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Zur Figur des „voyageur“in der französischsprachigen Literatur Québecs

In seinem bekanntesten Text, dem Roman Menaud maître-draveur scheint es Félix-Antoine Savard daran zu liegen, den Leser gleich zu Beginn über die weltanschauliche Orientierung des Werkes aufzuklären. Indem er seinen Protagonisten mit der Botschaft der inneren Stimmen aus Louis Hémons Maria Chapdelaine konfrontiert und keinen Zweifel daran läßt, daß Menaud sein Leben in den Dienst dieser Botschaft stellen wird, bezieht der Autor ganz offensichtlich Position im Sinne eines konservativen Nationalismus, wie er über die traditionalistischen Theoretiker wie Lionel Groulx und Camille Roy bis zu der Histoire du Canada von François-Xavier Garneau zurückverfolgt werden kann. Savards Buch ist auch stets als ein Paradetext der messianistischen Survivance-Ideologie, wie sie vor der „Révolution tranquille“ im vom Klerus dominierten Québec dominierte, interpretiert worden.

Über einen gewissen Widerspruch, der mit der sozialen Conditio des Savardschen Helden zusammenhängt, sind die Kommentatoren aber immer wieder hinweggegangen. Der Text, den sich Menaud von seiner Tochter vorlesen läßt, verweist auf den seelischen Zwiespalt von Hémons Protagonistin. Am Ende eines inneren Kampfes, in dem die Stimmen die eine Partei repräsentieren und das Glücksstreben des jungen Mädchens die andere, steht Marias Entschluß, dem bäuerlichen Leben mit all seinen Entsagungen treu zu bleiben, d. h. die Seßhaftigkeit den Lockungen der Emigration (in das bequemere Stadtleben der USA) vorzuziehen. Menaud maître-draveur, der sich so explizit auf den Text des von Savard als Wegbereiter geschätzten Hémon bezieht,  orientiert sich aber keineswegs an der für Maria Chapdelaine charakteristischen Feier der Ortstreue. Im Gegenteil: Obgleich sich Menaud einst durch den Einfluß seiner Frau an sein Stück Land gebunden fühlte, ist er der geborene Nomade. Mit dem Beginn der Romanhandlung ist er bereits verwitwet und folgt nun immer mehr seinen Jägerinstinkten. [1] Wenn der alte Flößer zusammen mit seinen Kameraden zu seiner Arbeitsstätte aufbricht, so assoziiert er diese Wanderung mit den Heldentaten der Waldläufer von einst.

(...) le vieux maître-draveur se leva soudain, lança quelques bûches dans le brasier et commença de parler comme s’il eût été à lui seul tout un peuple et qu’il eût vécu depuis des siècles. Les randonnées des coureurs de bois, les portages, les rapides, tout le pays qu’on avait découvert, tout ce qu’avaient enduré explorateurs, colons, missionnaires, il dépeignait tout cela avec ses mots, ses gestes à lui, comme si tout s’etait passé de son temps entre le rang de Mainsal et le mont à Basile. [2]

Aber der Auszug der Waldarbeiter endet mit einer Katastrophe, dem Tod von Menauds Sohn, der einem Arbeitsunfall zum Opfer fällt. Am Ende des Romans wird sich der Protagonist noch einmal auf den Weg machen. Auch diesmal zielt das Wandern auf die Aktualisierung der Vergangenheit ab; nun aber begnügt sich Menaud nicht mehr mit ideeller Vergegenwärtigung des Heldenzeitalters der Pioniere, sondern will „tout le clan des libres chasseurs“ gegen die fremden Unterdrücker mobilisieren. Diesmal ist sein Scheitern endgültig. Menaud findet weder Verbündete noch Gegner und bricht inmitten der schweigenden Wälder physisch und psychisch zusammen. Dieser Untergang findet eine Parallele in Maria Chapdelaine, wo der von der Heldin geliebte Waldläufer François Paradis beim Versuch, durch die Winterwildnis zu seiner Braut zu gelangen, von der gnadenlosen Natur getötet wird. [3] Aber die Bewertung der jeweiligen Wanderungen durch die Erzähler ist grundverschieden. Während sich Hémons coureur de bois in sein Verhängnis durch Leichtsinn und Stolz selbst hineinmanövriert hat,  findet Menauds Handeln seine Motivation ausschließlich in seinem Pflichtbewußsein und in seiner Verbundenheit mit dem nationalen Erbe Québecs. Damit bestätigt sich, daß Savard seinen Roman nicht als überhöhende Weiterführung von Maria Chapdelaine konzipiert hat, sondern als Replik, welche bei aller Bewunderung für die Leistung Hémons auf gewisse Korrekturen abzielt. Die Seßhaftigkeit des Bauern ist nicht Menauds Sache. Schon als Kind hat er durch die Erzählungen eines Onkels die Faszination des Lebens in der Wildnis – „de faire l’outarde et de filer vers les Pays-d’en-Haut“ – kennengelernt. [4] Sein Status als Flößer stellt nur eine Notlösung dar, fließt doch das Blut der alten Waldläufer-Pioniere in seinen Adern. Die Katastrophen, die sein persönliches Schicksal bestimmen, werden nicht durch Hybris hervorgerufen, sondern ereignen sich dann, wenn er aufbricht, um das Erbe der heroischen Nomaden, Entdecker und Eroberer von einst anzutreten. Menaud scheitert an der Übermacht einer feindlichen Natur und einer desaströsen Geschichte, welche den Besiegten keine Chance läßt.

