Hypermedia und Ethnologie
Heinz PUSITZ, Johann STOCKINGER
1994 - 1997 (Anmerkung)
"Do you know how to write?" (1. Satz aus Peter Brooks "Mahabharata"-Verfilmung)

Epilog zur Schrift
Heinz Pusitz

1. Zur Situation heute

Das Alphabet (und mit ihm das Schreiben), hat als kulturelle Leitform der Kommunikation seine Bedeutung verloren. Andere Codes als die Schrift können besser Informationen übermitteln. "Was bisher geschrieben wurde", so FLUSSER (1990:7), "kann besser auf Tonbändern, Schallplatten, Filmen, Videobändern, Bildplatten oder Disketten übertragen werden. (...) Die derart codierten Informationen sind bequemer zu erzeugen, zu übertragen, zu empfangen und zu speichern als geschriebene Texte." Diese Überlegung ist nur mit der Folie der dritten technischen Revolution zu verstehen. Wird als erste die Einführung der Dampfkraft und ihre sozioökonomischen Konsequenzen bezeichnet, als zweite die neuen Möglichkeiten und Auswirkungen der Elektrizität und Chemie, so läßt sich die dritte mit den vier folgenden technologischen Innovationen charakterisieren:

  1. Dem Übergang aller mechanischen, elektrischen und elektromechanischen in elektronische Systeme;
  2. der Miniaturisierung - die Teile "schrumpfen";
  3. der Digitalisierung;
  4. Software - deren Programme nicht mehr in die Maschine eingespeichert sind (BELL 1990:31f.).
 
Für den Kommunikationssektor hat dies einschneidende Veränderungen zur Folge. Die alten Unterscheidungen von Telefon (Stimme), Television (Bild), Computer (Daten) und Text (Faksimile) sind aufgehoben. Wie BELL feststellt, sind "die Phänomene durch digitale Wandlung materiell miteinander verbunden und kompatibel gemacht worden - zu einem einzigen, vereinheitlichten Verbund von Teletransmissionen" (ibid.: 33).  
Erste Überlegungen thematisierten auch die neuen Gewichtungen der unterschiedlichen Codes. In der "Gutenberg-Galaxis" (McLUHAN) fand sich durch Radio, Fernsehen, Telephon und den verschiedenen Klangaufzeichnungsgeräten eine neue Form der Partizipation, die als "sekundäre Oralität" im Diskurs Sinn stiftete. Sie ist der "primären Oralität" ähnlich und unähnlich. Unähnlich deshalb, da die elektronische Ausstattung auf dem Schreiben und dem Druck beruht. Gemeinsamkeiten bestehen, so ONG (1987: 136), "sowohl was die Mystik der Partizipation, als auch was ihre Förderung des Gemeinschaftssinnes, ihre Konzentration auf die Gegenwart und auf den Gebrauch von Formeln anbelangt (sic!)". Die akustischen Medien sind jedoch nicht nur wesentlich schriftsbedingt (z.B. die Vorlage für eine Rede, Nachricht), sie sind auch außerstande, die Hauptlast der Kommunikation zu tragen. Wie H AVELOCK (1992:62) bemerkt, "läßt sich durchaus die These vertreten, daß dieselbe Technologie, die das Gehör wiederaufgewertet hat, gleichzeitig auch zu einer Stärkung der Macht des Auges und des vom Auge gesehenen und gelesenen schriftlichen Worts geführt hat." FLUSSER führt das Argument in den Bereich des Bildes weiter. Mit den neuen Medien, diesmal als "bildermachende Apparate" angesprochen, hat die Geschichte das konkrete Ziel, ins Bild gesetzt zu werden (s.a. 1990: 24f.). Schrift, Ton und Bild sind durch ein kompliziertes Wechselverhältnis charakterisiert und vielfältiger Brechung ausgesetzt, wobei unser Referent die Schrift - als ehemals identitätsstiftendes Merkmal europäischer Kultur - ist. Die Dimension des "anderen", die der elektronische "Text" und in Folge Hypertext und Hypermedia ist, soll sich damit in Abhebung zu diesem ex- und impliziten Bezugspunkt konfigurieren. Um die Kontrastizität abzurunden, wird auch die Oralität berücksichtigt. Ironischerweise tauc ht Hypermedia just zu einem Zeitpunkt auf der Oberfläche des Flusses permanenter technologischer Innovationen auf, um ein Thema zu relativieren, das gerade in der Ethnologie in den letzten Jahren intensiv diskutiert wurde und dessen Programm Geertz (1973:19) prägnant formulierte: "What does the Ethnographer do? - He writes" (vgl. auch CLIFFORD/MARCUS 1986, PUSITZ 1990).  
2. Zum Schreiben und zum Text, elektronisch

