Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien vergibt am 9. Oktober 2025 um 13 Uhr zum siebten Mal die Oskar-Morgenstern-Medaille. Der diesjährige Preisträger ist der indischstämmige Organisationswissenschafter Phanish Puranam, Roland Berger Chaired Professor of Strategy and Organisational Design an der INSEAD Business School. Puranam ist international nicht nur in der Forschung, sondern auch bei Entscheidungsträgern in Unternehmen für seine Arbeiten bekannt, mit denen er das aktuelle Verständnis von Organisationen wesentlich mit geprägt hat. Im Rahmen der Verleihung wird er einen Vortrag mit dem Titel “Designing Organizations in the Age of Algorithms” halten, der auf seinem kürzlich erschienenen Buch Re-Humanize basiert.
Kooperation in Organisationen
Phanish Puranam beschäftigt sich mit den Grundfragen, wie Menschen in Organisationen ihre Zusammenarbeit strukturieren, Aufgaben verteilen und Wissen sowie Handlungen effektiv integrieren können. Seine theoretischen und empirischen Beiträge haben entscheidend dazu beigetragen, die “Mikrostrukturen” von Organisationen – also Muster von Interaktionen, Entscheidungen und Konfliktlösungen – besser zu verstehen und beschreiben zu können. Damit verfeinert er zum einen Erklärungen für zentrale Phänomene der traditionellen Unternehmenspraxis, etwa im Bereich Mergers & Acquisitions oder bei der Gestaltung diversifizierter Konglomenrate. Zum anderen schafft er mit seinen Arbeiten zur skalierbaren nicht-hierarchischen Kooperation die wissenschaftlichen Grundlagen für die Beschreibung und Gestaltung neuer Formen des Organisierens – von agilen Teams bis zu netzwerkartigen Strukturen in digitalen Plattformen oder Open-Source-Gemeinschaften.
Organisationen im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz
Der aktuelle Schwerpunkt von Puranams Forschung liegt auf den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Organisationen. Seine Arbeiten illustrieren, wie Algorithmen als Werkzeuge, Teammitglieder oder sogar Vorbilder für Organisationsgestaltung fungieren können. Als einer der Pioniere des Feldes proklamierte Puranam bereits frühzeitig, dass Systeme aus mehreren KI-Agenten selbst wie Organisationen behandelt und gestaltet werden müssen – mit klarer Aufgabenverteilung, Koordination und Konfliktlösung. Dabei stellt der Preisträger aber immer auch die Frage, wie die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen so gestaltet werden kann, dass Vertrauen, Effizienz und Lernfähigkeit menschlicher Mitarbeiter erhalten bleiben. Mit diesen innovativen Ansätzen trägt Puranam wesentlich dazu bei, Organisationen auf die Herausforderungen der digitalen Transformation vorzubereiten.
Gesellschaftliche Relevanz und internationale Anerkennung
Die Arbeiten von Phanish Puranam verbinden analytische Theorie mit hoher praktischer Relevanz. Sie sind nicht nur in den führenden wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht, sondern fließen auch in die Managementpraxis und in öffentliche Diskussionen ein. Seine Beiträge helfen Unternehmen, Verwaltungen und internationalen Organisationen, sich auf eine zunehmend komplexe, global vernetzte und technologiegetriebene Umwelt einzustellen.
Mit der Auszeichnung von Phanish Puranam möchte die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die Diskussion um die Frage befördern, wie Organisationen so gestaltet werden können, dass sie Kooperation und Innovation ermöglichen und zugleich den Menschen in den Mittelpunkt stellen – auch im Zeitalter der Algorithmen.
Über die Oskar-Morgenstern-Medaille
Der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien ist es ein Anliegen, Forschung auf höchstem Niveau zu betreiben und das Ansehen internationaler Spitzenforschung zu fördern: Die Oskar-Morgenstern-Medaille, benannt nach Oskar Morgenstern, Mitbegründer der Spieltheorie und bis 1938 Professor an der Universität Wien, wurde 2013 zur Ehrung große Wirtschaftswissenschafter*innen und zur Feier des 250-jährigen Bestehens der Fakultät ins Leben gerufen. Die bisherigen Preisträger*innen sind Roger B. Myerson (2013), Robert F. Engle (2015), Ernst Fehr (2017), Sir Christopher A. Pissarides (2019), Muriel Niederle (2021) und Thomas Piketty (2023). Die Medaille ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre von der Fakultät verliehen.