Durch ein solches Romankonzept bezieht Savard Stellung, sowohl in der Geschichte des quebeckischen Romans als auch im lebensweltlichen Zusammenhang seines Schaffens. Die Ambiguität der Waldläuferfigur im Rahmen des frankokanadischen Nationaldiskurses verweist ja auf die Zeiten der Nouvelle France zurück, als die Kirche  den ungebundenen Lebensstil der „voyageurs“, welche in das Innere des zunächst für sie sehr fremden Kontinents vordrangen und dabei zahlreiche Sozialnormen und Wertvorstellungen ihrer Ursprungswelt abstreiften, mit Argwohn betrachtete. Diese Abenteurer, welche sich mit den Autochthonen nur zu häufig verbrüderten oder verschwägerten und dabei viele Elemente der anderen Kultur übernahmen, waren andererseits die Speerspitze der europäischen Zivilisation in der Neuen Welt. Das Prestige der coureurs de bois gehörte sozusagen zum mentalitätsgeschichtlichen Urgestein, auf dem die frankophone Bevölkerung ihr Selbstbewußtsein aufbaute. [5] In einer heute schon klassischen Darstellung hat Denis Monière gezeigt, wie die „petits producteurs autonomes“ als Sozialkategorie neuen Typs ihren Pelzhandel organisierten und zugleich den Kontinent erforschten bzw. die Nouvelle France gründeten. [6] Nach der Conquête, als für die Besiegten das Ausschwärmen in die Weiten des Kontinents weniger selbstverständlich wurde und die voyageurs, statt unentwegt neue Gebiete zu erschließen, zu Trappern, Holzfällern und Flößern im Dienste der „Anglais“ wurden, war die Erinnerung an das Zeitalter der nomadisierenden Pioniere und Gründer einem gewissen Erosionsprozeß unterworfen. Alle Handbücher schildern, wie nach dem gescheiterten Aufstand von 1837 und Lord Durhams bedrohlichem Rapport aus dem Zusammenrücken der quebeckischen Eliteschichten (Klerus und „Pseudo-bourgeoisie“) eine Leitideologie erwuchs, welche die Figur des traditionsbewußten und ortstreuen Habitant ins Zentrum rückte. In neueren Darstellungen wird betont, daß diese Entwicklung keineswegs als Flucht in den Anachronismus gesehen werden muß, sondern, unbeschadet der Posaunenstöße vaterländischer Rhetorik, einem handfest an den sozio-ökonomischen Gegebenheiten orientierten Behauptungswillen der frankophonen Gemeinschaft entspricht. [7] An der Geschichte des frankokanadischen Romans läßt sich nun verfolgen, wie die Gestalt des Nomaden, komplementär zum Aufstieg der Habitantfigur, abgewertet oder zumindest an den Rand gedrängt wird. Schon in Patrice Lacombes La Terre paternelle (1840) erhält der Waldläufer, der zwar als Nestflüchter zeitweilig in ein schiefes Licht gerät, am Ende aber die Bauernfamilie vor dem Ruin rettet, die Funktion eines nur punktuell in die Handlung eingreifenden Deus ex machina.  Wenn sich die Literatur des 19. Jahrhunderts fallweise für den coureur de bois interessiert, so insistiert sie mit Joseph-CharlesTaché auf der Notwendigkeit, diese pittoreske und traditionsreiche Figur zu verchristlichen. [8] Aber in den Jean Rivard-Romanen von Gérin-Lajoie, [9] dieser Gebrauchsanweisung des Agrikulturismus, kann auf die Figur des Nomaden ganz verzichtet werden.

