Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Konkubinat
Definition:
Eine erlaubte, relativ permanente, nicht verheimlichte sexuelle Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau bzw. Frauen, mit welcher/welchen er nicht rechtmäßig verheiratet ist (siehe Ehe). Die von solchen Frauen geborenen Kinder haben oft keine Ansprüche auf den Status und das Eigentum des Vaters: Dies ist eine der wichtigsten Unterscheidungen zwischen dem Konkubinat und der Polygynie . Ein zweites Unterscheidungsmerkmal zwischen ehelicher Verbindung und Konkubinat besteht darin, daß letzteres ohne eine Heiratszeremonie (siehe auch: Hochzeit) zustande kommt und der Mann keine Ansprüche auf Ersatz oder Entschädigung im Falle einer Entführung oder Verführung der Konkubine erheben kann [Rattray 1927:94] .

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Anmerkungen:
  • Während Polygynie durch "offene" Verwandtschaftsgruppen, in welchen zusätzliche Familienmitglieder als eine Bereicherung angesehen werden, begünstigt wird, ist das Konkubinat mit "geschlossenen" Verwandtschaftsgruppen verbunden, die danach trachten, das vererbbare Eigentum auf einen begrenzten Personenkreis zu beschränken. Aus diesem Grund könnte das Konkubinat auch als eine Art Kompromiß zwischen der Monogamie und der Polygynie angesehen werden. Darüber hinaus ist es auch ein Mittel, den hohen Status und das Prestige einer herrschenden Elite in denjenigen Gesellschaften, in welchen diese Institution auf reiche und politisch mächtige soziale Schichten beschränkt ist, auszudrücken [Seymour-Smith 1987:50].

    In vielen Gesellschaften ist das Konkubinat eine eheähnliche und rechtmäßige Beziehung, die auf der Grundlage bestimmter, kulturspezifischer Kriterien von der "Ehe", d.h. den als höherwertig empfundenen Formen ehelicher Beziehung, unterschieden wird: So können z.B. die sozial angestrebten und hochgeschätzten hypogamen Beziehungen als "Ehe" den hypergamen Beziehungen, die als "Konkubinat" eingestuft werden, gegenübergestellt werden (siehe Beispiel: Lakher).

  • Aus der Tatsache, daß das Konkubinat immer in bezug auf die Ehe definiert wird, resultieren analog zum Begriff Ehe Schwierigkeiten in der universellen Anwendbarkeit dieses Begriffs. Daher sind die Grenzen zwischen Konkubinat einerseits und Polykoitie, Polygamie, nebenehelichen bzw. außerehelichen Beziehungen und Prostitution andererseits letztlich abhängig von der Ehedefinition. Grundsätzlich kann man zwischen einem Konkubinat, das eine eheliche Verbindung voraussetzt (eheliches Konkubinat), und einem solchen, das nicht mit einer Ehe in Verbindung steht (uneheliches Konkubinat), unterscheiden.

