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Interkulturalität als neue Provokation der Literaturwissenschaft

      Neologismen

 "Interkulturell", "Interkulturalität" und die französischen Entsprechungen dieser Wortfamilie finden sich weder im Großen Brockhaus noch im großen "Robert". Bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Belege des Adjektivs gibt es im Englischen, allerdings entweder mit semantischer Begrenzung auf die Landwirtschaft oder mit einer sehr allgemeinen Bedeutung, wie sie sich mitunter bis heute im Gebrauch mancher Lexika manifestiert. So heißt es im Dizionario enciclopedico "La Piccola Treccani" (Roma 1995) unter dem Stichwort interculturale: "Relativo a rapporti culturali tra paesi diversi: scambi interculturali". Auch für die Literaturwissenschaft ist der Begriff der Interkulturalität noch keine Selbstverständlichkeit. So fehlt er im Metzler Lexikon der Literatur- und Kulturtheorie. [1]

Zweifellos haben die großen Nachschlagewerke hier Nachholbedarf, hat doch die bewusste Wortfamilie in unserer Zeit große Verbreitung und Aktualitätsnähe gewonnen. Ihre semantische Palette reicht von den Bereichen der Philosophie, Psychologie und Pädagogik zu jenen der Ethnologie und Religionsgeschichte. [2] „Interkulturell“ ist zum Etikett eines Ideals geworden, das bis in die Sonntagsreden der Politiker hineinwirkt und sich von jener modischen Unverbindlichkeit bedroht sieht, die auch andere Leittermini unserer Zeit wie "Feminismus" und "Ökologie" tendenziell belastet (was aber insofern als Positivum gewertet werden kann als die drohende Verflachung ein ständiges Überdenken und Vertiefen herausfordert). Gemäß diesem Ideal wird Interkulturalität häufig als friedenssicherndes Leitbild verstanden, als geschwisterlicher Dialog zwischen den Völkern, tolerantes Neben- und Miteinander, gegenseitige Bereicherung. Daß dieses Ideal allen Turbulenzen ausgesetzt ist, die der offene und versteckte Ethnozentrismus, das Gegeneinander der Nationalismen und die in wirtschaftlichen Krisenzeiten blühende Xenophobie erzeugen und nähren, ist offensichtlich. Daher hat jeder Definitionsversuch  Ambivalenzen und Widersprüchen Rechnung zu tragen. Es darf vermutet werden, so könnte eine erste Annäherung lauten, daß der semantische Schwerpunkt der Wortfamilie in dem von sozio-ökonomischen Kontrasten und politischen Ideologien aller Art belebten Spannungsfeld der Beurteilungen und Bewertungen ruht, denen das Zusammenleben von Menschen und Menschengruppen mit verschiedener Sprache, Abstammung, Geschichtserfahrung und kulturellem Hintergrund ausgesetzt ist.

2.      Der Bildungsauftrag

Aktualität und Ambivalenz der Wortfamilie hängen mit jener zunehmenden Mobilität der irdischen Bevölkerung zusammen, die in den letzten Jahrzehnten weite Bereiche unseres Planeten erfasst hat, sich aber besonders in jenen Zonen auswirkt, in denen tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche dazu führen, dass zugleich mit sozioökonomischen Gegensätzen auch die sprachlich-kulturellen Andersartigkeiten aufeinanderprallen. Während Asylanten auf der Flucht vor Bürgerkrieg und Elend die traditionelle Migration der „Gastarbeiter“ aus den armen in die reichen Länder des Planeten verstärkten, intensivierte sich im Europa der scheinbar gefestigten Demokratien die Diskussion über Abschottungstendenzen und Quotenregelungen. Von rechtsradikalen Kräften geschürte Ängste vor den „Fremden“ gewannen um so mehr an Bedeutung als in politisch instabilen Gebieten seit Jahrhunderten bestehende Strukturen des Zusammenlebens, die das Ideal des friedlichen Miteinander zu verwirklichen schienen, im Krieg aller gegen alle, bzw. auf dem Wege von "ethnischen Säuberungen", zerstört wurden. Die interkulturelle Herausforderung an die Adresse des Bildungswesens in den „westlichen“ Ländern hat daher neben ihrem ethnisch-grundsätzlichen Aspekt eine praktische Seite. Dieselbe fordert die Entwicklung (sozial)pädagogischer Techniken zur Lösung sehr konkreter Probleme menschlichen Zusammenlebens. Zugleich ist die politische Willensbildung als Voraussetzung für die genannte Praxis von Reflexionen allgemeiner Art über Gesellschaft und Gesellschaften, Kultur und Kulturen, Kontakte und Konflikte abhängig.

Im weltpolitischen Kontext von heute lastet große Verantwortung auf dem Bildungswesen. Das praxisbezogene Nachdenken über eine sinnvolle Arbeit der Lehrenden in "gemischten" Schulklassen ist eine Notwendigkeit, an der kein Weg vorbeiführt. "Interkulturelles Lernen als antirassistisches und völkerverbindendes Projekt," so heißt es in einer Broschüre des österreichischen Unterrichtsministeriums, "kann einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Beitrag zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen, wenn auch die Abhängigkeit der Bildungspolitik von den politischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen immer im Blickfeld bleiben muß" [3] . Der Konzessivsatz in diesem Zitat zeugt von einer „realistischen“ Einschätzung der Sachlage, welche die vom politischen Umfeld erzwungenen Kompromisse  von vornherein mit einkalkuliert und sich zum Teil mit denselben abfindet. Mit anderen Worten: interkulturelles

Lernen zielt auf die Überwindung ansozialisierter Verhaltensmuster der xenophob-ethnozentrischen Art; [4] aber dieses Lernen, so wird ergänzend angemerkt, hat zunächst der soziokulturellen Realität, welche solche Verhaltensmuster hervorgebracht hat, Rechnung zu tragen, soll es nicht in sterile Außenseiterpositionen führen. 