Sobald in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unter dem Druck der seit dem Ende des Bürgerkrieges in den USA den Kontinent erfassenden Welle von Industrialisierung und Urbanisierung das defensive Normensystem der Frankokanadier seine Haltbarkeit beweisen muß, erhält die Diskussion um das Erbe des Nomadentums großen Auftrieb. Maurice Lemire hat diesen Konflikt beschrieben:

Au milieu du XIXe siècle, la majeure partie de la population s’est sédentarisée sans toutefois que le désir de départ ne s’évanouisse. Il renaît sous une forme nouvelle: l’émigration vers les manufactures de la Nouvelle-Angleterre et la ruée vers l’or de la Californie. [10]

Die Polemik der Elite gegen die Abwanderung in die USA und den durch dieselbe bewirkten demographischen Aderlaß richtet sich naturgemäß auch gegen die zentrifugalen Tendenzen der Waldläuferfigur. Louis Hémon, vorgeprägt durch regionalistische Bewegungen Frankreichs, stellt sich auf den Boden des traditionalistischen Sektors der quebeckischen Leitideologie, wenn er neben dem Waldläufer François Paradis auch Lorenzo Surprenant, den Exponenten der US-amerikanischen Modernität, im Ringen um die Hand Marias scheitern läßt. [11]   In noch weit schärferer Form aber manifestiert sich die Abwehr in Les Engagés du grand portage von Léo-Paul Desrosiers (erschienen 1938, knapp nach Menaud Maître-draveur), wo massiv auf der Skrupellosigkeit des nur nach materiellem Gewinn und nach der Befriedigung seiner Machtgelüste strebenden coureur de bois Montour insistiert und gleichzeitig der stark negativ konnotierten Waldläuferfigur der moralisch einwandfreie Bauernsohn Louison Turenne, der am Ende zum Leben im Dorf zurückfindet, entgegengestellt wird. [12]

Versuchen wir, Savards Heldenfigur im Lichte der zeitgenössischen Waldläuferschelte zu deuten, so ist zunächst die ethische Tadellosigkeit Menauds zu vermerken. Auffallend ist aber eine eigentümliche Leere, die rund um den Protagonisten zu beobachten ist. Das Personal des Romans beschränkt sich auf die Tochter des Protagonisten, seine Arbeitskollegen und die Leute aus dem Dorf. Jenseits dieser kleinen Welt sind Kräfte wirksam, auf die sich die seelische Energie Menauds richtet, die aber nie direkt in Erscheinung treten: einerseits die Fremden, die das „pays“ bedrohen, aber nur in Form des Verräters Le Délié wirksam werden, andererseits die Waldleute, die Menaud zur Verteidigung mobilisieren will, die er aber im entscheidenden Augenblick nicht finden wird. Man könnte in Menaud einen Don Quijote sehen, der von seiner Hémon-Lektüre zu realitätsfernen Aktivitäten gedrängt wird und schließlich der definitiven Isolation des Wahnsinns verfällt, ohne daß dabei sein hoher ethischer Anspruch entwertet wird. Angedeutet wird, daß Menauds  möglicher Nachfolger, Alexis genannt Le Lucon, sowohl diesen Anspruch als auch dieses permanente Exil erben wird. Damit stellt sich aber neuerlich die Frage, auf welche Weise der Kirchenmann Savard dem Waldläuferproblem nähertreten will. Immerhin hat sich unser Autor im Québec der Zwischenkriegszeit aktiv für eine Politik der Rückkehr zur bäuerlichen Kolonisation engagiert und kann als prominenter Exponent des konservativen Nationalismus im Sinne der Union nationale gelten. [13] Aber hätte er nur eine harmonisierende Anpassung der Waldläuferfigur an das Habitant-Modell im Sinne der agrikulturistischen These bezweckt, wäre sein Text vermutlich anders, weniger widersprüchlich und „neurotisch“ ausgefallen.

Das Thema, das in Menaud maître-draveur dominiert, hat Savard später in einem Theaterstück noch wesentlich expliziter behandelt. Die Handlung von La Dalle-des-morts (1966) führt in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, als die Defensivreflexe der frankophonen Gruppe noch weniger ausgeprägt waren. Der den dramatischen Knoten bestimmende Gegensatz zwischen coureurs de bois und habitants wird hier ausdrücklich bis auf die Ursprünge der Nouvelle France zurückgeführt. Im Vorwort definiert Savard

(...) cette sorte de conflit qui, dès les premiers temps de la Nouvelle France, n’a cessé d’opposer les paysans sédentaires aux découvreurs, explorateurs et coureurs de bois. Ces voyageurs, comme on les appelait et dont on retrouve encore les traces jusque dans les plus lointaines régions de l’Amérique française, étaient, les uns, attirés par la traite des fourrures, les autres, poussés par un puissant désir de connaître à fond leur pays et par une sorte de passion sauvage de la liberté. [14]

Der angesprochene Gegensatz wird durch die Spannung zwischen den Geschlechtern vertieft. Über mehrere Generationen hinweg leben die den seßhaft-bäuerlichen Part verkörpernden Frauen in der ständigen Angst um die von einem mächtigen Drang nach der Ferne beseelten Männer.

