Das Projekt ARRAKIHS von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) soll neue Erkenntnisse zu einer der wichtigsten offenen Fragen der modernen Astrophysik gewinnen: Wie entstehen und entwickeln sich Galaxien im Rahmen des Standardmodells der Kosmologie? Jetzt hat die ESA ARRAKIHS offiziell als zweite wissenschaftliche Mission der FAST-Klasse (F2) angenommen und damit den geplanten Starttermin im Jahr 2030 bestätigt. Die Universität Wien leitet die österreichische Beteiligung an der Mission. Der Hauptbeitrag besteht in der Entwicklung der Bordsoftware für ARRAKIHS am Institut für Astrophysik.
Die diffusen Sternhalos mit geringer Oberflächenhelligkeit, die Galaxien wie die Milchstraße umgeben, enthalten entscheidende Informationen darüber, wie sich Galaxien gebildet und entwickelt haben. Sie geben Aufschluss über die kombinierten Auswirkungen von dunkler Materie, Galaxienverschmelzungen und anderen Prozessen, die Galaxien im Laufe der kosmischen Zeit prägen. „Viele dieser Strukturen sind extrem schwach und lassen sich mit den vorhandenen Beobachtungen nur schwer systematisch untersuchen“, erklärt Rebekka Coles-Bieri (UZH), die wissenschaftliche Koordinatorin der Mission.
ARRAKIHS wird somit einen neuen Beobachtungsansatz für weitgehend unerforschte Galaxienstrukturen mit geringer Oberflächenhelligkeit eröffnen und die Untersuchung bisher verborgener stellarer Bestandteile der Galaxienhalos ermöglichen.
Uni Wien entwickelt Bordsoftware zur Steuerung der Instrumente
Mit der offiziellen Annahme durch die ESA geht die Mission jetzt in die nächste wichtige Phase: die Weltraumsonde und ihre wissenschaftlichen Instrumente werden gebaut, integriert und für den Weltraumeinsatz qualifiziert. Die Universität Wien leitet die österreichische Beteiligung an der Mission, unter der Koordination von Manuel Güdel. Ihr Hauptbeitrag besteht in der Entwicklung der Bordsoftware für ARRAKIHS am Institut für Astrophysik der Uni Wien. Diese Software steuert die Systeme des Instruments beim Beobachten, erfasst Leitsterne und berechnet Lagekorrekturen, verarbeitet die aufgenommenen Bilder und überwacht den Status der Subsysteme. „Unsere Software ermöglicht die Steuerung aller Instrumente an Bord und sorgt dafür, dass ihr Potenzial maximal ausgeschöpft werden kann“, betont Roland Ottensamer, der den technischen Beitrag leitet. Damit meint er auch das Computersystem, das am Institut für Weltraumforschung in Graz gebaut wird.
In enger Partnerschaft mit der Universität Wien tragen auch das Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz und die Universität Innsbruck aktiv zur Entwicklung dieser Mission bei.
Über die Mission
ARRAKIHS entsteht im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der ESA und dem ARRAKIHS Mission Consortium (AMC) unter der Leitung von Rafael Guzmán vom Instituto de Física de Cantabria (IFCA, CSIC–UC). Das Konsortium umfasst mehr als 250 Wissenschafter*innen und Ingenieur*innen aus sieben ESA-Mitgliedstaaten unter der Leitung Spaniens, darunter Österreich, Belgien, Norwegen, Portugal, Schweden und die Schweiz, sowie weitere Beiträge von Institutionen und Unternehmen im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Dänemark, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Taiwan und Thailand.
Im Rahmen der Verbreitungsstrategie wurde das Projekt „The ARRAKIHS Universe through Research and Art (AURA)” ins Leben gerufen. Es zielt darauf ab, Wissenschaft und Kunst zusammenzubringen. Die Universität Wien ist an diesem Projekt beteiligt, Anahí Caldú von der Uni Wien ist hauptzuständig in Österreich.
Zusammenfassung:
- Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat die Mission ARRAKIHS bestätigt, damit startet die Bauphase. Das Projekt von der soll neue Erkenntnisse zur Galaxienentstehung bringen.
- Die Universität Wien leitet die österreichische Beteiligung an der Mission und entwickelt die Bordsoftware für die Mission.
- ARRAKIHS soll einen neuen Beobachtungsansatz für weitgehend unerforschte Galaxienstrukturen mit geringer Oberflächenhelligkeit eröffnen und die Untersuchung bisher verborgener stellarer Bestandteile der Galaxienhalos ermöglichen.