Es geht somit um mehr als um die Propagierung und bestmögliche pädagogische Umsetzung von humanen Prinzipien in Schule, Universität und Erwachsenenbildung. Soll Interkulturalität kein modisches Schlagwort bleiben sondern eine die Zukunft von Individuen und Gemeinschaften sichernde Perspektive unserer Zeit werden, muss der Begriff Teil eines ohne größere Hindernisse aktualisierbaren gesellschaftlichen Wissens werden. So wie naturwissenschaftliche Forschung die Voraussetzungen für eine ökologisch sinnvolle Politik zu schaffen hat, so haben die Kulturwissenschaften die Aufgabe, an der Umsetzung von Grundlagenwissen in eine menschengerechte Sozialpraxis mitzuwirken.

3.      Eine Chance für die Wissenschaft

 

 Politik und Wirtschaft sind ständig versucht, sich mit kurzfristig erfolgreichen Rezepten und Praktiken zufriedenzugeben. Profit und Wählergunst sind zweifellos mächtige Triebfedern, mächtiger noch als jene der Verpflichtung zur Erfüllung des Lehrplans im Schulwesen. Da kann es schon vorkommen, dass grundsätzliche Bedenken und Forschungsergebnisse der Wissenschaft verdrängt werden, besonders wenn ihr Ursprung in jenen Bereichen des Universitätsbetriebes liegt, die seit langem den Ruf besitzen, in einem Elfenbeinturm angesiedelt zu sein, und die zu wenig getan haben, um diesen Ruf loszuwerden. Vielfach suchen geistes- und kulturwissenschaftliche Fächer ihre gesellschaftliche Relevanz nachzuweisen, indem sie sich für die Ausbildung von Kultur-Mittlern, die gerade im politischen und wirtschaftlichen Bereich wichtige zwischenstaatliche Aufgaben wahrzunehmen haben, zuständig erklären.

Aus der Sicht des Neuphilologen hat sich Uwe Dethloff schon zu Beginn der 90er Jahre an die Politiker der Bundesrepublik Deutschland gewandt, um die brennende Aktualität der interkulturellen Kommunikation und damit die Förderungswürdigkeit der universitären Sprachdisziplinen zu unterstreichen: "Interkulturelle Forschung bezieht sich auf solche Teildisziplinen wie die interkulturelle Linguistik, die interkulturelle Politik, die interkulturelle Pädagogik, den interkulturellen Ansatz in der Kulturpsychologie und das interkulturelle Management." [5] . Bezeichnend für das Ansehen der Literaturwissenschaft ist, dass sie in dieser Aufzählung nicht genannt wird.

Nur zu oft wird das Begriffsfeld der Interkulturalität auf seinen semantischen Grundbestand reduziert und mit der Gesamtheit der Unterschiede zwischen Kulturen, deren Hauptcharakteristika der europäische Aufsteiger von heute kennen muss, um Misserfolgen im Berufs-, Geschäfts- und Freizeitleben vorzubeugen, gleichgesetzt. Auf die einfachste Formel gebracht: "Wo Fremdsprache gelehrt und gelernt wird, geht es um interkulturelle Begegnung und interkulturelle Kommunikation." [6] Besondere Bedeutung gewinnt dieses Prinzip der Begegnung und der Kommunikation, wenn es um das Schließen von zwischenstaatlichen Verträgen und den Aufbau internationaler Wirtschaftsbeziehungen geht. Die Frage, ob Literatur und Literaturwissenschaft solchen Anliegen förderlich sind, kann nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden. Natürlich ist es möglich, Dichtungen als Hilfsmittel zum "tieferen" Verständnis einer Fremdkultur, sozusagen als Wegweiser zu kollektiven Seelenlagen zu betrachten. Es fragt sich jedoch, ob eine solche Auffassung des Funktionierens von Literatur nicht auf den Holzweg der  konservierenden Festschreibung von Identitäten führt. Der Umstand, dass der Kulturbegriff als strategisches Instrument von Rechtsextremismen nicht selten mit denselben Konnotationen gebraucht wird, wie der Begriff der Rasse, [7] mahnt zur Vorsicht.

4. Elitekultur und Kultur der „Basis“

Wenn es um die Produktion von politisch brauchbarem Wissen im universitären Bereich mit besonderer Bezugnahme auf die Literaturwissenschaft geht, drängt sich der Gedanke an Cultural Studies auf, eine theoretisch-methodologische Richtung, die hinsichtlich ihrer Genesis  textwissenschaftliche Aspekte aufweist, aber zugleich ihr Hauptinteresse der Erforschung gesellschaftlicher Bezüge des kulturellen Lebens im Licht konsequenter Interdisziplinarität widmet. [8] Im Rahmen ihrer Analyse des Spektrums der kreativen Aktivitäten in einer Gesellschaft mit allen ihren Institutionen und kommunikativen Praxen fordern die Cultural Studies, der Wissenschafter möge sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden und politisch Stellung beziehen. Das Weiterwirken einer Tradition des Engagements, wie sie von Sartre für den „écrivain“ oder von Gramsci für den „intellettuale organico“ in Anspruch genommen wurde, ist hier evident. Der marxistischen Abstammung der Cultural Studies entspricht auch, dass sie fragen, „wie die „Leute“ von den besonderen Strukturen ihres Alltagslebens und den verschiedenen Widerständen und Mächten, denen sie dabei begegnen - sowohl ökonomischer als auch politischer Provenienz -, entmündigt oder ermächtigt werden und ferner wie sie selbst ihre Situation auslegen, darstellen, begreifen und zum Ausdruck bringen“. [9] Eine Gleichsetzung von Kultur mit „Hochkultur“, also Kultur einer sozial privilegierten Bildungselite, entspricht nicht dem Selbstverständnis der Cultural Studies, so wie es sich seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. 

