Virtuelle Ausstellung: Auflisten und Verrechnen in autobiografischen Dokumenten

Die Webausstellung wurde von Studierenden der Europäischen Ethnologie in Innsbruck und Wien im Wintersemester 2010/11 auf Basis von verschiedenen Beständen aus der Sammlung Frauennachlässe erarbeitet.

Auflisten und Verrechnen

Zwei Ebenen treffen aufeinander: zum einen das Auflisten als Technik, mit Welt ordnend umzugehen, die Welt und deren Kontingenz in ein eigenes Format und in eine eigene Ordnung zu bringen und anschaulich zu machen, zum anderen geht es um das Verrechnen als Einordnen und Belegen, auch als Akt der Abstraktion unter ein ökonomisches Prinzip. Ordnen und Verrechnen sind beides Kulturtechniken des Subjekts, hinter denen die Geschichte(n) und Kultur(en) von Kollektiven stehen.

Rechenhaftigkeit etwa ist das Merkmal kapitalistischer Gesellschaften. Bereits Kinder werden mit ökonomischen Prinzipien konfrontiert, müssen lernen zu rechnen und zu taxieren. Zeit ist Geld – Buch geführt wird auf beiden Ebenen. Der Weg zum Glück scheint in dieser Logik deckungsgleich mit dem Weg zu materiellem, bezifferbarem Reichtum. Dementsprechend fließen die Reflexion persönlichen Erlebens und das Abrechnen von Geldangelegenheiten oft ineinander. In Wirtschaftsbüchern werden nicht nur die täglichen Einkäufe und der Mietzins verzeichnet, sondern auch die erhaltenen Besuche, Geschenke oder die unternommenen Spaziergänge. Buch geführt wird nicht zuletzt über die sozialen Beziehungen, über das eigene Leben.

Ausstellungsflächen wurden anhand der folgenden Quellen erarbeitet:

 

Die Lehrveranstaltung

„Auflisten und Verrechnen. Recherchen zur Geschichte zweier Kulturtechniken“ fand parallel in Innsbruck und Wien unter der Leitung von Nikola Langreiter und Klara Löffler statt. Auf vorbereitende Termine in denen Fragestellungen, Begrifflichkeiten und Arbeitsmodelle entlang ausgewählter Lektüren erarbeitet wurden, folgte in beiden Gruppen Werkstattarbeit an den Quellen.

Am Ende des Semesters wurden in einem gemeinsamen Workshop die Ergebnisse der Innsbrucker und Wiener Gruppe präsentiert. Die Analysen und Interpretationen wurden vergleichend diskutiert, abweichende Ergebnisse einander gegenüber gestellt – was bei allen TeilnehmerInnen die Sensibilität für die Variabilität von Interpretationen und Zugängen erhöhte.

Die Veranstaltung wurde durch ein E-Learning-Projekt begleitet, das Michaela Rizzolli betreut hat. Das E-Portfoliosystem „Mahara“ wurde vor allem zur Forschungsdokumentation (Quellenarbeit, Literatur- und Feldnotizen), zur Dokumentation der Lernschritte sowie zur Vernetzung von zwei multilokalen Forschungsgruppen eingesetzt.