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Symposium: Performing Emotions. Zum Verhältnis von Politik und Emotion in der Frühen Neuzeit und in der Moderne, 23.-25.06.2011, Berlin

Internationales und interdisziplinäres Symposium, organisiert von Dr.in Claudia Jarzebowski und Prof.in Dr.in Anne Kwaschik

Zeit: 23.-25.Juni 2011
Ort FU Berlin
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Politik und Emotion werden im Fortschrittsdenken der westlichen Moderne als gegenläufig angesehen. Innerhalb des klassischen europäischen Dualismus von Rationalität und Emotionalität sind Emotionen zumeist als das Andere eines auf rationalen Entscheidungen basierenden Politischen beschrieben worden. Erst in jüngster Zeit sind ernsthafte theoretische Versuche zu beobachten, Emotionen als eine konstitutive Dimension menschlichen Seins und Handelns und damit auch der Politik analytisch und konzeptionell zu begreifen. Dabei stehen die Grundbegriffe theoretischen Denkens zu Diskussion, die Überwindung der auf Platon zurückgehenden Entgegensetzung von Rationalität und Leidenschaft, die strukturierend auch andere Begriffe – und grundsätzlich die Wahrnehmung von politischer Öffentlichkeit und die Beschreibung gesellschaftlicher Partizipation organisiert und Handlungsräume generiert. Mit dieser Entgegensetzung von Politik und Emotion ist eine weitreichende Dichotomisierung in der symbolischen und alltagsgebundenen Weltwahrnehmung verbunden, die die Bereiche Natur, Weiblichkeit, Innen/Privatheit, Emotion auf der einen Seite und Kultur, Männlichkeit, Außen/Öffentlichkeit, Rationalität auf der anderen Seite trennt. Im Ausgang von der kritischen Auseinandersetzung mit diesem Erbe der Aufklärung, das Pierre Bourdieu als di-vision du monde analysiert hat, soll das Symposium neue Perspektiven für die wissenschaftliche Konzeptionalisierung von Politik und Emotion entwickeln, innerhalb derer systematische Kategorien für eine vergleichende Geschichte erprobt werden können. Eine transepochale Historisierung scheint methodischer Hinsicht umso wichtiger als die auch in der Zeitgeschichte verwendeten und diskutierten theoretischen Konstrukte der Historischen Emotionenforschung, wie vor allem Barbara Rosenweins für das frühe Mittelalter entwickelte Konzept von den emotional communities (Barbara Rosenwein, 2002/2006) in ihrer Relevanz für die Analyse moderne Gesellschaften erst zu diskutieren wären. Für den Gegenstand des Symposiums, das Spannungs- und Bedingungsverhältnis von Politik und Emotion, bezeichnet das Jahr ‚1800’ nach wie vor eine klassisch zu nennende und selten übertretene zeitliche Grenze, vor allem in historiographischer Hinsicht (Reinhart Koselleck, 1987). Bis in die 1990er Jahre dominierten vor allem diejenigen Kulturtheorien, die die Zeit um 1800 als Epochengrenze, die die Moderne von vormodernen Epochen trenne, etablierten. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Zeit um 1800 allenfalls für die westliche Moderne einen derart einschneidenden Charakter besitzt und auch dieses wird zunehmend in dem Maße relativiert, in dem Epochengrenzen grundsätzlich an Bedeutung verlieren. An dieser Stelle will das Symposium ansetzen, um im Ergebnis der Diskussionen Kategorien einer transepochalen Perspektive für eine Historische Emotionenforschung zu entwickeln, die Politik und Emotion nicht von vornherein als einander strukturell ausschließende gesellschaftliche Bereiche sozialen Handelns und den flankierenden Diskursen festschreibt.
Das Symposium soll dieses Feld, das immer noch als „terra incognita“ gelten kann (Helena Flam, 2002), betreten, kartieren und vermessen. Damit verbunden sind drei grundlegende theoretische Anliegen. Erstens, die grundsätzliche Verständigung über die Historizität von Emotionen. Zu fragen wäre hier insbesondere nach Bedeutungsverschiebungen von Gefühlen für das politische Handeln und Denken in der Frühen Neuzeit und in der Moderne. In dieser vergleichenden Perspektive, die im Sinne Marc Blochs stärker auf die Genese der Unterschiede, denn die Beobachtung von Ähnlichkeiten fokussiert, wird das Epochenmodell angreifbar, das in der Historischen Emotionenforschung für die Zeit nach 1800 bestimmend ist. Zweitens, ist es das Ziel des Symposiums, zu einem neu konturierten und historischen Politikverständnis beizutragen, das Gefühle als konstitutive Dimension menschlichen Handelns in einer zeitlichen Perspektive beschreiben kann – im Ausgang von der Frage, inwiefern rationales Handeln auch emotionales Handeln sein kann. Und drittens, soll das Symposium mit den anvisierten Fragehorizonten einen Beitrag zur historischen Semantik der Emotionskategorien insgesamt auf dem Weg zu einem historisch fundierten multiperspektivischen Emotionsbegriff leisten. Die vorgeschlagenen Diskussionseinheiten aktualisieren Emotionen nicht nur als sozio-kulturelle Praktiken und folgen damit der Tendenz, die Unterscheidung zwischen einem angenommenen Gefühlskern im Inneren des Individuums und dessen „äußerer” Repräsentation aufzuheben. Gleichermaßen werden Emotionen auch als Handlungsmodelle verstanden, deren „veränderliche Konstellationen der Darstellung, Artikulation und Wahrnehmung” im Rahmen eines erweiterten Performativitätskonzepts historisch untersucht werden müssen.

Kontakt

Dr. Claudia Jarzebowski
FU Berlin
Friedrich-Meinecke-Institut
Koserstr. 20
14 195 Berlin
0049-30-8385 4513
claudia.jarzebowski@fu-berlin.de
www.fu-berlin.de/fmi

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