            Kulturwissenschaftliche Arbeit, die sich zu intensiv auf die „Verdammten dieser Erde“ konzentriert, akzeptiert allerdings eine beträchtliche Einengung ihres Blickwinkels und ist im Grunde nicht weniger einseitig als jene, die traditionsgemäß das soziale Oben mit dem Monopol

der Universalität ausstattet. [10] So wie sich Frauenforschung während der letzten Jahrzehnte zur Geschlechterforschung erweitert hat, so zeichnet sich auch im Bereich der Cultural Studies die Notwendigkeit der Hinwendung zu einer gesamtgesellschaftlich orientierten Betrachtungsweise ab. Aus der Sicht eines aktuellen Forschungsberichtes gilt  Kultur als „(die) symbolische Deutung der Wirklichkeit und die Intepretation und Aneignung der sozialen Welt durch Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkschemata, die unter bestimmten Existenzbedingungen erworben werden bzw. im Rahmen einer spezifischen sozialen Biographie verändert wurden.“ [11] Diese Schemata, die das Denken und Fühlen der Akteure des kulturellen Lebens bestimmen, so möchte man hinzufügen, kommen nicht von ungefähr, sondern sind das Ergebnis von machtpolitischen Strukturen, die sich im Kampf gesellschaftlicher Gruppen und Instanzen um hegemoniale Positionen herausgebildet haben. Wenn manche Versuche, das Anliegen der Cultural Studies zu präzisieren, die Komponente der gesellschaftlichen Spannungen und Machtgefälle hervorheben, so weisen sie damit einen Weg, der auch für eine kritische Literaturwissenschaft neuen Typs gangbar erscheint.

„This is to say that Cultural Studies look with suspicion upon any hierarchizing project through which culture is synecdochally delimited to certain of ist parts, whether such parts represent the culture’s essential „best“ or even if they represent what has been predetermined as politically or ethically important and valuable. Cultural Studies should, in short, abandon the goal of giving students access to that which represents a culture. Instead, Cultural Studies has the possibility of investigating culture as a set of activities which is lived and developed within asymmetrical relations of power, or as irreducibly a process which cannot be immobilized in the image of a storehouse.“ [12]

            5. Spannungsfelder

Literaturwissenschaft ist gut beraten, wenn sie den erwähnten Spielen der Macht ihre Aufmerksamkeit widmet. Sie mag sich auch für Oralität, Arbeiterdichtung, Landromane und Literatur für den Massenkonsum interessieren; nichtsdestoweniger nimmt die sogenannte Hochliteratur in ihrem Arbeitsfeld zentrale Positionen ein. Der Kanon, so wie ihn die Literaturgeschichten und die Bibliographien für den Gebrauch der Literaturwissenschaft darbieten, demonstriert von Jahrhundert zu Jahrhundert den elitären Charakter von Produktionen, die den „gebildeten Kreisen“ entstammen und von denselben rezipiert werden, mögen sich die Texte nun systemkonform präsentieren oder jegliche Norm in Frage stellen. Der Kuss der Muse gilt einem lebenden Menschen, der durch Herkunft, Wissen, Erfahrung in einem sozialen Kontext verankert ist und in seinem schöpferischen Tun einerseits völlig frei erscheint als auch eingebunden in einen lebensweltlichen Rahmen, der sowohl durch konfliktträchtige Machtrelationen als auch durch die Suche nach möglichst dauerhaften Kompromissen gekennzeichnet ist.

Seit der Auflösung dogmatischer Positionen herrscht in den Kulturwissenschaften die communis opinio, dass das Klassenkampfmodell nicht ausreicht, um das Spiel der Hegemonien und Resistenzen, der Standardisierungen und Normbrüche, das für die Positionierung der Sprachkunst im gesamtgesellschaftlichen Rahmen maßgeblich ist, in seiner ganzen Komplexität zu erfassen. Für traditionsverbundene Literaturforscher stellt sich sogar die Frage, ob eine Betrachtungsweise aus soziologischen Blickwinkel überhaupt imstande ist, das Wesen der Dichtung zu erhellen. Der schöpferische Elan des Poeten scheint sich über die Zwänge, welche die Biographie und das geschichtliche Rundherum dem Kunstschaffenden auferlegt, hinwegzusetzen. Je grandioser der Text, umso mächtiger die kathartische Dynamik, die den Dichter wie auch seinen Leser über die Begrenzungen und Kompromisse des Alltags hinaushebt. Jede große Dichtung spricht fundamentale menschliche Wahrheiten an und kann daher im Sinne eines emanzipatorischen Strebens interpretiert werden. Balzac zum Beispiel war konservativ und autoritätsgläubig, ein Royalist, Napoleonverehrer und Fürsprecher des Patriarchats. Aber die visionäre Kraft seiner Darstellung  von Mensch und Gesellschaft machen ihn nicht nur zu einem Markstein der Romangeschichte sondern auch zum Pionier kritischer Sozialanalysen. Auf diese Weise gelangen viele Deutungsversuche in den Sog einer Höhenzone der Universalität, in der die Gebundenheit des großen Schriftstellers an Zeit und Raum aufgehoben und sein Werk gleichsam in den Besitzstand der Menschheitskultur integrierbar erscheint.