(...) les maris désertent, les fils veulent partir (...), s’en aller, l‘âme au vent, et si loin que la pensée elle-même se refuse à les suivre. La terre est en souffrance; les maisons en souffrance (...) [15]

Dieses lockende Draußen kann in keiner Weise mit der räumlich de facto eingegrenzten Welt der Holzfäller und Flößer, welche das Geschehen in Menaud Maître-draveur bestimmt, verwechselt werden. Hier handelt es sich tatsächlich um die Unermeßlichkeit des Kontinents, welche in Form von Namen und Assoziationen über den Diskurs der Personen hereineinbricht.

MICHEL

Et maintenant, sur la Rivière-des-Français, c’est toute l’engeance des rapides enragés. Alors, pique ! mon gars. Pique à droire ! pique à gauche des roches cornues; et devant et derrière, pique les taureaux de la mort !

  GILDORE

Et au-delà, qu’y a-t-il, mon père ?

KANAOUI

Attigonatan.

THÉO

C’est le grand lac Huron, pays de ses ancêtres. Et là, comme dans un jardin de toutes îles, on voit les Pots-de-Fleurs, la Cloche, la Tombe-des-Géants et, au large, la belle Manitouline bleue, couleur de ciel et séjour des Manitous.

         ROSSIGNOLET

         Et, plus loin, c’est la Pointe-à-Thessalon, le Grand-Nibiche, le Petit-Nibiche; et puis, Sainte-Marie-du-Sault où, tous les voyageurs ensemble, jamais on n’a manqué de chanter le cantique à Notre-Dame. [16]

Die Auflistung von Toponymen, die bis in den Westen des heutigen Kanada führen, hat der dramatischen Spannung und damit dem Erfolg des Stücks nicht eben genützt. Aber die künstlerische Absicht Savards liegt auf der Hand: durch die Häufung von Sprachmaterial soll sich eine Welt von Konnotationen entfalten, welche die Handlung überhöht und sie mit einer an Prousts Magie der Namen erinnernden Emotionalität anreichert. Der Konflikt zwischen Bauern und Waldläufern löst sich bei dem Dramatiker Savard in der lyrischen Beschwörung einer abgründigen Sehnsucht nach dem für die Frankophonen verlorenen Kontinent.

Blicken wir nun von La Dalle-des-morts auf Menaud maître-draveur zurück, so erscheint der sich bei der Lektüre des Romans hervordrängende Eindruck der Unbestimmtheit und Widersprüchlichkeit in einem anderen Licht. Vordergründig bestätigt sich, daß das Buch vom alten Flößermeister in den Rahmen der Propagandaliteratur des Survivance-Traditionalismus gehört und auf die Abwehr von drohenden Eingriffen der „Fremden“ in traditionelle Lebensformen abzielt. Zugleich wird klar, daß dieser ganze Roman den schwindelerregend-unmöglichen Traum von der Bezwingung kontinentaler Weiten durch die Altvorderen feiert, mit denen sich die Heutigen gegen alle „Realpolitik“ solidarisch wissen. Menaud deliriert sozusagen schon von der ersten Seite des Buches an, so daß neben dem ideologischen Angebot an den Leser auch ein anderes, komplementäres Angebot vorliegt, das zur progressiven Einstimmung in den poetischen Wahn des Helden einlädt. Eine Lektüre dieser Art läßt einerseits alle Versuche, dem Autor unzulängliche Gestaltung quebeckischer Wirklichkeit als Romancier vorzuwerfen, obsolet erscheinen. [17] Andererseits relativiert sie den Gegensatz zwischen dem Traditionalisten Savard und jener Amerikanität, die angeblich erst mit der Révolution tranquille zum Leitstern der quebeckischen Literatur geworden ist. [18] Natürlich rechtfertigt Savard als Kirchenmann seine Waldläufer durch ihre Pionierfunktion an der Seite der Missionare. [19] Aber zugleich erweist sich sein Bild des Coureur de bois in seiner tragischen Unvereinbarkeit mit der Welt des Heute als Auslöser einer sprachlichen Kreativität, wie sie auch in dem berühmten Waldläufergedicht von Alfred Desrochers beschworen wird, freilich ohne mit Tod und Wahnsinn assoziiert zu werden :

Et comme au temps de mon aïeul, coureur des bois,

Ma joie et ma douleur chantent le paysage. [20]