Mit den elektronischen Medien, und im besonderen mit Hypertext und Hypermedia, stellt sich ein neues Verhältnis zum Text wie zum Schreiben ein. Schreiben, in der allgemeinsten Definition, "unterstützt den Benutzer beim Akt des Wiedererkennens" (HAVELOCK 1990:49). Unterscheidbar wird "schreiben" aufgrund der technologischen Mittel, unabhängig von verschiedenen Instrumenten und Materialien. Das Schreiben in der "Gutenberg-Galaxis" ist mit typographischer Alphabetschrift spezifiziert, die auch für das ethnomonographische Schreiben konstitutiv ist. Dem "writing' (a particular historically contingent task)" wird ein "composing (what authors do, no matter what the medium or technology)" (CRANE 1991: 293) entgegengesetzt, um die neue Dimension zu erhellen.

 
Der Textbegriff ändert sich. dem einmal abgeschlossenen Text auf typographischer Grundlage, als Buch (oder Artikel, etc.) in der Bibliothek nur durch chirographische Zusätze erweiter- oder veränderbar, ist die Monopolstellung abhanden gekommen. Ein in einem Datenspeicher "gelagerter" Text ist für Veränderungen offen. Mit der Möglichkeit, Informationen zu "updaten", hinzuzufügen und zu "löschen", zu überschreiben und zu korrigieren, verliert der "Text" die unverrückbare Gestalt. Die Grenzen des Textes sind geschwächt.  
Die Nicht-Abgeschlossenheit des elektronischen (und damit auch Hyper-) "Textes" erweckt Parallelen zur Kompositionsmethode oraler epischer "Literatur" (1), die zunächst als "homerische Frage" diskutiert wurde. Beginnend mit Robert WOOD entspann sich die Frage nach der Person Homers und in weiterer Folge nach dem Zustandekommen der Epen: Gab es einen oder mehrere Autoren; und waren die Ilias und die Odysseus aus einem Guß oder aus mehreren Lieder zusammengesetzt? Der Impuls, der nach der englischen in der deutschen Philologie mit F.A. WOLF weiterwirkte, war gegeben. Die Frage wurde 150 Jahre später einer ersten Lösung zugeführt, als sich der amerikanische Altphilologe Milman PARRY zu einer vergleichenden Vorgangsweise entschloß.  
Bei bosnischen Moslems nahm er mündliche, nur mit einer Guslar vorgetragene Epen von der Länge der Odyssee auf. Es war einem Einzelnen möglich, über Stunden vorzutragen, wenn auch anders, als sich dies ein Literaler vorstellen würde: Der "Text" war nicht auswendig gelernt, sondern war über ein Formelsystem, in Rhythmen gegürtet der Entscheidung des Sängers verfügbar (2). Der Originalitätsanspruch einer literalen Kultur läßt sich bei Homer nicht bestätigen. Er griff auf bereits vorhandene "Text"-teile zurück, die nach einer vorgegebenen Motivgruppenordnung situativ vorgetragen wurden. Motivabfolgen und ein Formelsystem waren auch bei Homer auffindbar, wenn auch der Begriff der "Formel" noch keiner endgültigen Definition unterliegt. (FOLEY 1988, HAYMES 1977, LORD 1965). Der "Text" oral vorgetragener Epen ist "beweglich", situationsbezogen komponiert , er richtet sich an einen Zuhörer, nicht an einen Leser (HAVELOCK 1990:83), während mit der schriftlichen Fixierung die "mouvance" (P. ZUMTHOR), "die Variation zwischen einer Reihe von Textmöglichkeiten (...) verschwindet" (SCHLIEBEN-LANGE 1988:14). Der elektronische "Text" öffnet sich wieder der Dimension der Veränderbarkeit. Es tritt, wie schon in der oralen Wortkunst, der Autor "als Subjekt des unveränderlichen und abgeschlossenen Texts in den Hintergrund" (ibid.: 19). Zusätzlich wird eine weitere Parallele offenbar: Der interaktive Charakter des elektronischen Textes. "The reader is always also a writer, a participant observer. Now in this respect the computer mode takes a great leap backwards, to the interactivesness of oral modes of information processing, without losing the accuracy, stability, and immortality of book text" (TURNER 1989: 131). Die Grenze zwischen "Leser" und "Autor" ist mit den elektronischen Medien aufhebbar geworden.  
3. Prolog zu Hypertext