Stellt sich jedoch heraus, dass auch die Universalität der großen Dichter starke Wurzeln im Bereich soziokultureller Konditioniertheit besitzt, gerät eine Literaturbetrachtung der oben skizzierten Art in Schwierigkeiten. In dem Maße als die Balzacforschung, um das angeführte Beispiel fortzuführen, das von diesem Schriftsteller immer wieder als sein Hauptcharakteristikum beanspruchte Streben nach Totalität als Grundzug des gesamten Oeuvres ernst nimmt und mit dem kulturhistorischen Kontext in Verbindung bringt, kann sie zu der Auffassung gelangen, dass der Schöpfer der Comédie humaine, der als Mann der Feder das Werk des Schwertmenschen Napoleon vollenden wollte, mit seinem Drang nach Herrschaft über die Sprache in ihrer Funktion als Instrument der Welterfassung in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts keineswegs allein steht. Von Chateaubriand bis Zola und Proust lässt sich ein vergleichbarer Drang zum sprachlichen Ordnen und Bändigen einer als chaotische „Natur“ Widerstand leistenden Wirklichkeit – der Kosmos einerseits, (noch) nicht zivilisierte Bereiche der Gesellschaft andererseits – beobachten. [13] Der Literaturhistoriker kann durch das Studium der Texte und Kontexte beobachten, wie sich dieser Kampf des homme civilisé gegen den Widerstand des Materiellen und Barbarischen in unzähligen Varianten gestaltet, nicht nur während des 19. Jahrhunderts sondern lange davor und lange danach. Er kann auch feststellen, dass dieser Kampf in den Werken der französischen Schriftsteller auf wesentlich dramatischere Weise tobt als in benachbarten Literaturen. Gewarnt durch die Geschichte der deutschen Romanistik und ihrer ideologisch belasteten Unterscheidungen von Zivilisation und Kultur, wird der Forscher spätestens an diesem Punkt seiner Reflexionen nach tragfähigen Arbeitshypothesen im Lichte aktueller Literatur- und Kulturtheorien suchen müssen. Eine Anbindung des literaturhistorischen Ansatzes an Positionen anderer Disziplinen, von denen aus die Bedeutung der neuzeitlichen Zentralisierung als Spezifikum Frankreichs in Verbindung mit der Herausbildung einer Elitekultur mit dem Anspruch auf universelle Geltung deutlich wird, erscheint vielversprechend. [14]   Im Licht langwelliger Entwicklungen des kulturellen Lebens präsentiert sich schließlich der Drang nach Herrschaft über die Sprache und zivilisatorischer Bändigung des Realen als ein Ideal der maîtrise, das sich seit dem 17. Jahrhundert des „honnête homme“ im Rahmen der société polie von Paris/Versailles entwickelt hat und in gewandelter Form über alle Revolutionen hinweg zu überdauern vermochte. Ein System von kulturellen Normen und Werten, so könnte man in Anlehnung an einen Leitgedanken von Niklas Luhmann formulieren, definiert sich sowohl durch seine Besonderheit als auch durch die Widerstände seitens anderer Systeme, die seinem Expansionsdrang Grenzen setzen. [15]  

Der Versuch, die Komplexität kulturhistorischer Prozesse durch ein Forschungskonzept, wie es oben angedeutet wurde, zu erfassen, mag vermessen wirken. Immerhin geht es darum, sowohl im Binnenraum einer Gesellschaft als auch im Rahmen der Begegnungen dieser Gesellschaft mit anderen ein Wechselspiel von Konflikten und Kompromissen, Normsetzungen und Normbrüchen, so zu beleuchten, dass das Spezifische dieser Gesellschaft und ihrer Kultur weder der Erstarrung des Essentialismus anheim fällt noch vom Strudel der Details und Differenzen in die Pseudo-Universalität des Beliebigen gerissen wird. Verfolgt man die Diskussionen der Kulturtheoretiker während der letzten Jahrzehnte, so zeichnet sich hinter der Vielfalt der Gewichtungen immer wieder das Bemühen ab, das Prinzip der Überschreitung mit dem Prinzip der Behauptung auf einen Nenner zu bringen. Misst etwa Jurij Lotman dem Problemkreis der Grenze zwischen Kulturen besondere Bedeutung bei, [16] warnen Vertreter der Postcolonial Studies vor der Vereindeutigung des Kulturellen. [17] Identität ist entscheidend für den Kulturbegriff von Walter L. Bühl, wenn er Kultur definiert als die                                      

Fähigkeit zur schöpferischen Veränderung, wobei allerdings auch diese Veränderungen eine gewisse (...) Identitätslinie einhalten bzw. einer gemeinsamen Grundkonfiguration oder generativen Matrix entspringen müssen. Kultur ist die Identität in der Veränderung, oder umgekehrt: Kultur ist fortwirkende Kreativität. [18]

Dagegen setzen Michel Espagne und Michael Werner im Rahmen des Pariser Centre National de la Recherche Scientifique [19] ganz andere Schwerpunkte, wenn sie zur wissenschaftlichen Erfassung einer als gegenseitige Durchdringung verstandenen Interkulturalität Begriffe wie Transkulturalität und Kulturtransfer zum Einsatz bringen. Ein vor wenigen Jahren veröffentlichter Sammelband zum Fragenkreis der Interkulturalität sucht die Vielfalt der Beiträge durch die verbindende Klammer des Spannungsfeldes zwischen dem Archiv der Identitätskonstrukte und der „Inszenierung der Fremdbilder“ zusammenzuhalten. [20]

Zweifellos verläuft der Weg zu brauchbaren Lösungen über das Zusammenwirken verschiedener Disziplinen. Unabhängig von einander haben der romanistische Literaturwissenschafter Erich Köhler und der Soziologe Norbert Elias beobachtet, dass gerade in Perioden kultureller Hochblüte (Mittelalter der Trobadors, Frankreich im 17. Jahrhundert) konkurrierende Sozialmächte Formen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens finden, welche die Herausbildung einer nach universeller Geltung strebenden Elitekultur fördern. [21] Wenn gesellschaftliche Zwänge und/oder konvergierende Interessen ein gewisses Maß an Zentripetalkräften innerhalb einer historischen Gemeinschaft hervorrufen, so der verbindende  Grundgedanke, der sich aus beiden Ansätzen ableiten lässt, wirken Austausch und Konkurrenz zwischen verschiedenen Gruppen und Instanzen im Sinne der Erschaffung von mehr oder weniger dauerhaften Normen und Werten, welche sich als hegemoniales Kultursystem konstituieren können. Aus diesem Spiel von Standardisierung und Alterität, so kann vermutet werden, erwächst die besondere Eigenart einer Kultur-Geschichte, auch wenn stets zu berücksichtigen ist, dass keine Kultur, mag sie auch noch so regelbestimmt und selbstbezogen erscheinen, von ihrer Umgebung auf Dauer getrennt und unbeeinflusst existieren kann. Bezugnehmend auf das "Lebenswelt"-Konzept, wie es Jürgen Habermas definiert (stabiler Hintergrund geteilter Überzeugungen und Werte, vor dem sich alltägliche Kommunikationsvorgänge abspielen), formuliert Axel Honneth aus soziologischer Sicht:

Gesellschaften reproduzieren sich (...) dadurch, daß ihre Mitglieder die interpretative Tätigkeit der vorangegangenen Generationen fortsetzen, indem sie die lebensweltlich gespeicherten Wertorientierungen und Situationsdefinitionen intersubjektiv tradieren; dieser Prozeß der symbolischen Reproduktion einer Gesellschaft bewegt sich innerhalb der drei Dimensionen der kulturellen Tradierung, der sozialen Integration und der individuellen Sozialisation. [22]

Da die Literatur in diesen Prozess eingebunden ist, indem sie das hegemoniale System von Normen und Werten konsolidiert, nach seinen Schwachpunkten sucht, seine Anpassung an "äußere" Widerstände reguliert, gleicht keine Literaturgeschichte der anderen, obgleich jede Literaturgeschichte mit anderen verflochten ist.

6. Interkulturelle Literaturwissenschaft

Soll diese Studie im Gedenken an den Paukenschlag, durch den einst Hans Robert Jauss die romanistischen Literaturwissenschafter aufhorchen ließ, [23] einen Paradigmenwechsel ankündigen ? Angesichts einer Entwicklung der Grundlagenforschung, die längst im Gange ist, erübrigen sich volltönende Proklamationen. Hingegen erscheint es sinnvoll, den Gang der Wissenschaftsgeschichte mitdenkend und nach eigenen Standpunkten suchend zu verfolgen, um allenfalls fruchtbare Perspektiven zu öffnen und zum Vermeiden von Sackgassen beizutragen. 

Etwas zu schematisch und zudem von einer gewissen Einseitigkeit geprägt erscheint der Versuch von Udo Schöning, einer interkulturellen Literaturwissenschaft ihr theoretisches Rüstzeug zu geben. [24] Als Betätigungsfeld derselben sieht er die Gesamtheit der kulturellen Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern an, deren literarische Auswirkungen zu untersuchen wären. Dabei unterliegen die Literaturen, deren Berührungspunkte erkundet werden sollen, Bewertungen, die ein hierarchisches Gefälle zwischen ihnen von vornherein als gegeben erscheinen lassen.

Chaque art a certes ses traditions et chaque société ses oeuvres préférées, mais ce sont les civilisations développées qui écrivent une histoire de l‘art [25]

Diese entwickelten Zivilisationen sind identisch mit den westlichen Gesellschaften, die sich durch „affirmation de valeurs universelles comme les droits de l’homme“ qualifiziert haben. Eine solche Stellungnahme lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Wir sagen Kultur und meinen die europäische oder westliche Zivilisation. Damit stellt sich der Beitrag Schönings in eine Tradition der Eurozentrik, die vor ihm so viele andere an ihrer Fahnen hefteten, so z. B. Urs Bitterli in seiner populären Darstellung der Kontakte zwischen "Wilden" und "Zivilisierten":

Hier zeigt sich ein Vorteil der abendländischen Kultur, der wohl auf weite Sicht folgenreicher blieb als die militärisch-technische Überlegenheit, und darauf beruhte, daß diese Kultur, im Verlaufe einer langen und äußerst wechselvollen Geschichte der Aneignung, Umsetzung und Ablehnung fremder Einflüsse, sich bei allem Vermögen zum Wandel und zur Erneuerung eine kraftvolle Dynamik ihrer Entwicklung hatte bewahren können. [26]  

Solche Ansätze zeigen, wie wenig auch Wissenschafter gegen Vorurteile immun sind und wie wichtig es ist, auf der Suche nach einem soliden theoretisch-methodologischen Standpunkt die Geschichtlichkeit des Forschenden kritisch zu reflektieren. Zu beherzigen ist sicherlich die Warnung von Eberhard Lämmert, wenn er daran erinnert, dass die Leistungen der Literaturwissenschaft als „schöner Zierrat zur Repräsentanz einer glanzvollen oder auch einer usurpatorischen Herrschaft“ missbraucht werden können: „aber ernstlich taugen sie vor allem in Notlagen und für notleidende Völker, Klassen, Minderheiten oder auch Einzelgänger“. [27] Das hier angesprochene Gefälle zwischen Hegemonie und Defensive stellt eine große Herausforderung für jede interkulturell orientierte Literaturanalyse dar, da es nicht ohne weiteres und auf den ersten Blick aus der Vielfalt und den stilistischen Strategien der Texte ableitbar ist.

Um die hier auftretenden Probleme in den Griff zu bekommen, ist es vermutlich angezeigt, sich an die wahrhaft kopernikanische Wende zu erinnern, welche das Werk von Michail Bachtin für die Literaturtheorie bedeutet, wenn es durch das Prinzip der im Text wirkenden Dialogizität die isolierenden Tendenzen des Formalismus überwindet, ohne die kreative Freiheit der Sprachkunst durch eine verengte Sicht auf soziale Zusammenhänge einzugrenzen. Auf dem Boden des von Bachtin erschlossenen Mikrokosmos der Redevielfalt hat sich das Intertextualitätskonzept von Julia Kristeva entfaltet und zunächst (entsprechend der Grundtendenz des sogenannten Poststrukturalismus) alle hierarchisierenden und essentialistischen Zugänge zu Kultur und Literatur obsolet erscheinen lassen. In dem Maße als ein solcher Ansatz mit ausufernder Chaotik assoziiert wurden, meldeten sich Widerstände. [28] Andererseits haben Bestrebungen, die normbrechenden Kräfte der Intertextualität durch ihre Einbindung in historische Prozesse gleichsam zu bändigen und für den Entwurf neuer theoretisch-methodologischer Konzepte ohne ideologische Verkürzungen zu nützen, ständig an Bedeutung gewonnen. Im Frankreich des Poststrukturalismus haben Gilles Deleuze und Félix Guattari versucht, am Beispiel Kafkas und anderer Vertreter von „littératures mineures“ einen in allen Kulturen existierenden Gegensatz zwischen elitär-standardisierenden Tendenzen in der Literatur und der entgrenzenden Kraft des revolutionären Umgangs mit der Sprache zu konstruieren. [29] Dieser Auffassung entsprechend würde das Phänomen der „déterritorialisation“  für einen Kreis von hervorragenden Schriftstellern und Lesern einen Universalraum der Freiheit eröffnen, wo, um das Beispiel Kafka heranzuziehen, die Eigenheiten von deutscher oder tschechischer oder jiddischer Literatur keine Rolle mehr spielen würden. Auf ähnliche Weise inspiriert der Gegensatz von Norm und Antinorm auch das Konzept von Bernard Mouralis, wenn er die „contre-littératures“ in Opposition zur „littérature avec majuscule“ bringt [30]   und auf diese Weise ein älteres Modell der französischen Literaturgeschichtsschreibung, das die Vorherrschaft der von Paris geprägten Produktion über die „littératures annexes et marginales“ betont, [31] außer Kraft setzen will.