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts heben Literaturhistoriker Québecs die Verzweiflung hervor, die sie in Savards Text orten und im Sinne totaler Resignation deuten. [21] Dabei wird aber der schöpferische Impuls übersehen, der das Scheitern des Protagonisten in den Triumph des Erzählers verwandelt. Es erscheint durchaus möglich, Menaud maître-draveur in die Reihe jener Texte zu stellen, welche Pierre Nepveu in seiner rezenten Studie über Intérieurs du Nouveau Monde [22] behandelt hat. Dieses Buch beschreibt die hindernisreiche Ausbildung einer neuweltlichen „Innerlichkeit“ bei den quebeckischen Autoren und geht dabei bis auf das 17. Jahrhundert der Marie de l’Incarnation zurück. Dabei wird immer wieder auf ein Gefühl der Leere und Nichtigkeit verwiesen, das bei den Autoren des frankophonen Kanada ein Symptom des  Brüchigwerdens der aus der Alten Welt importierten Ordnungsschemata und des Ringens um eine spezifisch „amerikanische“ Sensibilität darstellt. Die Aufgabe einer Literaturgeschichte, welche sich mit diesen Texten befaßt, besteht, so Nepveu, im “entrer dans l’aventure du sujet, plonger dans ses profondeurs archaïques, avec tout ce que cela peut comporter de discontinuité (...), de tension constante entre éblouissement et égarement, entre ordre et chaos, entre cauchemar et enchantement“, [23] In der Zeit nach der Conquête wird es darum gehen, die Spuren dieser von der Neuen Welt geprägten Innerlichkeit inmitten der  vom gesellschaftlichen Bedürfnis nach ideologischer Absicherung erzeugten Wertarchitekturen nachzuzeichnen. Sobald ein Ich sich inmitten der kontinentalen Unendlichkeiten einsam und verloren fühlt, schweigt die messianistische Rhetorik und es eröffnet sich ein Zugang „dans l’espace authentique de tous les possibles, dans un territoire d’incertitude et de contingences, mais aussi de vérité concrète“. [24]

Zweifellos gehört die Gegenüberstellung von Habitant und Coureur de bois bis heute zu den mächtigsten „idées reçues“ im quebeckischen Kulturleben. Erst vor einigen Jahren tobte eine politische Kontroverse rund um das Gegensatzpaar des “arpenteur“ und des „navigateur“. [25] Jacques Languirand, Schriftsteller und „homme de communication“, hat im Internet einen Essai über die berühmte Dichotomie veröffentlicht und dieselbe der Opposition des dionysischen und des apollinischen Prinzips bei Nietzsche angenähert:

Pour des raisons historiques, les Canadiens français ont été les premiers à refouler la tendance dionysienne de l’américanité. Alors que le reste du continent était encore profondément dionysien, le Canada français devenait apollinien. Mais le sociologue Marcel Rioux dit que notre définition profonde est dionysienne. Nous serions donc des dionysiens frustrés. (...) [26]

Zitate wie dieses machen klar, daß die Waldläuferfigur wie jeder Mythos Raum für spekulative Gedankenspiele erschafft. Umso faszinierender erscheint in diesem Zusammenhang die Kompromißlosigkeit, mit der Félix-Antoine Savard im Québec der vom Agrikulturalismus/Traditionalismus dominierten 30er Jahre die Bessessenheit Menauds darstellt, jenen furor poeticus, kraft dessen der alte Flößer seine seelischen Energien auf den ganzen weiten Kontinent richtet. Paradoxerweise erscheint der fromme Kanonikus auf diese Weise als ein Initiator von literaturhistorischen Kraftlinien, welche die Kritik seit jeher mit der Révolution tranquille und ihren Folgen assoziiert hat. Denn während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts taucht immer wieder das Waldläuferthema  auf, immer in engem Kontakt mit Tod oder Wahnsinn, in der Schwebe zwischen Aufbruch und Dableiben, das menschliche Subjekt mit seiner Gebrechlichkeit, aber auch mit dem Reichtum seiner Entfaltungsmöglichkeiten konfrontierend. So hat Gabrielle Roy ihr lebenslanges Ringen um den Ausgleich von Verwurzelung und Freiheitsdrang in der Gestalt des zum Künstler mutierten Waldläufers Pierre Cadorai verdichtet (La Montagne secrète, 1955). Der Protagonist durchwandert die Wildnis des kanadischen Nordens und beendet seine Suche nach dem vollkommenen Kunstwerk in der Beengtheit eines Pariser Untermietzimmers, wo ihn inmitten höchster kreativer Anspannung der Tod ereilt. In André Langevins L’Élan d’Amérique (1972) begegnen Bauer und Waldläufer als Brüder, von denen jeder auf seine Weise scheitert und am Ende der Lähmung bzw. geistigen Umnachtung anheimfällt. 1983 widmet Julien Bigras eine autobiographisch getönte Erzählung der fortschreitenden Psychose eines Protagonisten, der als Arzt mit den seelischen Störungen konfrontiert wird, welche die Sünden der coureurs de bois von einst an ihre Nachkommen überliefert haben.

