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Archive for the 'Edition_1. Weltkrieg in Selbstzeugnissen' Category

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 37: Tagebuch von Julie Söllner, 8. April 1915, Wien

Mittwoch, April 8th, 2015

NL 52 Tagebuch Julie Soellner 1915 04 08Julie Söllner (geb. 1874) lebte in gut situierten bürgerlichen Verhältnissen in Wien. Sie war mit einem Rechtsanwalt verheiratet und Mutter von drei Kindern. Das von ihr vorliegende Tagebuch umfasst drei Einträge von März und April 1915. Mit ihren Aufzeichnungen wollte die 40jährige die aktuelle Situation dokumentieren. Der erste, ausführliche Eintrag war hauptsächlich eine Retrospektive auf die vergangenen Monate. Im April 1915 berichtet Julie Söllner nun u.a. von Verteidigungs-Maßnahmen, die in der Stadt Wien getroffen worden sein sollen.

8/IV. Jetzt hört man wieder nur gutes von unseren Truppen in den Karpathen und dort müssen sie sich gelegentlich etwas zurückziehen. Ich selbst habe von den Verteidigungsmaßnahmen für Wien kaum etwas gesehen, da ich nicht aus der Stadt herauskomme, aber jeder erzählt von den Schützengräben, Stacheldrähten, Verbauen etc., die überall vorbereitet werden. Aber darum darf doch niemand von unseren Feinden oder auch sogenannten Verbündeten hierherkommen! Ich bin täglich meinem Schöpfer dankbar, daß Karl [der Sohn der Schreiberin] erst 12 Jahre alt ist, er wäre dabei mittun zu dürfen, aber ich wäre wirklich keine Heldenmutter.

Die große Zeit lastet auf allen wie ein Alb, man wäre so froh wieder in das eintönige Einerlei früherer Zeiten, wo einem die Nichtigkeiten des Lebens interessierten zurückzukehren. Wie sonderbar mutet es uns doch an, wenn Männer anfangen über die verschiedenen Mehl- und Brotsorten zu dozieren, jetzt ist Mais- oder Roggenbrot den meisten wichtiger als Schiller und Goethe. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 36: Tagebuch von Augusta S., 31. März und April 1915, Altlengbach

Dienstag, März 31st, 2015

NL 97 Schanda 1915 03 31Augusta Carolina S. (geb. 1877) war als Tochter eines Baumeisters in Enns in Oberösterreich aufgewachsen. Ihr Ehemann Franz S. („Papi“) stammte aus Baden bei Wien und war als Rechnungsführer bei einer Baufirma tätig gewesen. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs führten sie eine Gemischtwarenhandlung in Altlengbach im Wienerwald. Der Älteste ihrer drei Kinder war 1904 geboren worden, im Frühjahr 1915 stand die Geburt eines vierten Kindes unmittelbar bevor. Franz S. war im Frontdienst „in Russland“ krank geworden. Nach einem längerem Krankenhaus-Aufenthalt bemühte er sich um eine Position bei der Wasserleitungs-Wache in Altlengbach.

31./III. 1915 Mittwoch
Das Gesuch [von Jänner 1915, dass Franz S. zum Wasserleitungs-Dienst in der Heimatgemeinde eingesetzt wird] wird genehmigt und gerade als wir Papi benachrichtigen wollen daß das zu erwartende Kindchen kommen werde, kommt Mizzi [die jüngere Schwester der Schreiberin aus Enns] mit den Worten zu mir ins Zimmer – es ist nicht mehr nötig! „Franz ist schon selbst da!“ Wieder warst du gut! Mein Gott! – u. nochmal ein Warten in Hangen u. Bangen, u. Sorgen u. Mühen … abends um 9 Uhr 50 Minut. ist (in Todesnot) unsere kl. Fränzl, endlich da. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 35: Feldpostbrief der Steirerin Maria E. an den Ehemann, 26.03.1915, Wien

Donnerstag, März 26th, 2015

NL 174 Handschrift Maria EDie Steirerin Maria E. (geb. 1890) verbrachte wegen einer Operation ihres 1,5-jährigen Sohnes im Frühjahr 1915 längere Zeit in Wien. Von hier schrieb sie ihrem Ehemann Adolf E. den folgenden Brief. Er war vor wenigen Wochen in den Kriegsdienst eingezogen worden, und hielt sich zuerst noch in der Heimatstadt, dann bei Gorizia/Görz oder Gradiška/Gradiska auf. Maria E. berichtete ihm u.a. von der unterschiedlichen Versorgungslage in der Großstadt – und wies auch auf Durchhalteparolen in Zeitungen sowie eine kolportierte, bevorstehende Revolution hin. Ihre aktuelle, dritte Schwangerschaft wird in der Korrespondenz nicht thematisiert.