Diesen Ansätzen ist gemeinsam, dass sie zwar die „kleinen“ Literaturen aufzuwerten versuchen, aber die Vorherrschaft der „großen“, kulturell dominanten Produktionen als eine Selbstverständlichkeit betrachten und auf eine kritische Beurteilung derselben aus dem Blickwinkel der Ränder verzichten. Eine Bestandsaufnahme literaturhistorischer Verflechtungen im Lichte einer ausgewogenen Gegenüberstellung von „cultures dominantes“ und „cultures dominées“ kann sich jedoch auf die Ergebnisse einer Forschungsrichtung stützen, die den Zusammenhang zwischen Literatur und Gedächtnis seit einigen Jahrzehnten mit Erfolg problematisiert. Bahnbrechende Arbeiten wie jene der Slawistin Renate Lachmann oder der Anglistin Aleida Assmann [32] haben gezeigt, wie sich Literatur am Sich-Fortschreiben der Kultur beteiligt und dabei nicht nur für affirmatives Speichern von gesellschaftlich relevantem Wissen sorgt, sondern auch für das Verdrängen und Verschweigen von Inhalten, die nicht zur Selbstdeutung von Gemeinschaften in bestimmten historischen Konstellationen passen.

In literarischen Texten, stärker noch aber in dem Raum, der zwischen ihnen liegt, in den Strategien, die zwischen Texten vermitteln, bildet sich virtuell die Grammatik einer Kultur ab. Eine zentrale Leistung dieser Grammatiken ist die Herstellung von Einheitlichkeit. Kulturen gewinnen Konturen, indem sie ihre Grenzen „modellieren“, also indem sie bestimmen, was in ihnen möglich ist und was nicht, was „kultiviert“ und was „unkultiviert“ ist. [33]

Eine interkulturelle Literaturwissenschaft kann die machtpolitischen Voraussetzungen untersuchen, unter denen sich in einer bestimmten Gesellschaft das im obigen Zitat angesprochene Einheitsstreben im Spiel der Vorbildlichkeiten und Exklusionen vollzieht. Sie kann darüber hinaus nach der Wandlungen und Permanenzen des sich im Sinne der genannten Vereinheitlichungstendenz formierenden Systems von Normen und Werten fragen, nach seiner mehr oder weniger konfliktgeladenen Berührung mit anderen Systemen. In nicht wenigen Fällen wird sie es mit kulturellen Interpenetrationen zu tun haben, die das Ergebnis imperialer Expansionen sind und ein Gefälle erzeugen, das hegemoniale Reflexe und Kompensationsphänomene begünstigt. Zur Sicherung ihrer empirischen Basis wird sie sich auf alle Theorien und Verfahren der Textanalyse stützen, vom linguistisch orientierten Formalismus bis zur Literatursoziologie und Rezeptionsästhetik, dabei aber stets ihr Augenmerk auch auf die Einbindung literarischer Phänomene in Prozesse der Durchsetzung oder der Abwehr kollektiver Selbstdeutungen durch Oberschichten mit dem Habitus gebildeter Eliten richten.

Das privilegierte Betätigungsfeld der interkulturellen Literaturwissenschaft darf im Bereich einer neuartigen Literaturgeschichtsschreibung vermutet werden. Dieselbe wird sich nicht an Sprachgrenzen halten, auch nicht nach Grenzen etablierter Nationalstaaten, sondern ihre Darstellungen nach Arealen richten, in denen von geschichtlichen Prozessen mit Durchsetzungskraft ausgestattete oder in Defensivpositionen gedrängte Elite-Standards des gesellschaftlichen Wissens, Denkens und Fühlens Rahmenbedingungen für mehr oder weniger breitenwirksame Diskurse und deren experimentelle Bearbeitung durch Sprachkunst hervorrufen, bzw. mit anderen Standards und anderen Literaturen in Interaktion treten. Eine solche Betrachtungsweise schließt beschönigende Darstellungen von Austausch und Dialog zwischen Kulturen, wie sie beispielsweise vor einigen Jahren zu heftigen Polemiken führten, als es um die Erneuerung der Germanistik durch eine intensive Berücksichtigung deutsch-afrikanischer Literaturbeziehungen ging, von vornherein aus.