  • Im Gegensatz zu eurasischen Gesellschaften, wo das Konkubinat eine legale, der Ehe fast gleichwertige und sie ergänzende Institution repräsentierte und die Kinder dieser Verbindung als rechtmäßige Erben angesehen wurden, wurde das Konkubinat im christlichen Europa lange als "illegal" und die daraus hervorgegangenen Kinder als "illegitim" eingestuft. Das bedingte eine theoriegeschichtlich verhängnisvolle Gegenüberstellung von "Ehe" und "Konkubinat", die die zwischen diesen Institutionen bestehenden Zusammenhänge verdunkelte: Früher (im antiken Rom und Griechenland, im frühmittelalterlichen Mitteleuropa) bzw. im eurasischen Bereich und anderen außereuropäischen Regionen hatte die Verbindung mit der als "Konkubine" apostrophierten Partnerin, die zusätzlich zur Ehefrau und auf einer anderen Rechtsgrundlage als diese genommen worden war, einen rechtmäßigen Charakter. Es war also keine Frau, die nicht nach den gültigen Regeln geheiratet worden war: "Im alten Griechenland unterschieden sich Ehefrau und Konkubine im wesentlichen darin, daß die 'erstere über eine Mitgift verfügte und letztere nicht'. Der Status der Mutter ist nicht unbedingt ausschlaggebend für den Status, den ihre Kinder als Erben des Vaters innehaben. In spätrömischer Zeit waren Kinder aus solchen Verbindungen mit Sicherheit zum Erbe zugelassen; und im traditionellen China und alten Israel bestand ja gerade eine Funktion des Konkubinats darin, einen Erben zu zeugen, wenn die eigentliche und rechtmäßige Ehefrau, die mit einer Mitgift gekommen war, keinen zustande gebracht hatte. In dieser Hinsicht diente das Konkubinat einem ähnlichen Zweck wie die Polygynie in denjenigen Gesellschaften, in denen der Mann eine weitere Frau mit vollberechtigtem Status nehmen konnte, um einen Erben zu bekommen. Sobald es aber eine Mitgift gab, ging mit der Vielehe auch die Zuweisung von Besitz an Frauen - als Ehefrauen oder Töchter - einher, wodurch das Besitztum der ersten Frau geschmälert und ihre Position geschwächt werden konnte." [Jack Goody 1989:89f].
    # Durch von der Kirche eingeleitete Veränderungen wurde das parallel und komplementär zur Monogamie bestehende Konkubinat umgewandelt und die Privilegien der Konkubinen wie auch die ihrer Nachkommen sukzessive abgebaut. Im christlichen Europa des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit begünstigten Faktoren wie die kirchliche Behinderung der Scheidung, Polygynie und Priesterehe etc. das Konkubinat, das aber wegen des gegen das Konkubinat gerichteten Ausrottungsfeldzuges der katholischen Kirche seinen - im Gegensatz zu anderen Formen des Konkubinats auf dieser Welt - spezifischen Charakter als halboffizielle bis ganz verheimlichte sexuelle Beziehung entwickelte. Trotzdem überdauerte das Konkubinat gerade in den Reihen der Priester als Alternative zur rechtmäßigen, aber für diesen Personenkreis aufgrund des Zölibats verbotenen Ehe ("klerikales Konkubinat"). Am Ende dieser Entwicklung stand aber die Degradierung der Konkubine zur "Mätresse" und ihrer Kinder zu "Bastarden" [vgl. Jack Goody 1989:52, 54-58, 89-95, 208f].
Beispiel:Lakher (Assam/Nordost-Indien):

In dieser den Kachin Nord-Burmas nahe verwandte Ethnie, in der nur hypogame Verbindungen als eigentliche "Ehen" anerkannt werden, kann ein Mann Konkubinen (nongthang) aus einer niedrigeren sozialen Schicht haben ( = hypergame Verbindung ). Die eigentliche Ehe (nonghia) wird jedoch mit einer Frau geschlossen, die einen höheren Status als der Ehemann hat. Ein Mann kann daher jahrelang unverheiratet bleiben, bis er endlich eine passende Frau findet [Parry 1932:292, 311, 340]: "In the long run this discrimination has economic as well as snob value. The amount of a girl's brideprice varies according to the rank status of the patrilineage to which she belongs. If her father, her father's father, and her father's father's father have each in turn married women of higher class than themselves, then the girl may be able to claim a brideprice which is higher than that to which her patrilineage would otherwise be entitled." [Leach 1961:116]

Beispiel: Basongye (Basonge, Bala) von Belgisch Kongo.

Die Basongye verwenden denselben Terminus (EKUP, pl. MAKUPI), um die Konkubine und den Ehebruch zu kennzeichnen. Ein Mann kann sein ganzes Leben hindurch eine Konkubine haben: Die dieser Verbindung entstammenden Kinder werden als zur Familie der Mutter gehörig betrachtet, und das, obwohl man sagt, daß "wenn sie älter werden und ihnen bekannt wird, wer ihr Vater ist, sie sich wahrscheinlich dessen Familie anschließen werden". Die Konkubine wird niemals als Ehefrau betrachtet; die Verbindung wird durch keine Zeremonie eingeleitet.

Englisch: concubinage

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97