Wien, 26. März 1915.
Mein Adolf!
Eben erhielt ich Deinen Brief vom 24./III. Im Allgemeinen dauert es also 2 Tage, ehe mich ein Brief von [zu Hause in der Steiermark] erreicht. – Du erzählst mir von Dir Adolf und ich sehe, daß Du eigentlich gar nicht soviel Zeit übrig hast, als ich stets glaubte! So früh mußt Du aufstehen und ich könnte den ½ Vormittag hineinschlafen, wenn ich nicht immer schon um ½ 6h erwachen würde! Dann fange ich an zu denken an Dich und daheim, ans Ausziehen und die Zukunft, so daß ich nimmer einschlafen kann! Findest Du wohl Zeit, hin und wieder nach A.’s Wohnung zu sehen? Die Schlüssel findest Du so in Deiner Schreibtischlade.
Dem Kleinen [1,5jährigen Sohn] geht es gut; er fängt schon an etwas mehr zu plauschen (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 34: Korrespondenz von Christl Lang und Leopold Wolf, 21. März und 18. April 1915 aus Wien und Polen

Samstag, März 21st, 2015

NL14_1915_03_21Christine („Christl“) Lang (geb. 1891) arbeitete im Hut-Salon ihrer gut situierten Adoptiveltern in Wien. Sie war mit dem Architekten Leopold („Olly“) Wolf (geb. 1891) verlobt, der Anfang 1915 als Reserveoffizier der Artillerie in Polen stationiert war. Im folgenden Brief reagierte Leopold Wolf sehr vehement auf die offenbar erhaltenen Beanstandungen seiner Braut – sowie seiner Eltern -, er würde zu selten schreiben und auch betreffend der Inhalte seiner Briefe (die von Zensur und Kriegsbedingungen bestimmt waren). Solche Themen wurden in Feldpost häufig verhandelt und haben Unsicherheiten und Konflikte evoziert. Deutlich wird an der Korrespondenz des Paares zudem, dass – wegen der langen Beförderungszeiten – eine gegenseitig bezugnehmende Brief-Kommunikation unmöglich war.

Brief von Leopold Wolf an die Verlobte Christl Lang

21.III.15.
Liebste Christl!
Ich schreib Dir heute schon den zweiten Brief, denn der erste geht nicht ab, da er sicher nicht zu den schönsten gehört hätte, die ich Dir geschrieben. Dein letzter Brief hat mir – nun sagen wir: gar keine Freude gemacht. Ich schäme mich heut, wie garstig ich heut die Zeilen aufgenommen denn ich war nicht wenig erregt, und wollte –. Ich beherrschte mich aber, etwas Unwürdiges zu tun, und will nun diese Gedankensünden dadurch sühnen indem ich sie Dir gestehe. – Gestern habe ich eine Karte an Dich und Mama abgesendet, aus der Du siehst daß ich auf eine Unmenge Post ein Monat lang warten mußte. Wenn auch hier der Grund bekannt ist, warum sie solang nicht kam, weißt Du natürlich nicht weshalb solange keine Post an Deine Adresse gelangte. Aber auf alle Fälle werde ich verurteilt! Wenn es Euch Friedensleutchen wirklich nur (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 33: Tagebuch von Julie Söllner, 18. März 1915, Wien

Mittwoch, März 18th, 2015

NL 52 Tagebuch Julie Soellner 1915 03 18Die Wienerin Julie Söllner (geb. Karplus, geb. 1874) hatte die Ausbildung zur Lehrerin absolviert. Sie war mit einem Rechtsanwalt verheiratet hatte drei Kinder. Im März 1915 vermerkte sie, das „Bedürfnis“ zu haben, Aufzeichnungen über die aktuelle „entsetzliche Zeit“ zu machen. Die Erinnerungen wurden an nur drei Tagen im März und April 1915 verfasst und enthalten neben der Schilderng der aktuellen Lebensverhältnisse in der bürgerlichen Wiener Umgebung der Schreiberin auch kommentierte, retrospektive Passagen auf die politischen und kriegerischen Ereignisse seit Sommer 1914.

18. März 1915
Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Bedürfnis mir selbst eine Erinnerung an unsere große, an unsere merkwürdige, an unsere entsetzliche Zeit zu schaffen. Ich war eben 40 Jahre alt geworden und trotz aller Wirren, trotz des ewigen Wetterleuchtens an unserem politischen Himmels, ja selbst nach der Ermordung unseres Thronfolgers – er hatte, aber auch den Herzen der meisten seiner künftigen Unterthanen sehr fern gestanden – dachte ich nicht im entferntesten daran, daß Krieg sein könne. Ja, den Balkankrieg mit allen seinen Auswüchsen hatten wir ja erst erlebt, aber bei uns konnte doch nicht Krieg sein; mir wäre es ja vom Herzen recht gewesen, wenn wir die Serbenbande für ihre Frechheit, ihren Übermut und ihre Niedertracht in und anstatt ihres Landes „gezüchtigt“ hätten. So sollte es aber leider nicht kommen, das große Russland hat Parthei für Serbien genommen und da wir die unerträglichen politischen Zustände nicht mehr ertragen konnten (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 32: Tagebuch der Volksschülerin Ella Reichel, 8. März 1915, Neulengbach

