem Sohn Richard
Grüße an alle.

4.3.1916
Liebe Mama!
Wie ich dir schon mitteilte sind wir in Mezeurona [?] Südtirol in einem Hotel einquartiert. Hier gibt es einen Wein wie ich noch keinen getrunken. Auch ist es schon sehr warm. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 67, Liebesgaben-/Feldpostkarten von Emanuel B. an die Volksschülerin Ella Reichel, 1. Februar bis 29. April 1916, von unbestimmten Orten an der “Ostfront”

Montag, Februar 1st, 2016

NL 38 Emanuel Binder 1916 02 01Die Familie der 10jährigen Ella Reichel (geb. 1905) wohnte am Hauptplatz von Neulengbach. Seit April 1915 korrespondierte sie mit dem Soldaten Emanuel B. Der Kontakt war über eine Liebesgabenaktion ihrer Volksschule hergestellt worden. Darin können z.B. die Beförderungen des jungen Mannes innerhalb des Militärs nachvollzogen werden, der sich seit Jänner 1916 als Leutnant unterschrieb, aber auch Konventionen in der Korrespondenz-Kultur wie gegenseitige Glückwünsche zu Namens- oder Feiertagen, das Austauschen von Fotografien sowie von Grüßen an die Eltern, und es wird auch immer wieder der Zeitaufwand angesprochen, der an das regelmäßige Korrespondieren geknüpft war.

Feldpostkarte, 1. Februar 1916

1/II. 916.
Liebe kleine Ella!
Ich danke dir recht herzlichst für Deine l. Karten, und ich habe doch nicht gesagt, daß du das Lernen bevorzugst. Doch will ich nur du sollst dich nicht mit einem anderen Schreiben beschäftigen wenn du lernst. Grüße mir recht herzlichst deine liebe Mama Wie geht es dir? Sei recht herzlichst gegrüßt von deinem B.Lt.

Feldpostkarte, 9. Februar 1916

9/II. 916.
Herzliche Gratulation zum Namenstag von deinem B.Lt.

Brief mit Kuvert (Poststempel 14.029.1916, Kattowitz), 14. Februar 1916

14/II. 916.
Liebe kleine Ella!
Ich danke herzlichst, für deinen Brief und den lieben Blumen. Ebenso bedanke ich mich auch bei deiner lieben Mama für Ihre lieben Zeilen. Du sagst warum ich dir keine Photographie geschickt habe, kleine Ella du mußt mir halt verzeihen, denn ich war in dem Glauben dir eine geschikt habe. Also bei euch blühen schon die Blumen, na bei uns wird es schon noch ein wenig dauern. Wann ichs wohl schreiben kann, der Frieden ist da, daß weiß wohl nur der l. Gott. Na hoffentlich wird es ja nicht mehr so lange dauern, wie bis zum heutigen Tag. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 66: Tagebuch von Augusta S., 12. Jänner 1916, Altlengbach

Sonntag, Januar 24th, 2016

NL 97 Schanda 1916 01Augusta Carolina S. (geb. 1877) führte einen Laden in Altlengbach im Wienerwald. Ihr Ehemann Franz S. („Papi“) war nach einer Erkrankung während des Frontdienstes in „Russland“ und einem längerem Krankenhaus-Aufenthalt bei der Wasserleitungs-Bewachung in Ort eingesetzt worden. Nach den größeren zwei Buben war im Herbst 1915 auch Augusta S.s Tochter Guggi eingeschult worden. In einer Anekdote über die jüngste Fränzi (geb. 1915) kommt zum Ausdruck, wie auch kleine Kinder das Thema „Krieg“ mitgehört und rezipiert haben.

Am 12. Jänner 1916
besuchte ich [meinen] Vater in Enns. Er sieht nicht gut aus; sein Gesicht ist bleich, gelblich, fahl; Die Hände und Gesicht welk. Vater war in Linz im Krankenhaus, er sollte sich einer Operation unterziehen; […] Vater ist gedrückt er tut mir so leid. Wieder lamentierte er, daß er sich nicht wohl fühle in seiner Umgebung; er meinte auch wir sollten Altlengbach aufgeben u. nach Enns [wo die Herkunftsfamilie der Schreiberin ein Unternehmen führte] ziehen; ich konnte nicht gleich „ja“ sagen weil es mir unwahrscheinlich schien daß Franz [der Ehemann] zustimmen werde, hat er doch dort die ganze Wildnis in Ordnung gebracht im ganzen Haus, Garten u. Grundstücken. Ich gehe mit schweren Herzen von Vater, im Gefühl: „Wer weiß ob ich dich wiederfinde.“ u. „wie“ … blick‘ ich nochmal zurück .….

Papi Franz stimmt nicht zu! – es kämpft in mir. Die Kinder! ja die Kinder! Guggi  die ja nun auch schon in die Schule geht, erzählt mir: „Mami denk‘ dir, ich bin gestern im Unterrockerl in die Schule gelaufen.“ Geh‘ wie ist das möglich? ja ich hab‘ mich verschlafen wie du nicht da warst, u. mußte mich sehr tummeln, da hab‘ ich in Eile die Hängerschürze genommen u. ganz auf’s Kleiderl vergessen. – So schön! ist auch wieder gut wenn man nicht alle Tag‘ fort ist. – Geschehen ist geschehen es läßt sich nimmer ändern. Guggi macht mir oft heimlich Sorgen, weil sie ja wenig Appetit hat. –