Mit dem Axiom der Medialität des Denkens, das über das Axiom einer Korrelation von Sprache und Wirklichkeit von SAPIR / WHORF hinausgeht ("nicht die Sprache, in der wir denken, sondern das Medium, in dem wir kommunizieren, formt unsere Welt") ist ein weiterer Aspekt der neuen Technologie angesprochen.

 
Mit Hypertext wird eine auf dem Alphabet beruhende Denkform abgelöst. Das lineare, historische Denken, in dem, wie es das Alphabet vorgibt, Zeile um Zeile gelesen wird, sieht sich etwas qualitativ Neuem gegenüber. Der digitale Code generiert in Abhebung zum alphabetischen Code eine neue Raumzeiterfahrung: er ist multidimensional und quantisch: "Er (der "Leser" H.P.) liest nicht eine Zeile entlang, sondern er spinnt seine eigenen Netze" (FLUSSER 1990: 151). Ich möchte an dieser Stelle mit einem längeren Zitat konkretisieren:
"Nehmen wir an, der "Leser" interessiere sich für Wissenschaftsgeschichte, also für eine längere Serie von Informationen, die für den gegenwärtigen Leser eine chronologische Folge bilden. Nach unserer gegenwärtigen Les- und Denkart steht etwa "Aristoteles" vor "Newton". Dem künftigen "Leser" hingegen stehen "Aristoteles" und "Newton", beide digital umcodiert, gleichzeitig zur Verfügung. Er kann daher beide Systeme zugleich zugleich abrufen, und zwar so, daß sie sich überdecken und gegenseitig stören. Im System "Newton" wird zum Beispiel die "Trägheit" gegen das "Motiv" im System "Aristoteles" anstoßen, und das Prinzip "Gerechtigkeit" im System des Aristoteles wird gegen die Kausalketten im System Newtons stoßen. Der "Leser" wird die beiden überlagerten Systeme so manipulieren können, daß Zwischenstadien entstehen, worauf das System des Aristoteles ebenso aus dem Newtons emportauchen kann wie das Newtonsche System aus dem des Aristoteles. Der "Leser" wird zwar aus den ihm verfügbaren Daten erfahren, daß tatsäc hlich das Newtonsche System jünger ist als das des Aristoteles, aber er wird die "Geschichte" ebenso umdrehen können" (ibid).
 