Tous des buveurs, des coureurs, incapables de prendre racine. Installés à l’Ouest de Montréal, à Lachine plus précisément, ils n’y demeuraient que quelques jours par année, le temps de se saouler, de s’envoler en l’air avec les prostituées de leur petite bourgade, de dépenser leurs gains en extravagances de toute sorte, de rendre leur femme enceinte, et ils repartaient aussi sec en voyage sur les routes de l’Ouest (...). [27]

Amerika, für die Dichter Québecs, das ist mehr als eine Herausforderung, die zur rationalen Identitätserkundung und Identitätsbehauptung zwingt. Daß es sich hier um eine Sensibilität handelt, in der sich über Jahrhunderte hinweg euphorisierende und traumatische Erfahrungen eingenistet haben, läßt sich schwer beweisen und liegt doch nahe angesichts zahlreicher Texte, die eine Verbundenheit feiern, die durch seelische Verletzungen nur noch stärker wird.

Je suis un homme de mes terres d’Amérique

Je les porte pesantes

Pavées de glaise

Grisou d’exil

Je les porte je me sépare je me cogne à ta poutre

Amerique [28]

Die Dialektik von Erdenschwere und Wandern setzt sich fort in den zahlreichen Romanen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert, in denen quebeckische Protagonisten (nicht selten inspiriert von Jacques Kerouac) durch Kanada oder die Vereinigten Staaten reisen, um ihre Beziehung zu der Heimat zu überdenken und allenfalls neu zu definieren. Dabei wird die Glorie der alten Waldläufer mitunter recht radikal relativiert, wie in Poulins Volkswagen Blues, wo die Reise zunächst sehr genau die Wege der Gründer und Pioniere der Nouvelle France einhält, um aber schließlich mit dem Oregon Trail nach San Franzisko zu führen, statt im Sinne der Tradition über den Mississippi den Golf von Mexiko anzupeilen. Im Lichte der heiligen Narretei des alten Menaud erscheint es völlig konsequent, daß Poulin den die Mythen rund um das Bild des heroischen Nomaden verkörpernden Theo als einen Gelähmten und geistig Behinderten in Erscheinung treten läßt: Das Scheitern des großen Bruders ist ja die Voraussetzung für die Erschließung des Kontinents durch Jack und Pitsémine, die Exponenten einer neuen, weit über die alten Leitbilder hinausreichenden, sich aber gleichwohl von denselben nährenden Poesie. Wenn Jack Watermann am Ende nach Montréal zurückkehrt, so ist damit der alte Waldläufertraum keineswegs erledigt: dem Protagonisten ist ja bewußt, daß sein Herz bei den indianischen Göttern und der Grande Sauterelle – irgendwo in Kalifornien – gut aufgehoben ist. [29]

Welche Schlußfolgerungen lassen sich aus alledem hinsichtlich der literaturhistorischen Relevanz des Werkes von Félix-Antoine Savard ziehen ? Akzeptieren wir diesen Erzkonservativen als einen Pionier der neuen, von Amerikanität geprägten Literatur Québecs, so stellt sich die Frage, ob nicht das heute vorherrschende Bild der vorrevolutionären, von der „Theokratie“ geprägten Literatur zu revidieren ist. Sicher ist, daß die klerikal-bourgeoise Elite unter dem Druck der zur Konformität zwingenden Verhältnisse seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein defensives Kultursystem mit stark normativen Aspekten rund um Werthaltungen wie Treue zur Familie und zur (engeren) Heimat, Liebe zum französischen Erbe, christkatholisches Moralempfinden usw. aufgebaut hat. Aber offenbar steckt in den  Leitbildern der Verbundenheit mit Scholle, Sprache und Glaube, wie sie die normsetzende  Elite Québecs elaboriert und propagiert hat, immer auch die zum Abgrund drängende Gegenkraft. Das von der Elite als verbindlich erklärte und auch von großen Teilen der frankophonen Bevölkerung akzeptierte und verinnerlichte Kultursystem zielt darauf ab, einen Prozeß der Selbsterziehung im Sinne einer Bindung an nationale Traditionen, Familie, Dorf und Besitz in Gang zu setzen und laufend zu intensivieren. Zugleich erweist dieses System immer wieder seine Permeabilität gegenüber einer Modernität, die nicht nur vom anglo-amerikanischen Gegner ständig mobilisiert wird, sondern die in einem tief verwurzelten, von alter Waldläufer-Leidenschaft geprägten Drang, „au fond de l’inconnu pour chercher du nouveau“ vorzustoßen, ihre Entsprechung findet. Mag sein, daß wir es hier mit einem spezifisch quebeckischen Zugang zu einer Universalität zu tun haben, für die Claude Simon, der französische Nobelpreisträger mit einer Neigung zur Interkulturalität die Formel „Achille immobile à grands pas“ gebraucht hat. [30] Im andalusischen Kontext, angesichts der unauflöslichen Spannungen, die das  Schaffen des Dichters prägen, hat das Federico Garciá Lorca so ausgedrückt:

Sabe que los senderos

son todos imposibles,

y por eso de noche

va por ellos en calma. [31]

Fritz Peter Kirsch

Zuerst veröffentlicht in: Ingo Kolboom/ Sabine Alice Grzonka, Gedächtnisorte im anderen Amerika. Tradition und Moderne in Québec, Eine Publikation des CIFRAQS der TU Dresden, Heidelberg, Synchron, 2002, 41-54.

