Der Chemiker Thomas Böttcher erhält einen Proof of Concept Grant des ERC. Damit wurden insgesamt bereits 160 dieser prestigeträchtigen Auszeichnungen an die Universität Wien vergeben. Mit dem Programm des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) wird grundlagenorientierte Pionierforschung mit hohem Innovationspotenzial ermöglicht.
Proof of Concept-Grants unterstützen Forscher*innen eines bestehenden oder kürzlich abgeschlossenen ERC-Projekts dabei, Potenziale auszuloten, um Ergebnisse der Grundlagenforschung unmittelbar in die Anwendung zu bringen.
Bakteriophagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren und bieten ein großes Potenzial für die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen und die Weiterentwicklung der Biotechnologie. Einer breiteren Anwendung wird stehen aktuell jedoch etwa eine langsame, unsystematische Identifizierung dieser Phagen und ineffiziente, nicht skalierbare Reinigungsmethoden, die schädliche Verunreinigungen mit sich bringen, im Weg. Diese Herausforderungen führen zu kritischen Engpässen und unterstreichen den Bedarf an schnellen, sicheren und zuverlässigen Technologien zur Phagenabscheidung.
In seinem ERC-PoC-Projekt PhageTRAP schlägt der Chemiker Thomas Böttcher deshalb eine modulare Plattform vor, die Phagen mithilfe synthetischer Erkennungsmotive selektiv einfängt und freisetzt. Dieser Ansatz, der an klinisch relevanten und umweltbezogenen Phagen validiert wurde, integriert Chemie und Mikrobiologie, um eine skalierbare Reinigung, ein Hochdurchsatz-Screening und eine rationale Auswahl von Phagen zu ermöglichen. PhageTRAP hat ein starkes translationales Potenzial mit klaren industriellen, klinischen und kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten.
Über Thomas Böttcher
Thomas Böttcher ist Professor für Mikrobielle Biochemie an der Universität Wien sowohl an der Fakultät für Chemie als auch am Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaften. Seine Forschungsgruppe konzentriert sich auf die Chemie mikrobieller Interaktionen, die Aufklärung von Metaboliten, die Mikroben-Mikroben-, Mikroben-Wirt- und Mikroben-Phagen-Interaktionen vermitteln, sowie die Entwicklung artspezifischer Antibiotika, Anti-Virulenz-Verbindungen und chemischer Sonden für präzise Mikrobiom-Interventionen. Seine Arbeit zielt darauf ab, das grundlegende Verständnis der mikrobiellen Chemie zu erweitern und Werkzeuge für die gezielte Modulation des Mikrobioms zu schaffen.