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Die Sammlung Frauennachlässe wurde 1990 von Edith Saurer gegründet. Geleitet von Christa Hämmerle ist sie seit 2013 fix am Institut für Geschichte der Universität Wien verankert.

Ziel ist es, auto/biografische Dokumente von Frauen, von Paaren, von Kindern und Verwandten, Freundinnen und Freunden der Frauen zu sammeln, systematisch zu ordnen, zu archivieren und für die wissenschaftliche Benutzung zugänglich zu machen.

Derzeit sind die Nachlässe oder Vorlässe von 412 Personen verzeichnet. Die Bestände sind teilweise sehr umfangreich und enthalten die verschiedensten Schriftstücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert wie etwa Tagebücher, kalendarische Notizen, Haushaltsbücher, Korrespondenzen, Fotografien, amtliche Dokumente, Schulhefte, literarische Manuskripte bis hin zu kleinen Erinnerungsgegenständen.

Der räumliche Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet des heutigen Österreich, ist aber nicht darauf beschränkt: Zahlreiche Dokumente wurden etwa in den Kronländern der ehemaligen Habsburgermonarchie verfasst, einzelne Bestände umspannen sogar mehrere Kontinente. Mehrere Nachlässe kommen auch aus Deutschland, je ein umfangreicher Bestand kommt aus den USA und aus Australien, ein weiterer beinhaltet Korrespondenzen aus dem KZ Theresienstadt/Terezín. Eine detaillierte Aufstellung der Bestände sehen sie hier ...

Eine Literaturdatenbank und die Zusammenstellung ausgewählter geschichts- und kulturwissenschaftlicher Publikationen zur feministischen Auto/Biographieforschung sowie von Editionen von Selbstzeugnissen von Frauen ergänzen das Angebot des Archivs.

Die Vernetzung mit ähnlichen europäischen Archiven ist ein ausgesprochenes Ziel der Sammlung Frauennachlässe.

Zum Team der Sammlung Frauennachlässe siehe Menüpunkt Kontakt bzw. Mitarbeiter/innen.

Anfänge

Die Idee zu einer Sammlung von Frauennachlässen entstand im Zuge der praktischen Erfahrungen bei der Quellensuche für die Ausstellung "Wer wählt, gewinnt? 70 Jahre Frauenwahlrecht" im Jahr 1989 (PDF, 120 KB). Wie in vielen anderen Frauenforschungsprojekten, wurde auch hier die oftmals schwere Zugänglichkeit von Dokumenten zu Alltags- und Lebensverhältnissen von Frauen evident.

Ein entsprechender Aufruf in der Zeitschrift "Vor-Magazin" führte zum Kontakt mit der Familie der 1884 geborenen Wiener Lehrerin, Schulrätin und Frauenrechtlerin Mathilde Hanzel-Hübner, die zahlreiche persönliche Dokumente und im Umfeld ihrer politischen Aktivitäten in der Frauen- und Friedensbewegung entstandene Texte hinterlassen hatte. Die Übernahme dieses umfangreichen Bestandes war der Anlass für die Gründung der Sammlung Frauennachlässe 1990.

Geschichte

Damit wurde ein erster Grundstock für eine Sammlung gelegt, die aktuell weit mehr als 300 verschiedene, teilweise sehr umfangreiche Nachlässe wie auch Vorlässe umfasst und laufend erweitert wird. Mittlerweile hat sich bestätigt, dass für die Frauen- und Geschlechtergeschichte relevante Quellen vorhanden sind und dass es auch im Interesse der Nachfahrinnen und Nachfahren liegt, wenn diese Materialien an einer zentralen Stelle dokumentiert, d.h aufbewahrt und für die Forschung zur Verfügung gestellt werden.

Der Kreis derjenigen Frauen, die im Laufe ihres Lebens Tagebuch schrieben, umfangreiche Korrespondenzen oder Haushaltsbücher führten, Gedichte verfassten und Familiengeschichten zusammenstellten, scheint überdies bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit größer gewesen zu sein als vielfach angenommen: Schreiben als soziale Praxis charakterisierte durchaus schon damals auch das Leben von Frauen aus bildungsferneren Umfeldern. Noch seltener als überlieferungswürdig erachtet als Nachlässe von Männern, die in keiner prominenten Öffentlichkeit standen, finden Selbstzeugnisse von Frauen allgemein jedoch kaum den Weg in Archive und werden selten systematisch erfasst und ausgewertet.