1916 Fränzi hört natürlich viel über den Krieg sprechen nach Beendigung solcher Debatten sagte sie neulich in kindlicher Zusammensetzung: „Russen, gegen Deutschland müss’n alles in der Bratz’n ham!“ Wo sie das Wort aufgefangen hat weiß ich nicht. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 65: Tagebuch von Bernhardine Alma, 19. bis 24. Jänner 1916, Wien

Dienstag, Januar 19th, 2016

1916-01-19Bernhardine Alma (geb. 1895) war in einem gutbürgerlichen Wiener Umfeld aufgewachsen. Die große Wohnung, wo sie mit den Eltern, den drei Geschwistern und dem Hauspersonal lebte, lag an der zeitgenössich noblen Adresse Weißgerberlände im dritten Gemeindebezirk. Sie hatte keine weiterführende Bildung erhalten, veröffentlichte aber in verschiedenen Zeitschriften kurze literarische Texte. Seit 1915 war sie in der freiwilligen, unbezahlten Kriegshilfe tätig, wo sie den Offizier Jaro G. kennengelernt hatte, der sich zur Genesung in einem Wiener Spital aufhielt. Im Jänner 1915 übernahm sie dabei eine interimistische Leiterinnenposition.

19. Jänner 1916 abends.
Von meinem Jaro habe ich nichts bekommen, ich hätte auch so nicht zu ihm gehen können. Aber ich bin seinetwegen doch ruhig – und hab ihn noch immer lieb. Ich werde jetzt eben warten, was er schreiben oder tun wird. Im Notfall wird eben nichts daraus. Mein Theater [der Wunsch, Schauspielerin zu werden] wäre mir ja noch lieber! Wirklich! Heute gab ich eine Korrespondenzkarte mit Antwortkarte ans Wr. Journal um die Adresse vom Dr Arthur S. und Carl S. auf. Wann ich Antwort haben werde? – Als ich Nachmittags Leintuch flickte, kam auf einmal die Fr. v. P. [die Vorgesetzte im Rot-Kreuz-Dienst] – sie hat gestern abends die Todesnachricht ihrer Schwester bekommen. – Sie fährt nach Deutschland, ich müsse mit ihr ins R.K. [Rote Kreuz] kommen. Das war mein freier Mittwoch! – Dort sagte sie mir noch alles, was zu tun sei und dann ging sie zum Hr H. und dann fort. Sie tat mir sehr leid. Der Hr. H. kam dann her, sagte, daß ich die Fr. v. P. vertrete, sie kommt in 5-6 Wochen wieder, bis dahin könne der Krieg aus sein. – Die Damen waren sehr nett zu mir. Ich bin also jetzt Vorstandsdame-Stellvertreterin, worüber Ma sich sehr freute. Aber es ist viel Arbeit. Dafür habe ich viele Damen unter mir. Dir Frl. P. war sehr lieb. Was sein wird, bis die Fr. v. P. wieder kommt? Was wird bis dahin geschehen sein? Gott wird mir helfen! In Jettchen Gebert [Roman von Georg Hermann, erschienen 1907] kommt vor: „Und alles kam, wie es kommen mußte, kam, wie es kommen mußte!“ (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 64: Tagebuch von Bernhardine Alma, 2. und 3. Jänner 1916, Wien

Samstag, Januar 2nd, 2016

1916-01-02Bernhardine Alma (geb. 1895) berichtete in ihren seit 1908 ausführlich geführten Tagebüchern u.a. von ihren regelmäßigen Besuchen der Beichte in verschiedenen katholischen Kirchen in Wien. Seit einigen Monaten war sie im freiwilligen Kriegshilfsdienst tätig. Sie erledigte dabei mehrmals in der Woche Schreibarbeiten und besuchte verwundete Soldaten in verschiedenen Spitälern. Im November 1915 war sie dafür mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Ihrer Formulierung nach hat sie auch ihre beiden älteren Schwestern Cora (geb. 1890) und Sigrid (geb. 1891) „moralisch dazu [gezwungen]“.

2. Jänner 1916. abends. Sonntag
Heute war ich bei der hl. Beichte und Communion. Ich beichtete bei meinem U., der etwas streng, aber sehr herzig war. Ich gehe Donnerstag hoffentlich wieder zu ihm. Die hl. Communion empfing ich vom P[ater] S. Ich tu das so sehr gern. – Heute war die Lisy da. Sie ist ein ganz liebes Mädel. Ich bekam heute einen Kartenbrief von meinem Jaro [eine Bekanntschaft von den Spitals-Besuchen, der ihr eine Liebeserklärung gemacht hatte]. Er dankte für meine Zeilen, würde sich freuen, wenn er wieder einmal das Glück hätte, mit mir zu plaudern, fühlt sich verlassen. Ich soll ihm bringen, was mir gefällt, auch Dreizehnlinden [1878 erschienenes Historienepos von Friedrich W. Weber]. Er ließ der Mama die Hand küssen und unterschrieb sich schon Leutnant. Ich glaube, meine Gratulation hatte er noch nicht bekommen. Was das Jahr bringen wird? Ins Spital ging Sigrid mit mir, ich mußte sie moralisch dazu zwingen, aber dann gefiel es ihr doch. Der eine Rumäne liegt noch immer so. Der andere hat so ein liebes Gesicht, das ich streichelte. Der mit dem durchgeschossenen Gesicht hat mir für den nächsten Sonntag eine Fotografie versprochen und zwar sehr gerne. Die eine Schwester bedauerte so, daß ich bei der Weihnachtsbescherung nicht dabei gewesen. Ich habe der Tante Lilly eine Karte geschrieben. Wann der Fritz kommen oder schreiben wird? Papa ist sehr nett zu mir. Alles wird so teuer! – Wenn der Krieg nur schon aus wäre! – (mehr …)