Unterwegs in Akadien (Peggy's Cove, Nouvelle-Écosse)


[1] Die Erzählungen seines Onkels haben in Menaud die Neigung geweckt,  „de faire l’outarde et de filer vers les Pays-d’en-Haut. Mais, empêché par les siens, il avait dû se borner à la barbotière aux pirons !“ (Félix-Antoine Savard, Menaud maître-draveur, Montréal, Fides, 1978, 75 f.)

[2] Félix-Antoine Savard, Menaud maître-draveur, Montréal, Fides, 1978, 62.

[3]   „Notons (...) comment l’aventure tragique de Menaud se perdant dans la forêt évoque le souvenir de la mort de François Paradis“ (André Renaud in: Félix-Antoine Savard, Menaud maître-draveur, 22).

[4] „Mais, empêché par les siens, il avait dû se borner à la barbotière aux pirons !“ Félix-Antoine Savard, Menaud maître-draveur, Montréal, Fides, 1978, 75 s.

[5]    „Explorateurs, trappeurs, trafiquants de fourrures, canotiers, tous ces hommes désignés parfois sous le vocable de „voyageurs“ furent des créateurs d’empire; à coup d’aviron, ils ont relié les morceaux épars de notre vaste pays“ (Normand Lafleur, La Vie traditionnelle du coureur de bois au XIXe et XXe siècles, Ottawa, Leméac, 1973, 280).

[6]   Cf. Denis Monière, Le Développement des idéologies au Québec des origines à nos jours, Montréal, Québec/Amérique, 1977,  48 ff.

[7] Aus literaturhistorischer Sicht formuliert Bernard Proulx so:  „ Ce qui sous-tend l’effort de colonisation dont le roman de la terre se fait le chantre, c’est un projet socio-économique d’envergure, moderne dans le contexte de la jeune poussée capitaliste (...). En définitive, le cadre rural que choisirent les premiers romanciers de la terre, bien loin de tenir la foi qu’ils auraient eue dans les vertus de la seule agriculture, répondait à toute une gamme de nécessités: occupation du territoire, accaparement des richesses naturelles, fondation de villes sous contrôle francophone, enraiement de l’émigration massive, du chômage et des causes de révolte. Tout cela, et même la rhétorique favorable à la classe agricole, se conçoit uniquement dans le contexte plus englobant de la fondation d’une société moderne, ce que souhaitaient modérés et radicaux.“ (Bernard Proulx, Le Roman du territoire, Montréal, UQAM, 1987, 61.) Vgl. die ähnliche Optik in der sozioökonomischen Analyse von Claude Couture, Le Mythe de la modernisation du Québec des années 30 à la Révolution tranquille, Québec, Méridien, 1991).

[8]   „Le voyageur et le forestier sont les enfants prodigues de la famille canadienne. Il faut les réintégrer, non pas tant en acceptant leur statut d’enfants prodigues, mais en changeant le contenu sémantique et épistémique de leur imaginaire. Les légendes sont christianisées, les comportements moralisés, les aspirations contenues.“ (Maurice Lemire, „Présentation“, in Joseph-Charles Taché, Forestiers et voyageurs, Montréal, Fides, 1981, 12).

[9] Vgl. Antoine Gérin-Lajoie, Jean Rivard le défricheur, récit de la vie réelle (1862); Id., Jean Rivard économiste (1864).

[10] Maurice Lemire, Formation de l’imaginaire littéraire québécois (1764-1867), Montréal, L’Hexagone, 1993, 15.

[11]   Vgl. F. Peter Kirsch, „Jeanne, Mireille, Maria... et les voix de la patrie“, in: Anciens Canadiens et Nouveaux Québécois, Cahiers francophones d’Europe Centre-Orientale 9 1998, 125 – 138.

[12]   Vgl. Monique Boucher-Marchand, „Entre Québec et Acadie. Deux imaginaires, deux littératures“, in: Roger Chemain/Arlette Chemain Degrange, Imaginaires francophones, Presses Université de Nice, 1996, 238: „Des les premiers écrits, ce thème de l’errance trouve sa voie américaine dans l’image du „coureur de bois“, trappeur courageux, intrépide et astucieux dont l’imagination populaire s’est emparée; elle en a fait le héros de légendes diverses. Mais cet attrait du voyage menace l’intégrité de la communauté et sa valeur euphorique est contredite par les dangers que représentent les villes américaines, nouvelles Babylones dénoncées par l’élite cléricale“.