Mit dem primären Interesse an Nachlässen von Frauen, die nicht einer bestimmten Berufs- oder Personengruppe, einer politischen Bewegung oder Partei angehörten, ist die Sammlung Frauennachlässe im europäischen Raum einzigartig.

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Vernetzung und Mitgliedschaften

Die Sammlung Frauennachlässe ist

... Gründungsmitglied (2015) des European Diary Archives and Collections Network (EDAC)

... Mitglied von ida. Dachverband der deutschsprachigen Frauen- und Lesbenarchive

... Mitglied von frida. Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich. Seit 2017 bekleidet Li Gerhalter die Funktion der Obfrau von frida.

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Weiterführende Texte über die Arbeit, die Zielsetzungen und wissenschaftliche Verortung der Sammlung Frauennachlässe (Auswahl)

  • Li Gerhalter: Auf zur eigenen Dokumentation von Erinnerung! Feministische Archive für auto/biografische Dokumente als Schnittstellen von Erinnerungspolitiken und Forschung, in: Elke Krasny und Frauenmuseum Meran (Hg.innen): Women's:Museum Frauen:Museum. Curatorial Politics in feminism, education, history and art | Politiken des Kuratorischen in Feminismus, Bildung, Geschichte und Kunst, Wien 2013, S 285-295.  (PDF, 1,5 MB)

  • Li Gerhalter: "Quellen für die Frauen- und Geschlechtergeschichte haben wir auf jeden Fall benötigt": Die Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte, in: Hubert Szemethy u.a. (Hg.innen): Gelehrte Objekte? - Wege zum Wissen. Aus den Sammlungen der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Wien 2013, S 122-141.  (PDF, 1,3 MB)

  • Li Gerhalter: Sammlung Frauennachässe, in: Claudia Feigl (Hg.in): Schaukästen der Wissenschaft. Die Sammlungen an der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2012, S 53-55.  (PDF, 4,2 MB)

  • Translation in English: Li Gerhalter, The Collection of Women's Personal Papers, in: Claudia Feigl (Hg.in): Academic Showcases. The Collections at the University of Vienna, Wien/Köln/Weimar 2016, S 53-55.  (Scan: PDF, 258 KB)  (PDF, 63 KB)

  • Li Gerhalter: Decisions and Chances – the Winding Path of Women’s Personal Testimonies. The Collection of Women’s Estates / Sammlung Frauennachlässe, Vienna, in: Kristina Popova, Marijana Piskova, Margareth Lanzinger, Nikola Langreiter and Petar Vodenicharov (Hg.): Women and Minorities: Ways of Archiving, Blagoevgrad 2009, S 20-34.  (PDF, 19 KB)

  • Li Gerhalter: Geschichten und Voraussetzungen. Die Bestände der Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte der Universität Wien, in: Unsere Heimat 81 1/2010. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, S 27-41.  (PDF, 8 MB)

  • Christa Hämmerle: Fragmente aus vielen Leben. Ein Portrait der „Sammlung Frauennachlässe“ am Institut für Geschichte der Universität Wien, in: L'HOMME 2/2003.  (PDF, 55 KB)

  • Translation in English: Christa Hämmerle: Fragments of Many Lives. Portrait of the „Collection of Women's Estates" at the Department of History of the University of Vienna, in: L'HOMME 2/2003.  (PDF, 55 KB)

  • Christa Hämmerle: Nebenpfade? Populare Selbstzeugnisse des 19. und 20. Jahrhunderts in geschlechtervergleichender Perspektive, in: Thomas Winkelbauer, Hg., Vom Lebenslauf zur Biographie. Geschichte, Quellen und Probleme der historischen Biographik und Autobiographik (Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes 40), Horn/Waidhofen a.d.Thaya 2000, S 135-167.  (PDF, 11,4 MB)

  • Edith Saurer, Michaela Hafner und Li Gerhalter: The Research Platform “Repositioning of Women’s and Gender History” at the University of Vienna , auf: Genre&Histoire, 7/2010. (Online-Publication) Deutsche Übersetzung:  Die Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext  (PDF, 40 KB).

Alle Veröffentlichungen auf der Basis von Quellen aus der Sammlung Frauennachlässe finden Sie hier ...

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