Die Unterscheidung von "Verbaler Anthropologie", die eigentlich eine "Literale Anthropologie" ist, und "Visueller Anthropologie" in der Definition von OPPITZ (1989: 27) als Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Schrift und des Bildes, erfährt hiermit eine Reformulierung. Bilder, so Oppitz, haben den Vorteil "einen simultanen Eindruck (zu schaffen H.P.), sie erlauben einen unmittelbaren Gesamtblick auf das, was sie abbilden, während den Wörtern aus Natur und Notwendigkeit heraus nur das Nacheinander bleibt; die Realität, welche in jedem Augenblick in ihrer Gesamtheit "da" ist, kann von Wörtern nur in Sequenzen wiedergegeben werden" (ibid). Berühmt ist der Hinweis, "... wenn wir nur eine Fünf-Minuten-Bildsequenz hätten" (z.B. in CRANE 1991: 297).  
Das Bild erfaßt alle Ebenen gleichzeitig, mit der sprachlichen (=schriftlichen) Beschreibung ist, nach OPPITZ, nur ein Nacheinander möglich. Ihre Stärke liegt in der symbolischen Bedeutung, "die nicht unmittelbar, d.h. ohne vorherige Information zu sehen ist. Denn nicht immer ist der Sinn mit den Sinnen allein wahrnehmbar" (ibid). Das Bild benötigt also über die augenblickliche Präsentation hinaus eine sprachliche, schriftliche Erklärung. Bilder sind, in den Worten FLUSSERS (1992:8) "nicht "denotative" (eindeutige) Symbolkomplexe (..) (wie etwa Zahlen), sondern "konnotative) (mehrdeutige) Symbolkomplexe: Sie bieten Raum für Interpretationen". Dies hat das Bild mit der Schrift gemeinsam, aber auf einer anderen Ebene, da die Vieldeutigkeit eines Bildes nur mit Über- und Unterschriften zu reduzieren ist, um es wenigstens in die Nähe der Eindeutigkeit des schriftlichen Diskurses zu bringen, der durch die Aneinanderreihung von Schriftzeichen (= Linearität) charakterisiert ist.  
Mit Hypertext wird das Nacheinander der Texteinheiten abgelöst zugunsten einer möglichen Neuverknüpfung, er bietet "a better model for the mind's ability to re-order the elements of experience by changing the links of association or determination between them" (DELANY/LANDOW 1991: 7), wobei die Vermittlung symbolischer Bedeutung weiter im Bereich der "Schrift" liegt. Video-(Film-) und Tonmaterial erlauben dem Benützer jedoch, individuellere Schlüsse aus dem ethno"graphischen" Material zu ziehen, wenn nicht Quellentexte wie "fieldnotes" u.ä. zur Verfügung stehen (s.u.).  
Dem Benützer stehen somit die Verknüpfungen offen. Er "navigiert" sich mit neuen Querverbindungen durch den Ozean des Wissens, ein echter Entdecker von Neuem "(it) can (...) be searched actively and in different orders from the linear format of the printed book" (FINNEGAN 1991: 303) - es wird ein "non-sequential-reading" (DELANY/LANDOW 1991:12) möglich.  
4. Prolog zu Hypermedia

Im Hypertext wird das Diskrepante der polyphonen Realität verräumlicht und mit Diskrepantem vernetzt. Im gangbaren Labyrinth von Hypermedia kann zur Texteinheit die korrespondierende Tonabfolge, das entsprechende Bild hinzu aufgerufen werden (um Filme und Ton zu zitieren, gibt es jedoch noch keine Zitationsstandards, vgl. Crane 1991: 297). Jede weitere Information wird in der Wahl der gewünschten Abzweigung selbst bestimmt (=Navigation).