[13] Auch die Lobpreisung des gottgefälligen Landbaus findet sich in Menaud maître-draveur: „Tous ces rites de semailles, où, dans la grande nuit de printemps, alternaient les parfums, les voix, la clarté de lune et les étoiles, étaient frères des cérémonies saintes, rappelaient l’encens, les cantiques, les cierges. Ils avaient, comme les rites d’Église, façonné l’âme des laboureurs, établi, au cours des siècles, un parfait accord entre les moeurs de l’homme et la vie des champs. Ils prêchaient la confiance dans le calme, enseignaient la valeur du travail et le prix du repos, révélaient les lois saintes, immuables, tranquilles, dans le bénéfice desquelles on entrait dès qu’on avait voué à la terre son labeur et sa fidélité. En somme, tout cela, tout autour, dans les champs et sur la montagne, assurait qu’une race fidèle entre dans la durée de la terre elle-même.“ (Félix-Antoine Savard, Menaud maître-draveur, 94).

[14] Félix-Antoine Savard, La Dalle-des-morts, drame en trois actes, suivi de La Folle, Montréal, Fides, 1965, 18.

[15]   Ibid. 34.

[16]   Ibid. 92 et suiv.

[17]   Cf. André Belleau, „Le Conflit des codes dans l’institution littéraire québécoise“, in: A. B., Surprendre les voix, Montréal, Boréal Express, 1986, 171.

[18]   Vgl. zuletzt  Alessandra Ferrero, „Il continente ritrovato: immagini dell’America nella letteratura canadese francofona“, Il Bianco e il nero, Studi di filologia e di letteratura 2, 1998, 9-22.

[19] In La Dalle-des-morts findet Elodie, deren Ehemann als coureur de bois umgekommen ist, im Gedanken an die von dem Verstorbenen der Kirche geleisteten Dienste Trost: „c’est qu’il aimait guider les missionnaires“ (Félix-Antoine Savard, La Dalle-des-morts, 64).

[20] Alfred DesRochers, „Je suis un fils déchu de race surhumaine“, À l’ombre de l’Orford, 1929.

[21] „Mes sentiments postréférendaires s’accordent avec Menaud qui est un grand chant de défaite. Menaud dit la beauté du pays, il dit presque (...) qu’il faut y renoncer: aucun bonheur n’est possible ici-bas. Soyons pauvres; et s’il le faut soyons anglais, car la vraie patrie c’est le ciel“ (André Brochu, „Menaud today“, in: Histoire de Menaud, RHLQC 13 1987, 76; vgl. auch die in diesem Sammelband enthaltenen Beiträge von Claude Filteau und Pierre-H. Lemieux. Clément Moisan sieht einen Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise: „Le mauvais rêve de la grande crise (1930-39) devient dans Menaud un véritable cauchemar, qui cherchera à se dire dans l’idéologie nationaliste (...)“ Ibid., 69).

[22]   Vgl. Pierre Nepveu, Intérieurs du Nouveau Monde. Essai sur les littératures du Québec et des Amériques, Montréal, Boréal, 1998.

[23]   Ibid., 108.

[24]   Ibid. 102.

[25]   Cf. Monique LaRue, L’Arpenteur et le navigateur, Montréal, Fides/CETUQ, 1996, ainsi que les polémiques consécutives, au cours de l’année 1997, dans La Tribune juive et Le Devoir.

[26] Cf. „Le Québec et l’américanité“, http://radio-canada.ca/par4/soc/americanite.htm

[27]   Cf. Julien Bigras, Ma vie, ma folie, Paris-Montréal, Mazarine-Boréal Express, 1983, 91: „“

[28]   Michel Van Schendel, „Amérique étrangère“, in: Poèmes de l’Amérique étrangère, Montréal, L’Hexagone, 1958.

[29]   „(...) il souriait malgré tout à la pensée qu’il y avait, quelque part dans l’immensite de l’Amérique, un lieu secret où les dieux des Indiens et les autres dieux étaient rassemblés et tenaient conseil dans le but de veiller sur lui et d’éclairer sa route.“ (Jacques Poulin, Volkswagen Blues, Montréal, Québec/Amérique, 1989 (1984), 290).

[30]   Vgl. Claude Simon, Orion aveugle, Paris 1971.

[31] Este es el prólogo, 1935. François Ricard hat diese „weltliterarische“ Dimension von Menaud, maître-draveur schon in einer Studie von 1972 anklingen lassen, sie aber ausschließlich auf Savards Tristesse im Spannungsfeld von patriotischem Traum und deprimierender Wirklichkeit zurückgeführt: „(...) cette douleur attachée à sa vie fait de Menaud le frère de tous ces absents, de tous ces passionnés et ces insatisfaits qui peuplent depuis toujours la littérature de l’Occident: Tristan, Don Quichotte, Roxane, Werther, Frédéric Moreau et tant d’autres, voilà sa race, la lignée à laquelle il appartient.“ (François Ricard, L’Art de Félix-Antoine Savard dans ‚Menaud, maître-draveur‘, Montréal, Fides, 1972, 115).