Anstelle einer Außenperspektive, die die deutschen Studierenden nicht einnehmen können, könnte die Praxis des Kulturaustausches so aussehen, daß mit dem Einbeziehen fremdkultureller Literaturen der Rahmen einer interkulturellen Germanistik gesprengt wird, was innerhalb der Germanistik nicht möglich ist. (...) Ein auf Modernisierung im Sinne einer Veränderung der Realität ausgerichtetets autonomes Denken müßte den institutionellen Rahmen des Faches aufgeben und von einer interkulturellen Germanistik zu einer interkulturellen Literaturwissenschaft übergehen, die wiederum keine Komparatistik im herkömmlichen Sinne wäre. [34]

Interkulturelle Literaturwissenschaft hält sich nicht mit dem Vergleichen und Konfrontieren verschiedener Literaturen auf, sie will nicht nur das Verbindende suchen. Vielmehr geht es ihr darin, das kritische-experimentelle Potential der Literatur auf diskursanalytischem Wege für eine Erkenntnisarbeit zu nutzen, welche das Streben menschlicher Gemeinschaften nach Affirmation des Eigenen und Distanzierung oder Vereinnahmung des Fremden durchleuchtet und auf diese Weise einen Beitrag zur Gegenwartsbewältigung leisten kann. Die Last der memoria abzuschütteln und alle Kraft auf die Lösung aktueller Überlebensfragen zu richten, so wie es sich manche angesichts scheinbar unüberwindlicher Konflikte der Weltpolitik wünschen, [35]   bedeutet letztlich kein Lösen sondern nur ein Verdrängen von brennenden Problemen. Wer die Identitätsmythen zur Tür hinauswirft, riskiert ihre Rückkehr über Dachluken oder Kellerfenster. Eine Literaturwissenschaft, die sich im Zeichen interdisziplinärer Öffnung der Frage widmet, wie sich das Trennende in der Geschichte konstituiert hat und welcher interkulturellen Logik der Gegensatz des Eigenen und des Anderen gehorcht, kann hingegen zur Aufweichung identitärer Verhärtungen beitragen und auf diese Weise eine aufklärerische Funktion wahrnehmen, durch die sie sich den Herausforderungen ihres Bildungsauftrages mit Erfolg stellen kann.

                                                                                              Fritz Peter Kirsch



[1]    Vgl. Ansgar Nünning (Hg.), Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart, Metzler, 1998.

[2] Vgl. Reinhart Hummel, Religiöser Pluralismus oder christliches Abendland ? Herausforderung an Kirche und Gesellschaft, Darmstadt (Wiss. Buchges.) 1994.

[3]   H. Fennes/B. Gruber/D. Larcher, u.a., Grenzübergänge. Schulkontakte als interkulturelle Begegnung. Erfahrungen, Methoden, Beispiele, Abteilung für Internationale Beziehungen und Austausch des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, Wien 1993, 152.

[4]   Vgl. z. B. Dietmar Larcher, Fremde in der Nähe. Interkulturelle Bildung und Erziehung im zweisprachigen Kärnten, im dreisprachigen Südtirol, im vielsprachigen Österreich, Klagenfurt/Celovec 1991, 7O : "Interkulturelle Erziehung betont die Pluralität der Gesellschaft und erkennt die Existenz konkurrierender Lebensweisen und Lebenswelten an - als Basis für eine konstruktive Weiterentwicklung des Zusammenlebens auf der Grundlage von Integration bei gleichzeitigem Recht auf Verschiedenheit."

[5]   Uwe Dethloff, Interkulturalität und Europakompetenz. Die Herausforderung des Binnenmarktes und der Europäischen Union, Tübingen, Stauffenberg, 1993, 61.

[6]    Sayed Fathi, "Interkulturelle Probleme ägyptischer Studenten beim Erlernen einer Fremdsprache (Deutsch)", Moderne Sprachen 39, 3-4, 1995, 15O.

[7] « Was einstmals die biologische Rasse war, ist heute die „Kultur““ (Bernd Matouschek/ Ruth Wodak, „Rumänen, Roma… und andere Fremde“, in: Gernot Heiss/ Oliver Rathkolb (Hg.), Asylland wider Willen. Flüchtlinge in Österreich im europäischen Kontext seit 1914, Wien, Dachs, 1995, 211. Vgl. auch Ruth Amossy, « Sociocritique et argumentation : L’exemple du discours sur le « déracinement culturel » dans la Nouvelle Droite », in : Jacques Neefs/ Marie Claire Ropars (éd.), La Politique du texte. Enjeux sociocritiques, Lille, PULille, 1992, 29-50 ; Colette Guillaumin, « Quelques considérations sur le terme « culture » », in : Ethnicisation des rapports sociaux. Racismes, nationalismes, ethnicismes et culturalismes, Paris, L’Harmattan, 1994.

[8] „Cultural Studies sind ein rigoroser Versuch, politische und intellektuelle Arbeit zu kontextualisieren“ (Lawrence Grossberg, „Die Definition der Cultural Studies“, in: Lutz Musner/ Gotthart Wunberg (Hg.), Kulturwissenschaften. Forschung, Praxis, Positionen, Freiburg i. Br., Rombach, 2003, 50).

[9]   Udo Göttlich, „Zur Epistemologie der Cultural Studies in kulturwissenschaftlicher Absicht: Cultural Studies zwischen kritischer Sozialwissenschaft und Kulturwissenschaft“, in: Udo Göttlich u. a. (Hg.), Die Werkzeugkiste der Cultural Studies, 17.

[10] „Dem zunächst befreiend wirkenden Blick auf Konsum- und Kulturverhalten der arbeitenden Klassen folgte alsbald ein Rigorismus des kulturellen Ausschlusses der anderen Seite.“ (Barbara Naumann, „Wenn alles Kultur ist“, Die Zeit 30. September 1999, 57). Als Research Fellow des Wiener IFK nimmt sich der Amerikanist Winfried Fluck vor, das grundlegende „kulturtheoretische Problem kritisch abzuwägen, dass die Disziplin Cultural Studies sich bisher vor allem als eine Disziplin auf der Suche nach kulturellem Widerstandspotential verstanden hat. Wenn diese Prämisse aber (...) nicht mehr aufrechterhalten werden kann, dann stellt sich die Frage, auf welcher anderen theoretischen Basis eine kritische Fundierung des Gegenstandes möglich ist.“ ((IFKNOW, Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften, Wien 2 2004, 22).

[11] Christian Gerbel/ Lutz Musner, „Kulturwissenschaften : Ein offener Prozess“, in: Lutz Musner/ Gotthart Wunberg (Hg.), Kulturwissenschaften. Forschung, Praxis, Positionen, Freiburg i. Br., Rombach, 2003, 17.

