Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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uxorilokale Residenz
Definition:
lat.: "am Ort der Frau"

Ein Residenzmuster oder eine Residenzregel, wonach ein Paar nach seiner Heirat mit oder nahe der Familie der Frau wohnt.

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Anmerkungen:
  • Dieses Residenzmuster wurde oft bei Hortikulturen dokumentiert. Es hängt mit der Solidarität zur weiblichen Arbeitsgruppe zusammen. Ebenso kann es mit der Institution der Dienstehe verbunden sein und in einigen Systemen geht es mit der politischen Bedeutung der Beziehung zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn einher. In der modernen Anthropologie wird dieser Begriff dem Terminus "matrilokal" vorgezogen, da dieser eine Verbindung zu matrilinearer Deszendenz suggeriert, die jedoch nicht immer vorhanden ist [Seymour- Smith 1986: 284].

  • Eine Residenz, welche bestimmt, daß ein verheiratetes Paar mit der Gruppe der Ehefrau oder auf derem Lande leben soll [Panoff/Perrin 1982: 304].

  • Murdock macht einen feinen Unterschied zwischen Uxorilokalität und Matrilokalität: Der Terminus Matrilokalität wird von ihm verwendet, um die Tendenz der betreffenden Residenzregel in der Bildung residentieller, matrilinearer Verwandtschaftsgruppen zu kennzeichnen.

  • Durch wiederholte Uxorilokalität in einer matrilinearen Gesellschaft, bleiben die Frauen einer Gruppe innerhalb desselben Gebietes zusammen und bilden somit eine residentielle Einheit. Die Lokalgruppe besteht dann aus den matrilinear verbundenen Frauen, den eingeheirateten Gatten der verheirateten Frauen, den unverheirateten Kindern der Frauen der Matri-Lineage und den erwachsenen männlichen Mitgliedern der Matri-Lineage, die noch nicht oder nicht mehr verheiratet sind (und - meistens nach einer Scheidung oder zwischen den Heiraten - nach Hause zurückgekehrt sind).

  • In matrilinearen Gesellschaften mit uxorilokaler postnuptialer Residenz (="harmonisches Verwandtschaftssystem" nach Lévi-Strauss 1949), die von Meillassoux als "gynäkostatische Gesellschaften" bezeichnet werden, verfügen die Frauen über große Macht in den Lineage-Angelegenheiten. Die Stärke der Lineage ist in Gefahr, wenn alle bzw. fast alle erwachsenen Männer weggezogen sind. Dieses Problem wird meist dadurch umgangen, daß die Bevölkerung in ziemlich großen Siedlungen zusammenlebt, wobei sich in jeder Gemeinde einige Lineages befinden. Obwohl die Männer ausheiraten müssen, müssen sie nur einen Platz überqueren bzw. nur einige hundert Meter zurücklegen. (Beispiel: Hopi). Wo das Ausheiraten die Männer noch weiter wegbringt, müssen beispielsweise zumindest einige Männer der Matri-Lineage, die den Führungskreis der Deszendenzgruppe repräsentieren, zu Hause bleiben, entweder indem sie

    (a) unverheiratet bleiben,
    (b) geschieden werden oder
    (c) sie ihre Frauen in einem alternativen Residenzmuster (siehe Uxori-Virilokalität) nach Hause bringen und dergleichen.

  • Uxorilokale Residenz ist auch in patri-linearen Gesellschaften anzutreffen; sie erfüllt jedoch mit geringerer Wahrscheinlichkeit die Funktion des Zusammenhaltens einer residentiellen Einheit, wie dies bei uxorilokaler Residenz in matrilinearen Gesellschaften der Fall ist. In matrilinearen Gesellschaften erhalten in der Regel entweder die uxorilokale oder die avunkulokale Residenzregel die Struktur der Verwandtschaftsgruppen aufrecht.

  • Uxorilokaltiät kann eine Phase (meist das Initialstadium) innerhalb anderer Residenztypen (Ambilokalität) sein.
Englisch: uxorilocal residence
Französisch: residence uxorilocale

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97