"Die Schlussfolgerungen unserer Studie reichen somit über die Archäologie und die langfristige Beziehung zwischen Menschen und natürlichen Ressourcen in klimatisch extremen Regionen hinaus. Sie erstrecken sich auf Bereiche wie die wirtschaftlichen Mechanismen, die die Beziehungen zwischen Produzent*innen und Konsument*innen über Zeit und Raum hinweg vermitteln", fügt Luciani hinzu, Archäologin und Teamleiterin des Netzwerks „Human Evolution and Archaeological Science“ (HEAS) an der Universität Wien.
"Entscheidend für diese erstmalige Entdeckung war unser interdisziplinärer und multiskalarer Ansatz, bei dem die Untersuchung von stratigraphischem Material, die Technologie der Gefäßformung sowie die petrographische Analyse von Keramikdünnschnitten unter dem Polarisationsmikroskop kombiniert wurden", erklärt Pamela Fragnoli, Leiterin des Keramiklabors des Österreichischen Archäologischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAI/ÖAW), "abgeglichen mit chemischen Fingerabdrücken der Gefäßzusammensetzung, bis hin zu deren Spurenelementen, die mittels Neutronenaktivierungsanalyse ermittelt wurden", fügt Johannes H. Sterba, Leiter des Zentrums für Markierung und Isotopenproduktion an der TU Wien, hinzu.
Doralice Klainscek, Doktorandin an der Universität Wien und Mitautorin der Studie, erklärt: "Die ersten Exemplare der bemalten Keramik aus Qurayyah wurden vor 3.600 Jahren hergestellt. Unsere auffälligste Entdeckung war die Feststellung, dass die Produktion bemalter Keramik fortgesetzt wurde und sich dabei ständig weiterentwickelte (Abb. 2). Vier Jahrhunderte später, vor ca. 3.200 Jahren, schufen die Menschen ein blühendes Repertoire an zweifarbig bemalten Tieren und menschlichen Ritualen (Abb. 3): Dies wurde zum Markenzeichen, das über Hunderte von Kilometern nach Norden in die südliche Levante exportiert wurde, zu Stätten wie Tell el-Kheleifeh und sogar zum Timna-Heiligtum der ägyptischen Göttin Hathor, sowie nach Süden bis nach Nordarabien. Die Töpfertradition von Qurayyah hörte nicht auf und blieb noch weitere tausend Jahre bis weit in die späte Eisenzeit hinein in der Oase verankert."
Zusammenfassung:
- Ein interdisziplinärer Ansatz zur Analyse antiker Gefäße, die in der Oase Qurayyah im Nordwesten Arabiens gefunden wurden, bietet beispiellose Einblicke in Markenbildung und Handel in der Bronzezeit.
- Die Forscher*innen kamen zu dem Schluss, dass die bemalte Keramik (früher als "Midianitische Keramik" bekannt) so unverwechselbar, ansprechend und begehrt war, dass sie als "Marke" betrachtet wird.
- Dadurch konnten die Archäolog*innen Kriterien für die Identifikation antiker Marken erarbeiten: visuelle Identität, materielle Konsistenz, technologische Kontinuität, zentralisierte Produktion, Exportzirkulation, lokale Nachahmung, beabsichtigte kommerzielle Reichweite und kultureller Ruf.
- Die Implikationen der Studie reichen über die Archäologie hinaus in Bereiche wie die wirtschaftlichen Mechanismen.
Über die Studie:
Die Studie entstand im Rahmen des FWF-Projekts "ANAPAN. Ein neuer Ansatz zur Keramik Arabiens und seiner Nachbarländer" (Projektnummer I06562) unter der Leitung von Prof. Dr. Marta Luciani. Gemeinsam mit Ahmed Abualhassan von der Heritage Commission (HC) des saudischen Kulturministeriums leitet sie das "Qurayyah Joint Archaeological Project". Die HC ermöglichte alle notwendigen Probenahmeverfahren.
Weitere Mitautor*innen sind: Dr. Pamela Fragnoli, Leiterin des Keramiklabors des Österreichischen Archäologischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, PD Dr. Johannes H. Sterba, Leiter des Zentrums für Markierung und Isotopenproduktion an der TU Wien, Dr. Joseph A. Greene vom Harvard Museum of the Ancient Near East, Dr. William D. Gilstrap, leitender Wissenschaftler am Center for Materials Research in Archaeology and Ethnology am M.I.T., Dr. Stephen Bourke und Dr. Paul Donnelly, beide von der University of Sydney, sowie Doralice Klainscek, Doktorandin im Rahmen des ANAPAN-Projekts.
Über die Universität Wien:
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Originalpublikation:
Marta Luciani, Pamela Fragnoli, William D. Gilstrap, Johannes H. Sterba, Doralice Klainscek, Joseph A. Greene, Stephen Bourke, Paul Donnelly: Creating a brand. Genesis, transformation and diffusion of Qurayyah Painted Ware. In PLOS One, 2026.
DOI: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0351296