[12]   Henri Giroux/ David Shumway/ Paul Smith/ James Sosnoski, The Need for Cultural Studies: Resisting Intellectuals and Oppositional Public Spheres, http://eserver.org/theory/need.html

[13]   Vgl. Fritz Peter Kirsch, Epochen des französischen Romans, Wien, WUV, 2000 ; Id., Écrivains au carrefour des cultures. Études de littérature occitane, française et „francophone“. Estudis de literatura occitana e francofòna, Bordeaux, Presses universitaires, 2000.

[14] Vgl. z. B. die Arbeit des Sozialhistorikers Robert Muchembled, L’Invention de l’homme moderne. Sensibilité, mœurs et comportements collectifs sous l’Ancien Régime, Paris, Fayard, 1988.

[15] Zur Anwendbarkeit der Theorien des Soziologen Niklas Luhmann auf andere Kulturwissenschaften vgl. Klaus-Dieter Ertler, „La Théorie des systèmes luhmanienne: un nouveau paradigme en sciences sociales ?“, Philosophiques, Revue de la Société de philosophie du Québec XXI, 1, Printemps 1994, 3-18.

[16]   Vgl. Jurij Lotman, The Universe of the Mind. A Semiotic Theory of Culture, London-New York 1990.

[17]   „Kultur ist in einem synchronischen Bild versteinert, platt und befremdlich simpel und einstimmig, und wird dann mit anderen Kulturen kontrastiert, die ebenso um des Vergleiches willen vereinfacht werden. Auf diese Weise sprechen wir von der afrikanischen Kultur als „traditionell“ im Gegensatz zur abendländischen Kultur , als ob es eine afrikanische Kultur oder eine abendländische Kultur in der Einzahl geben könnte und als ob Kultur nicht ihrer Natur nach ein ständiges Zusammenprallen von widersprüchlichen Kulturformen wäre.“ (Paulin J. Hountondji, Afrikanische Philosophie. Mythos und Realität, Berlin, Dietz, 1993 (1977), 191).

[18]    Walter Bühl, Kulturwandel. Für eine dynamische Kultursoziologie, Darmstadt, WBG, 1987, 164.

[19] Vgl. Michel Espagne (dir.), Philologiques III. Qu’est-ce qu’une littérature nationale ? Approches pour une théorie interculturelle du champ littéraire, Paris, Éd. de la Maison des Sciences de l’Homme, 1994.

[20]    Vgl. Stefan Rieger/ Schamma Schahadat/ Manfred Weinberg (Hg.), Interkulturalität: Zwischen Inszenierung und Archiv, Tübingen, Narr, 1999.

[21] Vgl. Fritz Peter Kirsch, „Von Erich Köhler zu Norbert Elias und weiter. Romanistische Perspektiven einer interkulturellen Literaturwissenschaft“, in: Frank Estelmann/ Pierre Krügel/ Olaf Müller (Hg.), Traditionen der Entgrenzung. Beiträge zur romanistischen Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt/Main, Lang, 2003, 157-170

[22] Axel Honneth, Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie, Frankfurt/M., Suhrkamp, 1985, 318.

[23]   Vgl. Hans Robert Jauss, Literaturgeschichte als Provokation, Frankfurt/M., Suhrkamp, 1970.

[24]   Vgl. Udo Schöning, „Sur la notion d’interculturalité et ses rapports avec l’histoire littéraire“, Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 19, 3-4, 1995.

[25]    Udo Schöning, „Sur la notion d’interculturalité“, 434.

[26] Urs Bitterli, Die Wilden und die Zivilisierten. Grundzüge einer europäisch-überseeischen Begegnung, München 1976 167. Vgl. dazu Franz Wimmer, Interkulturelle Philosophie. Geschichte und Theorie, Bd. I, Wien (Passagen Verlag) 199O, 15: "(...) nicht nur auf dem Gebiet der Philosophiegeschichte, wohl aber auch hier, ist die Gleichsetzung der Geschichte überhaupt mit der Geschichte der europäischen Menschheit immer noch die natürlichste Assoziation."

[27]   Eberhard Lämmert, „Literaturwissenschaft – ein artistisches Fach“, Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 14 1990, 377.

[28]   Vgl. Klaus W. Hempfer, „Intertextualität, Systemreferenz und Strukturwandel“, in: Michael Titzmann (Hg.), Modelle des literarischen Strukturwandels, Tübingen, Niemeyer, 1991, 7-43.

[29]   „Les trois caractères de la littérature mineure sont la déterritorialisation de la langue, le branchement de l’individuel sur l’immédiat-politique, l’agencement collectif d’énonciation. Autant dire que « mineur » ne qualifie plus certaines littératures, mais les conditions révolutionnaires de toute littérature au sein de celle qu’on appelle grande (ou établie).“ (Gilles Deleuze/ Félix Guattari, Kafka. Pour une littérature mineure, Paris, Minuit, 1975, 33).

[30]   Vgl. Bernard Mouralis, Les Contre-littératures, Paris, PUF, 1975 ; Id., « Les Littératures dites marginales ou contre-littératures », in : Henri Béhar/ Roger Fayolle, L’Histoire littéraire aujourd’hui, Paris, Colin, 1990, 31-40.

[31]   Vgl. Raymond Queneau (dir.), Histoire des littératures III. Littératures françaises, annexes et marginales, Paris, Pléiade Gallimard, 1967.

[32]   Vgl. Renate Lachmann, Gedächtnis und Literatur. Intertextualität in der russischen Moderne, Frankfurt/M., Suhrkamp, 1990; Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, München, Beck, 1999.

[33]   Wolfgang Struck, „Soziale Funktionen und kultureller Status literarischer Texte oder: Autonomie als Heteronomie“, in: Miltos Pechlivanos u. a. (Hg.), Einführung in die Literaturwissenschaft,, 197.

[34]   N. Ndong, Entwicklung, Interculturalität und Literatur. Überlegungen zu einer afrikanischen Germanistik als interkultureller Literaturwissenschaft, München, Iudicium, 1993, 61.

[35]   Vgl. Jürgen Wertheimer, Krieg der Wörter. Die Kulturkonfliktslüge, Marburg, LiteraturWissenschaft, 2003.