 
Die eine mögliche Programmierung der multimedialen Ethno"graphie" wäre es, den Erfahrungsprozeß, das Tasten, Taumeln, Tauchen des Ethnographen in den "Traurigen Tropen" nachvollziehen zu können. Hypertext ist jedoch wie DELANY/LANDOW (1991: 7) bemerken, "like the traditional text from which it derives, (...) still a radical reduction to a schematic visual code of what was originally a complex physical and intellectual exeprience, engaging all five senses. Hypermedia (...) extends Hypertext by re-integrating our visual and auditory faculties into textual experience, linking graphic images, sound and video to verbal signs." Es werden hier die Grenzen sichtbar: neben dem olfaktorischen Sinn ist auch der haptische ausgegrenzt, sowie die Verräumlichung über den Bildausschnitt des Displays vor dem Körper endet.  
Hier findet etwas seine Berechtigung, das V.&E. TURNER (1987) "Performing Ethnography" nannten und in dem der Körper wesentlichen Anteil hat. Ausgehend von der Annahme, daß sich in dramatischen Episoden, beschrieben in der ethnographischen Literatur, "key values of specific cultures" (ibid.: 139) aufweisen lassen, läuft die Vermittlung fremdkulturellen Wissens über die Erlebnisstrukturen und die körperliche Erfahrungen des z.B. in einer Wintersonnenwende-Zeremonie der Mohawk (ibid.: 145) mitspielenden Ethnologiestudenten. Im Nachspielen kann der Lernende in der "home culture" eher in das "motivationale Gewebe einer Kultur" (TURNER 1989: 141) eingebunden werden und eventuelle mehr über charakteristische Handlungsantriebe erfahren, als dies beim Lesen von Texten, Betrachten von Bildern oder Hören von Tonaufnahmen der Fa ll wäre.   
Der Holismus, als Anspruch einer totalen Erfassung und Dokumentation einer Kultur, findet in Hypermedia seinen fortgeschrittensten Ausdruck und wieder eine Grenze, die Hypermedia mit anderen Dokumentationsformen rückbindet: Alles kann nicht aufgezeichnet werden, Lebenszeit ist nicht "Erzählzeit" - ein "Bloomsday" wäre Ballast. Eine Erweiterung ist jedoch wünschenswert. die Elektronik bietet die Möglichkeit, Quellentexte einzugeben. "Fieldnotes" (SANJEK 1990), Texte in Originalsprache mit jeweiliger Transkription, etc. wären dem Benützer verfügbar. Der "Text" wird durch den Weg ad fontes transparenter, die Ergebnisse können nachvollzogen werden, d.h. auch, alles muß "veröffentlicht" werden, der Ethno"graph" kann nicht mehr Informationen zurückhalten, um sich das Interpretationsmonopol vorzubehalten.
Einen weiteren Vorteil spricht RANE (1991: 302) an: "An ethnography with 1000 pages of source in such a system and 150 pages of conclusions may well be far more useful to more readers than a 300- or 400-page text that mixes conclusions with a narrower selection of exerpts". Die Selbstaussagen der Dargestellten und die Beobachtungen und Analysen des ethnographischen Autors, die im Printzeitalter zu einem Text amalgamiert wurden, können separat über einen zentralen Zugriff einer Analyse unterzogen werden. Damit ist die Berücksichtigung des fachlichen Anwendungskontextes impliziert (RIEHM et al. 1992: 178).
 
Mit der Möglichkeit, in Hypermedia "Text", Bild und Ton synästhetisch aufzurufen, wurden letzte Grenzen der Darstellungsgattungen aufgehoben und alle Vorteile in einem Medium vereinigt. Es gibt ein "(...) tremendous potential for information and image retrieval, searching, and cross-referencing" (HIRSCH 1991: 304). Jedoch ist, auf einer höheren Ebene, wie BOLTER (1991: 114) ausführt, "a hypermedia display (...) still a text, a weaving together of elements treated symbolically. Hypermedia simply extends the principals of electronic writing into the domain of sound and image". Der synästhetische Text hat dieselben Qualitäten wie der elektronische Text: Er ist flexibel, dynamisch, interaktiv, d.h. er hebt die Grenze zwischen "Autor" und "Leser" auf (ibid.).  
Die Schriftkultur in Europa transformiert sich unter dem Einfluß der elektronischen Medien, deren Ausloten hin zu effizienteren Informationstechnologien nie still steht. Wie lange der Prozeß des Übergangs sein wird, ist noch nicht abzuschätzen (LANDOW 1992: 30f.). Die verblüffend einfache, wie bündige Antwort auf die GEERTZ'sche Frage: "What does the ethnographer do?" ist jedoch schon heute nicht mehr mit "he writes!" zu geben. War sie zum Zeitpunkt der Formulierung schon polemisch schief beantwortet (3), um eine wichtige ethnologische Tätigkeit zu problematisieren, so ist sie heute für den Bereich der Dokumentation mit Hypermedia mit "S/he ist electronic ethnocomposing!" zu beantworten.  
Zukünftige "Verfilmungen" von "Epen" der Schriftkultur könnten als ersten Satz eine Abwandlung aus Peter Brooks "Mahabharata", der Verfilmung eines ehemals oralen, nun verschrifteten Epos' verwenden: "Do you know how to computerate?"(4)  
Zweiter Teil: Stockinger
(aus: Wiss. Film (Wien) Nr. 45/46, Juni 1994, 151-164, WF 1994)
ETHNOLOGIE HEUTE Nr. 1.1
ETHNOLOGIE HEUTE Homepage, Münster, Deutschland