Sonntag, März 8th, 2015

NL 38 Tagebuch Ella Reichel 1915 03 08Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Niederösterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung führten. Die jüngere Schwester Anna war 1909 geboren worden. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel Tagebuchaufzeichnungen parallel in verschiedenen Kalender- und Notizheftformaten. Im Frühjahr 1915 beschrieb die 10-Jährige darin retrospektiv die politischen Ereignisse seit Sommer 1914 – sowie ihre eigenen, dramatischen Erlebnisse.

Montag 8. III. 1915.
Nach bereits zwei Jahren werfe ich schnell wieder ein paar Zeilen hin. Die französischen Stunden haben aufgehört. 31. Juli 1914 war große Aufregung in Neulengbach, es kam nämlich ein Herr vom Kriegsministerium, der machte ein Zettel am Rathaus an, und darauf stand daß alle einrücken sollten. Jetzt hätte ich bald vergessen das am 28. Juni 1914 das Trohnfolgerpaar von einem Serben namens Prinzip in einem Auto in Sarajewo durch ein paar Revolfer Schüsse ermordet worden ist. Es wurde überall schwarz beflaggt, auch in Neulengbach. 18. Juni 1914 bekam ich Infektions-Lungenentzündung. Ich stand schon am Rande des Grabes. Herr Dkt. L. wußte nicht mehr was für ein Mittel er anwenden sollte. Sonntag wurden mir am Rücken 6 Egel angesetzt, sie sogen mir viel Blut aus. Mittwoch bis Donnerstag war die Krise. Nach zehn Tagen wurde ich schon wieder in den Garten getragen. Von nun an kam ich bereits alle Tage in den Garten hinab. 12. Juli fuhren wir zur Luftveränderung nach Maria-Taferl. Wir sollten 14 Tage ausbleiben doch am 14. Juli kamen mir schon wieder nachhause. Es freute mich nicht. Mutter [Anna Reichel, geb. 1868] und Luisl [das Dienstmädchen der Familie] mussten viel von meiner Grantigkeit ausstehen. Als wir zurückkammen war bald darauf die Mobielisierung. 1. August mußte mein lieber Vater einrücken. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 31: Tagebuch von Bernhardine Alma, 26. Februar 1915 bis 10. März 1915, Wien

Donnerstag, Februar 26th, 2015

NL 09 Alma Bernhardine 1915 02 26Nachdem sie sich mehrere Monate um eine Position im freiwilligen Kriegshilfsdienst bemüht hatte, erhielt die 20jährige Wiener Bürgerstochter Bernhardine Alma (geb. 1895) im Februar 1915 ihre erste Stelle. Ihre – unentgeltliche – Aufgabe war es, Listen mit Namen von gefangenen Soldaten abzuschreiben, wozu sie an fünf Nachmittagen in der Woche eingeteilt war.

26. II. 1915. Freitag, abends.
Mir ist nicht gut. (…) Heute bekam ich eine Karte von der Anmeldestelle des R.K., weshalb ich Nachmittags in die Tuchlauben 7 ging, mit Fritz u. Marius [dem kleinen Bruder, geb. 1902], die aber unten warteten. Der eine Herr, der mir schon damals dort auffiel u. G. oder S. heißt, war wieder da und ziemlich nett. Dann kam die Frl. v. B., die sehr liebenswürdig war. Sie ist nicht mehr jung, war aber mit mir sehr lieb. Sie führte mich in ihr Appartement, wobei sie mir den Vortritt ließ. Und gab mir eine Karte an den Sektionschef von H. als ich zusagte, bei der Gefangen-Korrespondenz helfen zu wollen. Sie ließ telefonieren, ob der Sektionschef zu sprechen sei, und ersuchte mich dann um diesbezügliche Nachricht. Ich ging also ins Rote Kreuz in der Landskrongasse 1, III Stock. Zwei Beamte sagten natürlich „Küßdiehand“ (ich glaube, alle beide) waren aber sonst sehr dummsinnig. Dann wurde ich zum Sektionschef geführt; dieser war überaus liebenswürdig, außer Mittwoch u. Sonntag gehe ich alle Nachmittage von 3–6 vorläufig hin; morgen fange ich an, er schien schon heute zu wollen; aber das ging noch nicht von mir aus. – Jetzt bin ich doch erst wieder zu dieser Gefangenen-Korrespondenz gekommen, aber (mehr …)