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Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 32: Tagebuch der Volksschülerin Ella Reichel, 8. März 1915, Neulengbach

NL 38 Tagebuch Ella Reichel 1915 03 08Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Niederösterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung führten. Die jüngere Schwester Anna war 1909 geboren worden. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel Tagebuchaufzeichnungen parallel in verschiedenen Kalender- und Notizheftformaten. Im Frühjahr 1915 beschrieb die 10-Jährige darin retrospektiv die politischen Ereignisse seit Sommer 1914 – sowie ihre eigenen, dramatischen Erlebnisse.

Montag 8. III. 1915.
Nach bereits zwei Jahren werfe ich schnell wieder ein paar Zeilen hin. Die französischen Stunden haben aufgehört. 31. Juli 1914 war große Aufregung in Neulengbach, es kam nämlich ein Herr vom Kriegsministerium, der machte ein Zettel am Rathaus an, und darauf stand daß alle einrücken sollten. Jetzt hätte ich bald vergessen das am 28. Juni 1914 das Trohnfolgerpaar von einem Serben namens Prinzip in einem Auto in Sarajewo durch ein paar Revolfer Schüsse ermordet worden ist. Es wurde überall schwarz beflaggt, auch in Neulengbach. 18. Juni 1914 bekam ich Infektions-Lungenentzündung. Ich stand schon am Rande des Grabes. Herr Dkt. L. wußte nicht mehr was für ein Mittel er anwenden sollte. Sonntag wurden mir am Rücken 6 Egel angesetzt, sie sogen mir viel Blut aus. Mittwoch bis Donnerstag war die Krise. Nach zehn Tagen wurde ich schon wieder in den Garten getragen. Von nun an kam ich bereits alle Tage in den Garten hinab. 12. Juli fuhren wir zur Luftveränderung nach Maria-Taferl. Wir sollten 14 Tage ausbleiben doch am 14. Juli kamen mir schon wieder nachhause. Es freute mich nicht. Mutter [Anna Reichel, geb. 1868] und Luisl [das Dienstmädchen der Familie] mussten viel von meiner Grantigkeit ausstehen. Als wir zurückkammen war bald darauf die Mobielisierung. 1. August mußte mein lieber Vater einrücken. Nach zehn Tagen kam er wieder zu hause. Jetz ist furchtbarer Krieg. Österreich, Deutschland und auch die Türkei helfen zusammen, sie müssen gegen viele Mächte kämpfen gegen: Rußland, Serbien, Frankreich, England und Belgien. Der Vater [Paul Reichel, geb. 1873] hatte im Februar 1915 Lungenentzündung. Jetzt hat er bis 7. April frei. Doch nun daß ich nicht mehr in die Schule bis 17. September gehe, daß ist daß allerallerschönste. Jetz aber genug, mir tut schon die Hand weh weil ich soviel geschrieben habe. Heute habe ich wiederum Klavierstunde gehabt, ich lerne nun beinahe ein Jahr Klavier. Jetzt ist es aber wirklich schon Zeit daß ich aufhöre den ich werde heute noch zu der L. Hilde, meiner Freundin gehen.

Sammlung Frauennachlässe NL 38
Nächster Eintrag aus dem Nachlass von Ella Reichel, die Liebesgaben-Korrespondenz mit Emanuel B., am 14. April 2015

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Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 32, Tagebuch von Ella Reichel, Datum, SFN NL 09, unter: URL

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